Pkw-Absatz in der EU Volkswagen verliert weiter Marktanteile

Gewinner und Verlierer bei den Marktanteilen.
Gewinner und Verlierer bei den Marktanteilen.

Der europäische Automarkt ist mit einem kräftigen Plus ins zweite Quartal gestartet: Die Zahl der Neuzulassungen ist im April um gut neun Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat gestiegen. Doch nicht alle Hersteller können davon profitieren.

Besonders in den ehemaligen Krisenländern Spanien (plus 21 Prozent) und Italien (plus 12 Prozent) legte der Absatz stark zu, aber auch die skandinavischen Länder glänzten mit zweistelligen Wachstumsraten. Die drei größten Märkte – Deutschland, Frankreich und Großbritannien – waren ebenfalls weiter im Plus. Allerdings profitierte der Pkw-Neuwagenmarkt von zwei zusätzlichen Verkaufstagen im Vergleich zum Vorjahresmonat: Ostern fiel in diesem Jahr in den März, im Vorjahr in den April. Damit relativiert sich der Aufwärtstrend: Bereinigt um die positiven Kalendereffekte lag das Absatzniveau nur leicht – um ein Prozent – über dem Vorjahresmonat.

Für Peter Fuß, Partner bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young (EY) gibt es gute Gründe für diese Entwicklung: „Der europäische Neuwagenmarkt hat in den vergangenen Monaten kräftig zugelegt – Europa ist derzeit die am stärksten wachsende Absatzregion weltweit. Vor allem die stabile Konjunkturentwicklung, niedrige Zinsen, hohe Rabatte und ein günstiges Konsumklima sorgten für Zuwächse. Hinzu kommen die positive Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt und die niedrigen Sprit- und Energiekosten“.

In den kommenden Monaten werde das Wachstumstempo aber voraussichtlich nachlassen, erwartet Fuß: „Zunehmende politische Unsicherheiten könnten das Konsumentenvertrauen in Europa dämpfen: In Großbritannien wirft ein drohender „Brexit“ seine Schatten voraus, die Griechenland-Krise spitzt sich wieder zu, in Spanien ist die Regierungsbildung gescheitert und in Portugal droht eine Abkehr vom Spar- und Reformkurs.“

Obendrein waren in den vergangenen Monaten Aufholeffekte in den ehemaligen Krisenländern die Haupttreiber des starken Absatzwachstums in Europa. Inzwischen ist aber ein relativ hohes Absatzniveau erreicht, so dass weitere Zuwächse unwahrscheinlicher werden.  Immerhin lag die Zahl der Neuzulassungen im April EU-weit auf dem höchsten Stand der vergangenen acht Jahre – zuletzt waren im Jahr 2008 in einem April mehr Fahrzeuge neu zugelassen worden.

Hinzu komme die nachlassende konjunkturelle Dynamik außerhalb Europas, so Fuß: „Die US-Wirtschaft wächst nur noch schwach, etliche Schwellenländer – allen voran Russland und Brasilien – stecken in der Krise, von der chinesischen Wirtschaft gehen kaum noch Impulse aus. Es spricht viel dafür, dass uns in den kommenden Monaten eine weitere Eintrübung der konjunkturellen Rahmenbedingungen bevorsteht, die sich zeitversetzt auch auf den Neuwagenmarkt auswirken dürfte“.

Für das laufende Jahr bleibt Fuß dennoch vorsichtig optimistisch: „Vor allem die niedrigen Finanzierungskosten und eine weiter sinkende Arbeitslosigkeit werden den europäische Neuwagenmarkt im weiteren Jahresverlauf weiter auf Wachstumskurs halten, auch wenn die Dynamik spürbar nachlässt“. Für das Gesamtjahr rechnet Fuß EU-weit mit einem Absatzwachstum von sechs Prozent.