Produktion direkt vor Ort Die Mini-Fabrik zum Mitnehmen

Die Aufstellung des Fabrik-Containers CassaMobile.
Die Aufstellung des Fabrik-Containers CassaMobile.

Flexibel an beliebigen Orten produzieren? Möglich macht das eine automatische Produktionslinie, die in einem Container steckt. Per Lkw lässt sie sich an jeden gewünschten Produktionsort transportieren.

Zwölf europäische Unternehmen haben unter Leitung des Fraunhofer-Instituts für Produktionstechnik und Automatisierung IPA die mobile Fabrik »CassaMobile« entwickelt. Der grün-weiße Container sieht zwar von außen unscheinbar aus, doch im Inneren verbirgt sich eine intelligente Minifabrik mit 3D-Druckanlage.

Transporieren, ankommen und produzieren

Die Abmessungen des Containers wurden bewusst so gewählt, dass er gerade noch ohne Eskorte über die Straßen gefahren werden darf. Vor Ort kann es dann sofort losgehen: Der Container wird voll ausgestattet zu seinem Bestimmungsort transportiert. Dort angekommen benötigt er dann nur noch Strom, Wasser und Druckluft.

Das Kernmodul der Produktionsanlage ist der 3D-Drucker, der am Fraunhofer IPA entwickelt wurde. Für den Druck kombinieren die Wissenschaftler zwei Materialien: Für das Bauteil selbst kommt üblicherweise Polyamid zum Einsatz. Die Stellen, an denen später kein Material sein soll, werden zunächst mit einem Support-Material aufgefüllt. Dieses wird anschließend in einem Lösungsmittel aufgelöst. Die Druckmaterialien liegen als aufgerollte Kunststoffschnur vor. Die Schnur wird aufgeschmolzen und linienförmig auf dem Substrat abgelegt.

Einsatzmöglichkeit Medizintechnik

Besonders interessant ist eine solche portable Fabrik für medizintechnische Produkte, die mittels einer mobilen Fabrik in direkter Nähe zur Klinik hergestellt werden könnten. Der große Vorteil sind deutlich kürzere Lieferzeiten.

Beispielsweise lassen sich in der CassaMobile Knochenbohrschablonen fertigen, die bislang nur an wenigen Standorten produziert werden und deshalb Lieferzeiten von bis zu einer Woche haben. Die Minifabrik deckt sämtliche Arbeitsschritte ab – von der Fertigung der Knochenbohrschablonen im 3D-Druck über die Nachbearbeitung in einer Fräse bis hin zur qualitativen Überprüfung und zur sterilen Verpackung.

Einsatzmöglichkeit Krisengebiete

Da die Fabrik modular aufgebaut ist, lassen sich auch andere maßgeschneiderte Produkte direkt vor Ort herstellen. Die Prozesskette lässt sich flexibel ändern oder erweitern. Einzelne Module können auch weggelassen werden.

Denkbar ist unter anderem der Einsatz in Katastrophengebieten – beispielsweise nach einem Erdbeben. Dann könnten direkt vor Ort Bauteile produziert werden, die das Technische Hilfswerk dringend braucht – zum Beispiel, um die Trinkwasserversorgung wieder herzustellen.

Auch in Gegenden, in denen es wegen der mangelnden Infrastruktur schwierig wäre, eine Fabrik aufzubauen, ist die CassaMobile eine Alternative.