Airbnb für Fahrzeuge US-Carsharing-Anbieter Turo will deutschen Markt erobern

Der Vorstandsvorsitzende der Carsharing-Plattform Turo, Andre Haddad. Auf der Plattform können Privatleute ihre Fahrzeuge tageweise an andere Privatleute vermieten.
Der Vorstandsvorsitzende der Carsharing-Plattform Turo, Andre Haddad. Auf der Plattform können Privatleute ihre Fahrzeuge tageweise an andere Privatleute vermieten.

US-Carsharing Dienstleister Turo ist nun auch in Deutschland gestartet. Auf dem gleichen Prinzip wie Airbnb – das Menschen ihre Wohnung oder ihr Haus vermieten – beruhend, können Nutzer ihre Privatautos tageweise Fremden gegen Bezahlung überlassen.

Seit Mitte Januar versucht sich der US-Anbieter Turo in Deutschland. Chef dieser Peer-to-Peer-Carsharing-Plattform, auf der Privatleute ihre Fahrzeuge tageweise an andere Privatleute vermieten können, ist Andre Haddad. Wie funktioniert es? Auf einer Internetseite oder in einer Handy-App geben Nutzer ein, wann und wo sie für wie lange welche Art von Fahrzeug brauchen, und die Plattform vermittelt einen Vermieter, der genau das im Angebot hat. Der wiederum bezahlt eine Art Provision an Turo. Die Allianz versichert die Autos für den Mietzeitraum.

Allein sind die US-Amerikaner damit nicht auf dem deutschen Markt. Zum Beispiel verweist das französische Unternehmen Drivy auf 1,5 Millionen Nutzer und 45.000 Fahrzeuge in Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Spanien, Österreich und Belgien. Das niederländische Snappcar zählt knapp 400.000 Nutzer und ebenfalls rund 45.000 Autos in den Niederlanden, Dänemark, Schweden und Deutschland. Beide haben einen deutschen Anbieter übernommen, beide arbeiten ebenfalls mit der Allianz zusammen.

Turo fängt nicht bei null an: Mit dem Start geht die Plattform Croove aus dem Hause Daimler darin auf. Der Automobilhersteller, zu dem der Carsharing-Anbieter Car2Go gehört, war vergangenes Jahr bei Turo eingestiegen. Wie groß Croove bislang war, will Daimler nicht verraten. Nur so viel: Man sei zufrieden mit dem Wachstum.

Turo hat nichts weniger als die Marktführerschaft in Deutschland bis Ende des Jahres als Ziel ausgegeben. Mehr als fünf Millionen Mitglieder und 200.000 Fahrzeuge hat die Plattform in den USA, Kanada und Großbritannien. »Das Geschäft wächst sehr schnell«, so Andre Haddad. In sechs bis zwölf Monaten könne in Berlin und München die »kritische Masse« erreicht sein. In Städten wie Stuttgart, Frankfurt oder Köln dürften es wohl zwei bis drei Jahre werden, glaubt er.

Insgesamt, das haben auch die Autohersteller erkannt, ist der Besitz eines eigenen Wagens hierzulande für viele nicht mehr das Nonplusultra. Und das erklärt auch das wachsende Engagement der Hersteller auf dem Feld der Mobilitätsdienstleistungen, auch wenn das streng genommen ihrem Kerngeschäft schadet, dem Verkaufen von Autos. Es gilt das Motto: Wenn wir es nicht machen, macht es ein anderer und verdient damit Geld. (dpa | Stefanie Eckardt)