Bildverarbeitung Framos: »Den Innovationsgrad hoch halten«

Seit 30 Jahren leitet Bernd Franz das Familienunternehmen und wurde dabei tatkräftig von seiner Frau Hildegard und seinem Sohn Andreas unterstützt.
Seit 30 Jahren leitet Bernd Franz das Familienunternehmen und wurde dabei tatkräftig von seiner Frau Hildegard und seinem Sohn Andreas unterstützt.

Der Bildverarbeitungsspezialist Framos hat sich zur Aufgabe gemacht, Innovationen in Deutschland und Europa zu fördern. Elektronik-Redakteurin Andrea Gillhuber sprach mit dem Firmengründer Bernd Franz und seinem Sohn Dr. Andreas Franz, dem jetzigen CEO, über Familienbande und Innovationen.

Wie kamen Sie vor 30 Jahren auf die Idee, ein Unternehmen in Bildverarbeitung zu gründen?

Bernd Franz: Ich habe vor der Gründung von Framos schon in einschlägigen Unternehmen gearbeitet und war auch an einigen beteiligt. Irgendwann habe ich mich selbstständig gemacht. Seit 1982 pflege ich Kontakt zur Firma Sony und über den Sensorvertrieb hinaus entwickelte sich letztendlich ein Unternehmen für Bildverarbeitung.

Wie positioniert sich Framos in der Bildverarbeitungsindustrie?

Andreas Franz: Wir sind ein international tätiges Unternehmen und vor allem in Europa stark vertreten. Als Gesamt-Dienstleister bieten wir unseren Kunden von der Sensorik bis hin zur kompletten Lösung alles an. Primär sehen wir unsere Arbeit aber als Partnerschaft: Wir versuchen, unsere Kunden auf deren Kernkompetenzen zu fokussieren, alles, was darüber hinausgeht, steuern wir bei. So konzen-triert sich z.B. ein Kamerahersteller auf die Hardware, während wir die nötige „Algorithmik“ zur Bildoptimierung beitragen. Für uns ist es wichtig, für jeden Kunden die richtige Antwort zu haben.

Was hat sich in den letzten 30 Jahren in der Bildverarbeitungsbranche geändert?

Bernd Franz: Sagen wir es einmal so: Vor 30 Jahren gab es noch nicht viel Bildverarbeitung. Hauptsächlich wurden Lichtschranken und ähnliches verwendet. Das hat sich dann im Laufe der Zeit geändert: Je besser die Sensoren und Kameras wurden, und auch durch die entsprechende Rechenleistung der Computer, um so mehr hat sich der Markt geändert. Zu Anfang waren ja immense Speicherkapazitäten notwendig, um allein ein Bild zu speichern.

Damals wurde die Technik in Deutschland entwickelt und in Japan verfeinert. Ist das heute noch so?

Bernd Franz: In der Sensorik auf jeden Fall, aber in der Kamera-Herstellung hat sich das Ganze sehr auf Mitteleuropa konzentriert.

Andreas Franz: Ursprünglich war es wirklich so: In Deutschland entwickelten die Physiker die CMOS- und CCD-Technologie, allerdings wurde von Seiten der Unternehmen kein Geld in die Hand genommen, um diese Technologien voranzutreiben – das haben die Japaner übernommen. Allen voran die Firma Sony, die die CCD-Technik weiterentwickelte und primär in ihren Endkundenprodukten einsetzte.

Bernd Franz: Für Sony war es auch einfach: Sie hatten schon diese Röhrenkameras, die CCD-Technologie war nur der nächste Schritt.

Andreas Franz: Später konnte man beobachten, dass sich die Historie umkehrte: Japanische Unternehmen waren nicht flexibel genug, diese Lücken schlossen viele Mittelständler. Glück-licherweise konnten wir aufgrund unserer Kontakte zu Sony einer der Treiber sein: Mein Vater hat in München das CCD-Forum gegründet, das wiederum 20 Jahre lang den technischen Austausch forciert hat; später verlagerte sich das in Online-Foren. Dadurch hat sich eine Design-Kompetenz entwickelt. Vertreter namhafter Unternehmen wie PCO, Baumer oder AVT waren in diesem Netzwerk eingebunden.

