Kameras als Sensoren Embedded Vision auf der Embedded World Conference 2019

Dr. Olaf-Munkelt im Gespräch: Embedded Vision ermöglicht Bildverarbeitung auf kompakten, sehr leistungsstarken Rechnerplattformen, bei gleichzeitig geringer Leistungsaufnahme.
Dr. Olaf-Munkelt: Embedded Vision ermöglicht Bildverarbeitung auf kompakten, sehr leistungsstarken Rechnerplattformen, bei gleichzeitig geringer Leistungsaufnahme.

Die Embedded -Vision-Technologie verwandelt immer häufiger Maschinen in sehende Anlagen. Folgerichtig zählt dieses Thema auch während der Embedded World Conference vom 26. bis 28. Februar 2019 in Nürnberg zu einem der Konferenzschwerpunkte.

Im Jahr 2007 kam die erste iPhone-Generation auf den Markt. Gute zehn Jahre später sind Kameras in unserem täglichen Leben allgegenwärtig geworden: Laut Ergebnissen der der Bitcom Research von Anfang 2018 nutzen rund 81 Prozent aller Deutschen zumindest hin und wieder ein Smartphone. Die Kamerafunktion dürfte dabei eine der am häufigsten verwendeten Applika¬tionen sein. Die Auflösungen der Kameras, die in diesen Geräten verbauten werden, sind inzwischen beachtlich und belegen die Leistungsfähigkeit eingebetteter Kamerasysteme eindrucksvoll.

Auch in der Industrie ist Embedded Vision stark auf dem Vormarsch. Man versteht darunter vereinfacht gesagt kleine, integrierte Bildverarbeitungssysteme, die Maschinen oder Geräten auf intelligente Weise visuelle Fähigkeiten verleihen. Die technologischen Fortschritte auf den wichtigsten Feldern Sensoren, Prozessoren, Boards, Software und Kameras waren in den vergangenen Jahren enorm, sodass Embedded-Vision-Systeme inzwischen in verschiedensten Anwendungsfeldern als attraktive Alternative zu PC-basierten Systemen eingesetzt werden können.

»Diese Technologie ermöglicht Bildverarbeitung auf kompakten, sehr leistungsstarken Rechnerplattformen, bei gleichzeitig geringer Leistungsaufnahme«, verdeutlicht Dr. Olaf Munkelt, Vorsitzender des Vorstandes VDMA Industrielle Bildverarbeitung und Geschäftsführer der Münchner MVTec Software GmbH. Die Wirtschaftlichkeit ist dabei ein wichtiges Argument für Embedded Vision: Diese Technologie hat das Potenzial, die Kosten von Bildverarbeitungssystemen drastisch zu senken.

Visuelle Sinne für Elektroniksysteme

Das traditionelle Einsatzfeld der Bildverarbeitung ist die Fabrikautomatisierung, und dort existiert auch eine Vielzahl an Optionen, Embedded-Vision-Systeme einzusetzen. Die größten Wachstumschancen für diese Technologie sehen Experten jedoch nicht auf diesem Feld, sondern in vielen Bereichen des täglichen Lebens. Der prominenteste Markt, der sich die Leistungsfähigkeit von Embedded-Vision-Systemen zunutze macht, ist dabei sicher die Automobilindustrie, wo z. B. Vision-basierte Assis¬tenzsysteme den Fahrer bereits seit einiger Zeit unterstützen und die Sicherheit im Straßenverkehr erhöhen.

Die Liste von Anwendungsbeispielen aus vielen weiteren Branchen wie der Medizin, intelligenten Gebäuden, der Landwirtschaft, Security und Surveillance, Sport, Retail und noch vielen weiteren ist endlos und belegt die bereits erzielte Wirtschaftlichkeit und Leistungsstärke der Technologie.

Embedded Vision als Konferenzthema

Aufgrund der enorm zunehmenden Bedeutung von Embedded Vision hat das Thema auf der Embedded World Conference vom 26. bis 28. Februar 2019 in Nürnberg einen hohen Stellenwert und ist eines von zehn Konferenzthemen. In den zehn geplanten Vorträgen werden die Referenten die gesamte technologische Bandbreite dieses Segments abdecken und dabei unter anderem interessante Einsatzbeispiele und Business Cases für Embedded Vision aufzeigen. Konferenzteilnehmer werden erfahren, wodurch Bildverarbeitung zu Embedded Vision wird und welche technologischen Fortschritte die Technologie derzeit vorantreiben.

Embedded-Vision-Systeme werden nach Expertenmeinung künftig vermehrt als Sensoren im Internet-of-Things und in autonomen Systemen zum Einsatz kommen. Welche Hardwarekomponenten dafür geeignet sind, ob die CPU, FPGAs oder andere Prozessortypen die optimale Plattform für Embedded Vision darstellen und wie die Integration von Embedded-Vision-Systemen wirtschaftlich gelingen kann, ob man sie selbst entwickeln oder als Modul zukaufen sollte, sind weitere Themenfelder, die während der Konferenz behandelt werden.

Auch die Frage nach geeigneten Software-Tools und Toolchains für Embedded Vision ist Bestandteil der Vorträge. Wieviel Intelligenz und Vorverarbeitung steckt in einem Bildverarbeitungssystem? Besteht der Output aus Bilddaten oder bereits aus Ergebnissen der Auswertung? Wie löst man die Problematik großer Datenmengen und der Latenz bei der Datenübertragung, und welche Standards sind für die Anbindung von Kameras an Embedded- und traditionelle Bildverarbeitungs-Systeme relevant?

Antworten auf diese und viele weitere Fragen geben die Referenten des Themenblocks »Embedded Vision« während der Embedded World Conference Ende Februar 2019 in Nürnberg.

Embedded Vision auf der Messe

Auch auf der Messe embedded world spielt das Thema Embedded Vision wieder eine große Rolle.

Bereits zum dritten Mal organisiert die VDMA-Fachabteilung Industrielle Bildverarbeitung gemeinsam mit der Messe Nürnberg eine Podiumsdiskussion zum Thema. Zu Wort kommen werden nicht nur Aussteller und Anbieter von Embedded Vision, sondern auch Anwender. Immer mehr Aussteller haben Embedded Vision im offiziellen Produtkportfolio (2018 bereits mehr als 200). Viele weitere Aussteller zeigten Demos mit Embedded-Vision-Bezug. 2019 plant die Messe Nürnberg zum ersten Mal eine »Embedded Vision Zone«. Es wird deutlich: »Sehende Maschinen« erobern nicht nur unseren Alltag, sondern zunehmend auch die embedded world.