Continental stellt sich neu auf Software erfolgskritische Kompetenz für Ökosystem Mobilität

Continental-Vorstandsvorsitzender Dr. Elmar Degenhart richtet den Zulieferer mit Neuaufstellung auf Mobilität der Zukunft aus. Eine wichtige Rolle dabei spielt die Software.
Continental-Vorstandsvorsitzender Dr. Elmar Degenhart richtet den Zulieferer mit Neuaufstellung auf Mobilität der Zukunft aus. Eine wichtige Rolle dabei spielt die Software.

Heutige Fahrzeuge benötigen bereits über 100 Millionen Zeilen Software-Code für ihre Funktionen. In den nächsten Jahren wird es für die kommenden Funktionen im Auto einer Verzehnfachung des Software-Umfangs bedürfen. Entsprechend groß ist der Bedarf an Software-Entwicklern.

Die Automobilindustrie durchläuft den grundlegendsten Wandel seit Entstehung des Autos. Der Vorstandsvorsitzende Dr. Elmar Degenhart sieht Continental dafür bestens gerüstet. Er erklärte im Rahmen der Hauptversammlung des Technologieunternehmens in Hannover: »Der Weg ist ein Marathon, der in vollem Gange ist: Continental läuft dabei in der Spitzengruppe.« Wichtig hierfür sind drei Punkte:

  • alternative Antriebe,
  • autonomes Fahren sowie
  • Vernetzung und Cloud samt Datenmanagement.

Die zukünftige Antriebsart wird diejenige sein, die ökologisch am effizientesten für den Einsatzzweck ist: »Nach 2030 geht wahrscheinlich die letzte Generation der Diesel- und Benzinmotoren an den Start«, skizzierte Degenhart einen möglichen Fahrplan für die Antriebe der Zukunft. »Nach 2040 könnte der Verkauf von neuen Diesel- und Benzinmotoren stoppen. Ab 2050 sind Straßen und Städte idealerweise frei von CO2-Emissionen.« Dabei stelle sich die Frage nach dem öko‑effizientesten Antrieb für den jeweiligen Einsatzzweck. »Für kleinere, leichte Fahrzeuge wird der reine Elektroantrieb wahrscheinlich die beste Wahl – vor allem in der Stadt und wenn eine Reichweite unter 300 Kilometern genügt. Dies aber nur, wenn der Strom in der Produktion und im Betrieb aus sauberen Quellen kommt«, so der Continental-Chef. Für gewichtige Fahrzeuge, die meist häufiger und auf längeren Strecken unterwegs sind, sei die Batterie nicht öko-effizient. »Was dem Klima schon heute hilft: Das sind der super-saubere Diesel und der saubere Benzinmotor kombiniert mit einem Elektroantrieb«, stellte Degenhart klar. Er sprach sich gleichzeitig gegen Populismus in der Antriebsfrage aus: »Populismus vermehrt nur die Emotionen. Er verringert nicht die Emissionen. Das geht nur über die öko-effizienten Antriebe. Sie allein sind akzeptabel und bezahlbar. Damit schützen sie jedes Klima am besten: das ökologische, das wirtschaftliche und das soziale.«

Auf dem Weg zu Vision Zero – Unfallzahlen reduzieren

»Weltweit sterben täglich 3.700 Menschen im Straßenverkehr. Über 100.000 werden dort jeden Tag verletzt. Wir machen das Fahren sicherer. Das ist unser Auftrag«, betont Degenhart. Heute stecken weltweit in jedem Fahrzeug durchschnittlich zwei Sensoren für Fahrerassistenzsysteme. Es handelt sich dabei meist um Kameras, Radar- oder Ultraschallsensoren. »Für das teilautomatisierte Fahren braucht das Auto im Durchschnitt um die 18 Sensoren. Bei vollautomatisierter oder autonomer Fahrfunktion wächst diese Zahl auf 30 an – wir wachsen mit.« 2019 rechnet der Zulieferer allein bei Systemen für das assistierte Fahren mit einem Umsatz von mehr als zwei Milliarden Euro.

Den Bogen um automatisiertes Fahren und Vernetzung spannt die Software. In den nächsten Jahren wird sich der Umsatz von Software im Automotive-Bereich verzehnfachen. Daher ist es wichtig, die entsprechenden Software-Experten an Board zu haben oder einzustellen. Continental beschäftigt derzeit weltweit rund 49.000 Ingenieure. Mehr als ein Drittel davon hat einen Software-Hintergrund. In der globalen unternehmenseigenen Software-Akademie werden allein 2019 über 2.000 Mitarbeiter weitergebildet. Bis zum Jahr 2022 soll die Anzahl der Software- und IT-Experten bei Continental von derzeit 19.000 auf 25.000 erhöht werden.

Neuaufstellung für Mobilität der Zukunft

Um schneller auf die zunehmend volatilen Marktveränderungen reagieren zu können, stellt sich das Unternehmen derzeit neu auf. »Vor allem verteilen wir mehr Verantwortung. Führungskräfte erhalten mehr Freiräume. Sie entscheiden künftig mehr selbst. Wir sorgen für einfachere Abläufe«, erläuterte Degenhart die Ziele des Unternehmensumbaus. Im künftigen, auf Fahrzeugelektronik spezialisierten Unternehmensbereich Automotive bündelt Continental einen bedeutsamen Teil ihrer Forschung und Entwicklung. Die Ziele sind kürzere Entwicklungszeiten und ein noch flexibleres und gezielteres Eingehen auf Kundenwünsche.