Forderung der IG Metall Umbau der Autoindustrie muss gestaltet werden

Jörg Köhlinger, Bezirksleiter für die IG-Metall-Region Mitte: »Tausende Arbeitsplätze stehen nach Einschätzung der IG Metall auf dem Spiel, wenn der Umbau der Autoindustrie auf die E-Mobilität nicht gelingt.«
Jörg Köhlinger, Bezirksleiter für die IG-Metall-Region Mitte: Tausende Arbeitsplätze stehen nach Einschätzung der IG Metall auf dem Spiel, wenn der Umbau der Autoindustrie auf die E-Mobilität nicht gelingt.

Die IG Metall sieht die Länder in der Mitte Deutschlands besonders betroffen vom Strukturwandel der Autoindustrie. Es gebe viele Herausforderungen - nicht nur bei Opel.

Tausende Arbeitsplätze stehen nach Einschätzung der IG Metall auf dem Spiel, wenn der anstehende Umbau der Autoindustrie mit einem stärkeren Fokus auf die Elektromobilität nicht gelingt. »Die Dekarbonisierung trifft unsere Betriebe schon sehr stark«, erklärt Jörg Köhlinger, Leiter des IG-Metall-Bezirks Mitte. Er ist für die Länder Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland und Thüringen zuständig, in denen die großen Hersteller zwar einige verlängerte Werkbänke, aber nicht ihre Zentralen haben. In allen vier Ländern säßen zudem Zulieferer, die extrem vom Verbrennungsmotor abhängig seien.

In Thüringen ist die Autoindustrie der umsatzstärkste Industriebereich. Neben dem Opel-Werk in Eisenach gibt es vor allem Automobilzulieferer. Nach einer Studie im Auftrag des Wirtschaftsministeriums dominiert bei den Zulieferern der Bereich Antriebe und Fahrwerk mit 35 Prozent der Unternehmen.

Die Studie kommt dennoch zu dem Ergebnis, dass durch neue Produkte und Märkte bei den Thüringer Zulieferern bis zum Jahr 2030 bis zu 5.000 neue Arbeitsplätze entstehen könnten. Dem ständen etwa 4.000 weniger Jobs vor allem bei der Fertigung von Teilen sowie Verbrennungsmotoren gegenüber. Erarbeitet wurde sie vom Chemnitz Automotive Institut nach der Untersuchung von 172 Zulieferern mit etwa 40.000 Beschäftigten in Thüringen.

IG Metall Bezirksleiter Köhlinger betonte: »Wir wollen den technologischen Wandel nicht verhindern.« Es gehe darum, den Wandel so zu gestalten, dass möglichst viele Beschäftigte weiterhin Arbeit fänden. »Die Politik darf sich nicht darauf zurückziehen, Klimaziele und Grenzwerte zu setzen, ohne sich über die Rahmenbedingungen Gedanken zu machen«, sagte Köhlinger gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Er forderte erneut ein neuartiges Kurzarbeitergeld, mit dem Zeiten zur Qualifizierung auf neue Tätigkeiten überbrückt und die Beschäftigten im Betrieb gehalten werden könnten.

Der Autobauer Opel stelle in seinem Bezirk nach der Übernahme durch den französischen PSA-Konzern einen Sonderfall dar, wies der Gewerkschafter auf die vereinbarte Beschäftigungssicherung bis Mitte 2023 hin. Mit dem Management werde laufend über anstehende Investitionen verhandelt, um die Zukunft der Standorte zu sichern. »Eine deutsch-französische Batterieproduktion in Kaiserslautern wäre schon eine kleine Sensation«, begrüßte Köhlinger entsprechende Berichte über Planungen von PSA mit der Total-Tochter Saft.

Für das laufende Jahr sei das Komponentenwerk in der Pfalz noch gut ausgelastet. Im thüringischen Werk Eisenach komme es darauf an, ob das angekündigte Elektro-Hybrid-Modell des Grandland X tatsächlich hohe Verkaufszahlen erreiche.

»Für das Stammwerk in Rüsselsheim wäre die Verlagerung des Volumen-Modells Astra eine gute Sache«, betonte der Gewerkschafter. Eine endgültige Entscheidung sei aber seiner Kenntnis nach noch nicht gefallen. Ob der Teilverkauf großer Teile des Entwicklungszentrums an den Dienstleister Segula funktioniere, müsse man abwarten. Der deutsche Markt für Entwicklungsdienstleister sei eng und gut besetzt, so dass ein erhebliches Risiko des Scheiterns bestehe. Die IG Metall wolle aber auf jeden Fall eine funktionsfähige eigene Entwicklungsabteilung bei Opel erhalten.