ZF-Bilanz 2019 Mehr F&E-Investitionen in schwierigem Marktumfeld

Die Konzernzentrale von ZF in Friedrichshafen.
Die Konzernzentrale von ZF in Friedrichshafen.

Der Automobilzulieferer ZF hatte im Geschäftsjahr 2019 ein leichtes Umsatzminus bei deutlichem Gewinneinbruch zu verkraften. Gleichzeitig investiert das Unternehmen in die Zukunft und schraubte seine F&-E-Ausgaben nach oben.

Die ZF Friedrichshafen AG hat in einem herausfordernden Umfeld ihre im Sommer 2019 angepassten Ziele für das Gesamtjahr erreicht. Mit 36,5 Mrd. Euro lag der Konzernumsatz – bereinigt um Wechselkurseinflüsse und M&A-Aktivitäten – leicht unter dem Vorjahreswert von 36,9 Mrd. Euro (organisch minus 1,9 %). Das bereinigte EBIT schrumpfte auf 1,5 Mrd. Euro (Vorjahr: 2,1). Die bereinigte EBIT-Marge ging mit 4,1 Prozent (Vorjahr: 5,6) ebenfalls nach unten. ZF beschäftigte Ende Dezember weltweit 147.797 Mitarbeiter (Vorjahr: 148.969). Während derzeit der Umgang mit den Folgen des Coronavirus die Wirklichkeit im Unternehmen prägt, folgt ZF langfristig den Zielen seiner Strategie »Next Generation Mobility«, mit dem Anspruch, den Mobilitätswandel zu gestalten.

ZF-Konzern in Zahlen20192018
Konzernumsatz        36,5 Mrd. €36,9 Mrd. €
Mitarbeiter weltweit147.797148.969
EBIT (bereinigt)1,5 Mrd. €2,1 Mrd. €
EBIT-Marge (bereinigt)4,1 %5,6 %
F&E-Ausgaben2,7 Mrd. €2,5 Mrd. €
Invest in Sachanlagen1,9 Mrd. €1,6 Mrd. €
Eigenkapitalquote22,0 %26,2 %
Free Cashflow (bereinigt)803 Mio. €891 Mio. €
Umsatz Europa16,7 Mrd. €17,4 Mrd. €
– davon Deutschland7,1 Mrd. €7,4 Mrd. €
Umsatz Nordamerika10,4 Mrd. €10,3 Mrd. €
– davon USA8,8 Mrd. €8,4 Mrd. €
Umsatz Südamerika1,1 Mrd. €1,0 Mrd. €
Umsatz Asien-Pazifik7,8 Mrd. €8,0 Mrd. €
– davon China5,8 Mrd. €6,2 Mrd. €
Umsatz Afrika469 Mio. €233 Mio. €

 

Coronavirus prägt aktuell die Betriebsabläufe

»In diesen Tagen erleben wir, wie die Märkte gewissermaßen über Nacht aus den Fugen geraten sind«, stellte der Wolf-Henning Scheider, Vorstandsvorsitzender von ZF, bei der Bilanzpressekonferenz am Unternehmenssitz in Friedrichshafen fest. »Wir bei ZF haben schnell und entschieden auf die Ausbreitung des Coronavirus reagiert und die Interessen der Mitarbeiter bestmöglich mit denen des Unternehmens in Einklang gebracht. Wir wollen den ZF-Weg gemeinsam gehen, indem wir Beschäftigung und Einkommen überall dort sichern, wo die dafür notwendigen Instrumente vorhanden sind. Damit übernehmen wir soziale Verantwortung und leisten einen Beitrag, um die Gesundheit der Mitarbeiter zu schützen und die für alle Unternehmen volatile wirtschaftliche Situation zu stabilisieren.«
ZF hat in der vergangenen Woche mit der Arbeitnehmervertretung in Deutschland eine Vereinbarung getroffen, die das Einführen von Kurzarbeit und das kontrollierte Herunterfahren von Produktion und Verwaltung ermöglicht. Während der Kurzarbeitsphasen wird das Nettoeinkommen der Tarifbeschäftigten durch einen zusätzlichen Beitrag des Unternehmens auf einem hohen Niveau abgesichert. Diese Regelung gilt für alle deutschen Standorte, die nun – den Ankündigungen der Kunden folgend – die Produktionspausen individuell umsetzen. Das Unternehmen strebt ähnliche Regelungen auch an seinen internationalen Standorten an, wenn dies dort möglich ist.
Scheider betonte, dass ZF auch in dieser ernsten Situation zuversichtlich bleibe und sich darauf vorbereite, die Werke in Europa und den USA nach dem Stopp wieder hochzufahren. In Asien sei die Produktion bereits wieder angelaufen. »Wir stehen unseren Kunden und Lieferanten weiter als zuverlässiger Geschäftspartner zur Seite – und unterstützen sie, wenn sie uns brauchen«, erklärte der ZF-Chef.