Am Anfang waren es sehr technisch ausgeprägte Firmen, die sehr eng zusammengearbeitet haben und deshalb auch stark gewachsen sind. Heute haben sich die Marktanforderungen, die Marktstruktur sehr verändert. Es sind große Endkunden entstanden, System-integratoren wie Vitronic oder Viscom, die teilweise auch selbst Kameras herstellen. Die klassische Kundensegmentierung zwischen Systemintegrator und Kamera-Hersteller weicht so auf. In den letzten zehn Jahren haben sich zudem professionelle Strukturen wie Einkaufsabteilungen, Marketingabteilungen und damit ein größeres Wettbewerbsdenken entwickelt. Das „Wir schaffen das gemeinsam“-Gefühl gibt es nicht mehr.

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Familienunternehmen Framos

Seit 30 Jahren ist das Unternehmen Framos eine feste Größe in der Bildverarbeitung. Das Familienunternehmen hat sich zur Aufgabe gemacht, Innovationen in Deutschland und Europa zu fördern. Wir sprachen mit dem Firmengründer Bernd Franz und seinem Sohn

Einige Hersteller sagen CCD ist tot, CMOS ist die Zukunft. Wie sehen Sie das?

Andreas Franz: Mit dieser Aussage wurden wir bereits vor fünf bis acht Jahren konfrontiert. In regelmäßigen Umfragen geben wir diese Frage an unsere Kunden weiter. Die Zukunft sehen wir im CMOS-Bereich, wir sehen aber auch, dass von Seiten der Nutzer immer noch die CCD-Sensorik verwendet wird. Technologisch gesehen kann man aus CCD nicht mehr viel herausholen; CMOS verändert sich rapide und der Preis ist ein riesiger Hebel.

Bernd Franz: Und CMOS hat ganz neue Märkte erschlossen ...

Andreas Franz: Der klassische Markt – Machine Vision – ist noch stark von Sony- und Kodak-CCDs geprägt, aber die restlichen Märkte orientieren sich schon an CMOS; das wird auch in der Industrie so sein. Nichtsdestotrotz sehen wir in den nächsten fünf Jahren den Bedarf an CCD-Sensoren nicht auf Null gehen. Im Moment wächst er sogar noch, allerdings nicht so stark wie CMOS – dieser Markt verdoppelt sich sozusagen jedes Jahr in unseren Umsätzen.

Wie hat sich die Chip-Entwicklung generell auf die Kamera-Entwicklung ausgewirkt?

Andreas Franz: Generell profitiert und partizipiert die industrielle Bildverarbeitung von den Entwicklungen in der Konsumer-Elektronik. Ein Beispiel hierfür sind die Entwicklungen im FPGA- und DSP-Bereich. Mit diesen Bausteinen wird es zunehmend möglich, Inhalte, also Algorithmen, auf Kameras zu implementieren und so Kameras „intelligent“ zu machen. Die Bildverarbeitung greift stark auf die konsumorientierten Standards zurück da die Volumina recht gering sind und sich spezifische Entwicklungen nicht lohnen. Computer-Standards wie Ethernet oder GigE, als bestes Beispiel Firewire – all diese Themen kommen aus der Konsumer-Elektronik, können aber für die Industrie ebenfalls verwendet werden. Die Bildverarbeitung hat sich das zunutze gemacht.

Vor 2 Jahren gab auf der Vision eine Diskussion, welche Übertragungsart sich durchsetzten wird: CoaXpress oder GigE?

Andreas Franz: Es ist wirklich ein spannender Kampf zwischen einer Reihe von Schnittstellen zu beobachten. Wir sehen, dass die europäischen Hersteller auf GigE setzen, sie neuerdings aber auch viele Entwicklungen mit CoaXpress haben; In Asien ist GigE zwar bekannt, aber das Know-how im Markt nicht sehr hoch. Dort gibt es immer noch einen großen Analog-Markt sowie eine Präferenz für Interfaces wie Firewire und Camera-Link. Dies ändert sich aber gerade. Generell kann man sgen das wir Europäer bei den digitalen Interfaces Vorreiter sind.

Wie sehen die großen Trends der Bildverarbeitung in den nächsten Jahren aus?

Andreas Franz: Ein Trend ist die zunehmende Dominanz von GigE und Standardisierung. Vor allem für Kamera-Hersteller ist dies eine Herausforderung, weil durch den GigE Vision Standard die Differenzierungsmöglichkeiten nicht mehr so einfach möglich sind. Das ist bereits im Preiskampf sichtbar, den einige Hersteller vorantreiben. forcieren. Zum anderen sehen wir klar den Trend zu Inhalten, d.h. es wird Boxen geben, die Verkehrzählungen machen, die Schweißnähte prüfen etc. Wobei ich nicht das klassische Smart-Kamera-Konzept sehe, wo der PC in der Kamera abgebildet ist, sondern das Thema Inhalte und Algorithmik.