Bosch-Bilanz 2018 Umweltfreundlich und trotzdem hochprofitabel

Bessere Luftqualität: »Vision Near Zero Immission«

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO leben rund 90 Prozent der Weltbevölkerung an Orten mit schlechter Luftqualität. Bosch verfolgt deshalb ein ehrgeiziges Ziel: »Wir wollen die Luftbelastung durch den Verkehr gegen Null führen. Dafür schauen wir über die Motorhaube hinaus«, sagte Denner. Das Projekt »Vision Near Zero Immission« umfasst drei Säulen: Bosch entwickelt schadstoffarme Antriebstechniken, führt mit Kommunen Projekte zur Verkehrsverstetigung durch und setzt an eigenen Standorten ein betriebliches Mobilitätsmanagement um.

2030 werden nach Schätzung des Unternehmens rund 75 Prozent aller neuen Pkw und leichten Nutzfahrzeuge von einem Verbrenner angetrieben. Deshalb investiert Bosch weiterhin hohe Summen in die Optimierung von Benzin- und Dieselantrieben. Das Unternehmen nutzt zur Weiterentwicklung von Verbrennern auch künstliche Intelligenz. Mit ihrer Hilfe steuert Bosch beispielsweise vorausschauend die Abgasnachbehandlung nach Mustern, die sich aus dem individuellen Fahrverhalten ergeben. Das kann die Emissionen des Fahrzeugs weiter reduzieren. Rund 3500 Mitarbeiter in den Bereichen Abgasnachbehandlung und Abgassensorik erwirtschafteten 2018 einen Umsatz von 2,3 Mrd. Euro. 2025 sollen es bereits drei Milliarden Euro sein.
20 Prozent weniger Schadstoff-Emissionen: Mit nahezu 100 europäischen Kommunen befindet sich Bosch derzeit im Austausch darüber, wie dort konkret die Luftqualität verbessert werden kann. In Stuttgart, Paris und Marseille testet Bosch aktuell eine mobile Messbox. Die neu entwickelten Boxen messen engmaschig den Schadstoffgehalt der Umgebungsluft. Die Messergebnisse und Simulationen sollen weitere Erkenntnisse darüber liefern, welche Zusammenhänge zwischen Emissionen und Immissionen, also Verkehr und Umwelt bestehen. Ein Projekt mit der Stadt Stuttgart hat gezeigt, dass verstetigter Verkehr die Schadstoff-Emissionen der Bestandsflotte um bis zu 20 Prozent reduzieren kann. Künftig lassen sich mit den Daten der Messboxen hochauflösende Immissionskarten erstellen, mit denen das Verkehrsmanagement optimiert werden kann.
Betriebliches Mobilitätsmanagement: Bessere Luft in Ballungsräumen
Die dritte Säule des Projekts »Vision Near Zero Immission« ist das betriebliche Mobilitätsmanagement. Ziel ist es, vor allem in Ballungsräumen das durch Bosch-Mitarbeiter verursachte Verkehrsaufkommen und damit die Emissionen zu reduzieren. Die dazu umgesetzten Maßnahmen reichen von Shuttle-Bussen in großen Städten in Brasilien, China oder der Türkei, über das Angebot zum mobilen Arbeiten hin bis zum Leasing von Fahrrädern sowie Pedelecs. Bosch setzt dabei auch auf die Vernetzung. Seit einigen Wochen können beispielsweise die rund 8000 Mitarbeiter des Standorts Reutlingen die Car-Pooling-Plattform SPLT nutzen. Diese erleichtert den Mitarbeitern das Bilden von Fahrgemeinschaften via Mitfahr-App. Im Großraum Stuttgart, wo rund 55.000 Bosch-Beschäftigte täglich 1,5 Mio. Kilometer zurücklegen, ist das Unternehmen zudem Mitglied im »Bündnis für Luftreinhaltung«.

 

Elektromobilität: 14 Millionen Fahrzeuge Ende 2022

Auch vom elektrischen Fahren erwartet Bosch einen wesentlichen Beitrag für saubere Luft in Städten. Im entstehenden Massenmarkt der Elektromobilität strebt Bosch die Marktführerschaft an. 2025 will das Unternehmen mit Elektromobilität fünf Milliarden Euro Umsatz erzielen, zehnmal so viel wie 2018. »Im zunehmenden Wettbewerb um die Wertschöpfung im Bereich des Antriebsstrangs sehen wir für uns gute Chancen. Unser System-Know-how, unser breites Produkt-portfolio und Skaleneffekte bei der Produktion machen uns zum Partner Nummer eins für Fahrzeughersteller und Mobilitätsanbieter auf der ganzen Welt«, sagte Denner. Schon jetzt sind mehr als eine Million Elektroautos weltweit mit Antriebskomponenten von Bosch unterwegs, Ende 2022 sollen es 14 Millionen sein. Das Unternehmen hat bereits für 50 Elektrofahrzeug-Plattformen Powertrain-Projekte realisiert. Allein im vergangenen Jahr kamen 30 neu akquirierte Projekte hinzu. »Wir wollen auch der Brennstoffzellentechnik zum Durchbruch verhelfen«, unterstrich Denner. Dazu hat Bosch kürzlich eine Kooperation mit Powercell angekündigt, einem schwedischen Hersteller von Brennstoffzellen-Stacks. Stacks machen zwei Drittel des Werts eines Brennstoffzellen-Systems aus. »Gemeinsam mit Powercell wollen wir Stacks industrialisieren und spätestens 2022 auf den Markt bringen«, sagte Denner. Allerdings darf man gespannt sein, ob dieser Einstieg in die Brennstoffzellentechnik von größerer Ausdauer geprägt ist, als der damals bei Festkörper-Batterien.

Automatisiertes Fahren: Weniger Verbrauch und Emissionen

Auch die Automatisierung des Verkehrs wird einen Beitrag zu besserer Luftqualität leisten. Über 30 Prozent Kraftstoff kann automatisiertes Fahren nach Angaben des Forschungsunternehmens KE Consult einsparen, auf deutschen Autobahnen sind es 15 Prozent. Mehr als 5000 Ingenieure arbeiten bei Bosch zwischenzeitlich am automatisierten Fahren, fast doppelt so viele wie vor zwei Jahren. Denner dazu: »Bis 2022 investieren wir rund vier Mrd. Euro in die Automatisierung und damit in die nachhaltige Mobilität.« Umsatztreiber auf dem Weg zum automatisierten Fahren sind Fahrerassistenzsysteme. Von aktuell rund zwei Milliarden Euro soll der Umsatz in diesem Jahr nahezu 15 Prozent wachsen. Dabei soll der Absatz von Radarsensoren um 20 Prozent, der von Videosensoren um 30 Prozent zulegen. Denner: »Automatisiertes Fahren ist ein Zukunftsfeld, das für uns schon jetzt ein Wachstumsfeld ist.«