Konjunkturzahlen Automation Keine Panik trotz 8.000 weggefallener Stellen und Zeitarbeit

»Großbritannien hatte 2018 immerhin einen Anteil von acht Prozent am EU-Markt. Ein Brexit würde deutliche Spuren hinterlassen«. Auf der SPS Smart Production System legte Dr. Jan Mrosik vom ZVEI die aktuellen Konjukturzahlen vor.
»Großbritannien hatte 2018 immerhin einen Anteil von acht Prozent am EU-Markt. Ein Brexit würde deutliche Spuren hinterlassen«. Auf der SPS Smart Production System legte Dr. Jan Mrosik vom ZVEI die aktuellen Konjukturzahlen vor.

Der ZVEI hat auf der Fachmesse SPS die neuesten Konjunkturzahlen für die Automation kommentiert. Die lauten: 8000 entfallene Arbeitsplätze, Zeitarbeit und möglicherweise Nullwachstum im nächsten Jahr.

Der Weltmarkt für Automation ist in den letzten zehn Jahren durchschnittlich um 6,6 Prozent gewachsen und liegt aktuell bei 546 Milliarden Euro. Der größte Wachstumstreiber ist China mit aktuell 43 Prozent Weltmarktanteil. Die Schattenseite aus deutscher Sicht: Das Reich der Mitte reduziert kontinuierlich sein Exportminus mit der Bundesrepublik. Hinzu kommt der konjunkturelle Abschwung im Maschinenbau und der Automobilindustrie.

Seit 2019 ist das Produktionsaufkommen der deutschen Automatisierungsunternehmen abgeflacht und ist auf das Niveau von Anfang 2016 zurückgefallen. Die größten Auftragsrückgänge kamen laut Dr. Jan Mrosik, Vorsitzender des Fachverbands Automation beim ZVEI, aus den Maschinenbaubereichen Werkzeugmaschinen und Roboter. Nach den ersten neun Monaten 2019 beträgt der in Deutschland gemeldete Umsatz der Automation 38,7 Milliarden Euro. Das ist ein Minus von 5,0 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum und der erste Rückgang nach fünf Jahren ununterbrochenem Wachstum.

Berichtete der ZVEI wegen der hohen Produktionsleistung vor einem Jahr noch von Rohstoffknappheit und eingeschränkt verfügbaren Vorleistungen für die Automation, hat sich der Wind mittlerweile gedreht. »Hier drücken uns heute keine Sorgen mehr«, sagte Mrosik mit leicht ironischem Unterton. Die Entwicklung hat auch Folgen für die Beschäftigungssituation. Im September 2019 arbeiteten 268.090 Personen in der Automation und damit 8.000 weniger als ein Jahr zuvor. Hinzu kommen laut Mrosik »flexible Arbeitszeitmodelle« und konjunkturbedingte Kurzarbeit in einigen Betrieben.

Langfristige Wachstumstrends intakt

Arbeitnehmer müssten sich trotzdem keine Sorgen machen. Aktuell liege das Niveau der Kurzzeitarbeit auf einem Vierzigstel im Vergleich zur Zeit der Finanzkrise um 2008/09 und einem Stellenabbau stehe der Fachkräftemangel entgegen.

Für 2019 erwartet der ZVEI für die weltweite Automation ein Umsatzwachstum im unteren einstelligen Bereich. 2020 ist ein Nullwachstum wahrscheinlich. Langfristig würden die Megatrends den Einbruch wieder auffangen. Dazu gehörten in erster Linie die Digitalisierung, die der Sensorik-Branche bereits Wachstum beschert sowie die gesellschaftliche Forderung nach mehr Klimaschutz.