Neue Aufträge für elektrische Antriebe im Pkw- und Bussegment

Der Umsatz des ZF-Konzerns lag 2019 mit 36,5 Mrd. Euro unter dem Vorjahreswert (36,9). Bereinigt um M&A-Aktivitäten sowie positive Wechselkurseffekte ergibt sich ein organischer Umsatzrückgang von 1,9 Prozent. »Die gesamtwirtschaftliche Entwicklung und die besonderen Herausforderungen der Transformation haben unser Geschäft im vergangenen Jahr spürbar beeinflusst«, erläuterte Scheider. »Gleichwohl haben wir mehrere volumenstarke Aufträge gewonnen, etwa für die nächste Generation unseres hybridfähigen 8-Gang-Automatgetriebes sowie für Elektroantriebe für Pkw und Busse.«
Das bereinigte EBIT ging von 2,1 auf 1,5 Mrd. Euro zurück; die bereinigte EBIT-Marge schrumpfte von 5,6 auf 4,1 Prozent. Das Ergebnis ist geprägt durch gestiegene Ausgaben für Forschung und Entwicklung (F&E) sowie den Aufbau neuer Standorte für Zukunftstechnologien, etwa für die Produktion von Elektroantrieben in Deutschland, Serbien und China. Darüber hinaus macht sich auch der wirtschaftliche Abschwung in der Automobilindustrie im Ergebnis bemerkbar. Der um Unternehmenskäufe und -verkäufe bereinigte Free Cashflow lag bei 803 Mio. Euro (Vorjahr: 891).

Anpassung der Kostenstruktur und verstärkte Digitalisierung

Das Unternehmen habe auf die schwächeren Märkte konsequent reagiert, Investitionen überprüft und zurückgestellt sowie an mehreren Standorten Schließtage vereinbart – rein über betriebliche Flexibilisierungsinstrumente. »Wir konnten unsere Kostenstruktur weitgehend an die geänderte Marktlage anpassen«, erläuterte ZF-Finanzvorstand Dr. Konstantin Sauer. »Damit haben wir erreicht, dass unsere Ergebnisgrößen noch innerhalb des zur Jahresmitte 2019 korrigierten Erwartungskorridors liegen. Diese Werte entsprechen aber nicht unseren strategischen Zielen. Wir werden daher weiter an unserer Kostenstruktur arbeiten, um Verbesserungen zu erreichen.« Dazu soll auch die verstärkte Digitalisierung von Geschäftsprozessen beitragen. Die Investitionen in Sachanlagen betrugen 1,9 Mr. Euro (Vorjahr: 1,6). Mit 5,2 Prozent kletterte die Investitionsquote deutlich über jene des Vorjahres mit 4,3 Prozent.

Wabco-Zukauf strategisch richtig und solide finanziert

Ein Erfolg sei, wie Finanzvorstand Sauer weiter ausführte, die Refinanzierung des geplanten Kaufs des Nutzfahrzeugbremsenherstellers Wabco gewesen. Dafür habe ZF im vergangenen Oktober am Kapitalmarkt Anleihen und Schuldscheine in Höhe von insgesamt 4,8 Mrd. Euro platziert. »Es wollten deutlich mehr Investoren zeichnen, als für diese Finanzierung erforderlich gewesen wären«, freute sich Sauer. »Das zeigt, dass der Finanzmarkt das Potenzial dieses Zukaufs sieht und unterstützt.«