Midea-Kuka Verhandlungen Midea gehören nun über 85 Prozent von Kuka

Die Übernahme von Kuka durch Midea scheidet die Geister: Ist es der Ausverkauf deutscher Spitzentechnologie nach China oder das Eintrittstor eines deutschen Vorzeigeunternehmens auf einen der wichtigsten Wachstumsmärkte?
Die Übernahme von Kuka durch Midea scheidet die Geister: Ist es der Ausverkauf deutscher Spitzentechnologie nach China oder das Eintrittstor eines deutschen Vorzeigeunternehmens auf einen der wichtigsten Wachstumsmärkte?

Bis zum Ende der Übernahmefrist wurden über 72 Prozent der ausstehenden Kuka-Aktien an Midea überschrieben. Das teilte der chinesische Hausgerätehersteller mit, der bereits vor dem öffentlichen Übernahmeangebot 13,5 Prozent der Kuka-Aktien hielt.

Das Angebot von Midea an die Kuka-Aktionäre war zwar sehr großzügig, aber dass ein so großer Teil des Augsburger Robotik-Herstellers an Midea fallen würde, ist eine Überraschung. Weitere Anteile können im Zeitraum vom 21. Juli bis zum 3. August an Midea überschrieben werden. Grundlage ist das Wertpapiererwerbs- und Übernahmegesetz (WpÜG), das eine zusätzliche Annahmefrist von zwei Wochen vorsieht. Nach Ablauf dieser Frist werde Midea die finale Annahmequote bekannt geben, hieß es von Seiten des chinesischen Herstellers.

Nach aktuellem Stand gehören knapp 86 Prozent von Kuka nun Midea. Völlige Handlungsfreiheit über den weiteren Kurs des Robotik-Herstellers hat sich der chinesische Investor damit aber nicht erkauft – zumindest keine, die zeitnah zum Tragen käme. Im Vorfeld wurde zwischen beiden Seiten eine Investorenvereinbarung ausgehandelt, durch die Midea bis zum Jahr 2023 an weitreichende Zugeständnisse gebunden ist. Darunter fallen unter anderem Garantien zur Erhaltung aller Standorte und Arbeitsplätze weltweit, zur Weiterführung der aktuellen Firmenstrategie, zur Unabhängigkeit des Kuka-Vorstands und zum Schutz von Kundendaten sowie Kuka-Know-how. Nach Ablauf dieser Frist ist Midea an diese Zusagen nicht mehr gebunden.

Hintergrund der Verhandlungen zwischen beiden Unternehmen ist der chinesische Robotik-Markt. Kuka hat mehrfach die Aufbruchstimmung der chinesischen Elektronikfertiger betont, nun von Handarbeit auf Fertigungsroboter umzustellen, die speziell unter den Herstellern für den 3C-Markt (computer, communication and consumer electronics) besonders groß sei. »Chinesische Fabrikbesitzer sind jetzt auf der Suche nach Robotern für die Elektronikfertigung«, erklärte beispielsweise der Geschäftsführer der Kuka Roboter GmbH Stefan Lampa bereits auf der diesjährigen Hannover Messe. Dort wurde auch Kukas KR3-Agilus Leichtbauroboter vorgestellt, den die Augsburger speziell auf die Anforderungen der 3C-Elektronikfertiger auf dem chinesischen Markt zugeschnitten haben.