Projekt ChemCycling von JLR und BASF Kunststoff für künftige Fahrzeuge aus Plastikabfall gewinnen

Recycelter Plastikmüll könnte auch für die Automobilindustrie interessant sein. Jaguar Land Rover und BASF forschen im Projekt ChemCycling inwieweit der Recycling-Kunststoff auch im Fahrzeug zum Einsatz kommen kann.
Recycelter Plastikmüll könnte auch für die Automobilindustrie interessant sein. Jaguar Land Rover und BASF forschen im Projekt ChemCycling inwieweit der Recycling-Kunststoff auch im Fahrzeug zum Einsatz kommen kann.

BASF und Jaguar Land Rover erforschen die Möglichkeiten, aus Plastikabfall Kunststoff für den Einsatz in künftigen Modellen des Autoherstellers zu gewinnen. Die beiden Partner engagieren sich in dem Pilotprojekt ChemCycling. Dabei nutzt man Plastikabfall aus dem Hausmüll, der sonst verbrannt wird.

Rund sieben Milliarden Tonnen Plastikmüll sind bis heute angefallen – davon wurden aber nur neun Prozent recycelt. Jahr für Jahr kommen weitere 260 Millionen Tonnen Plastikabfälle hinzu. Hier müssen Lösungen her. Die Automobilindustrie ist ein Ansatzpunkt, allerdings eignen sich nicht alle alten Kunststoffe für ein Recycling. Insbesondere dann nicht, wenn Fahrzeugteile hohe Standards für die Sicherheit erfüllen müssen.

Dieser Problematik nehmen sich Jaguar Land Rover und BASF an. Beide Unternehmen kooperieren im Pilotprojekt »ChemCycling«, bei dem höherwertige Sekundärmaterialien entstehen. Dabei wird Kunststoff aus dem Hausmüll in einem thermochemischen Prozess in Pyrolyseöl verwandelt. Dieser Sekundärrohstoff gelangt anschließend in die Produktionskette von BASF – als Ersatz für fossile Rohstoffe. Produziert wird hochwertiges Material, das sich in Bezug auf Qualität und Leistungsfähigkeit auf dem gleichen Niveau wie neuer Kunststoff bewegt. Besonders vorteilhaft ist dabei, dass das Recycling-Material gehärtet und gefärbt werden kann: Damit ist es eine ideale nachhaltige Lösung für die Entwicklung von Armaturenbrettern und Karosseriekomponenten der nächsten Generation.
Derzeit wird das Versuchsphasenmaterial von Jaguar Land Rover und BASF eingehend getestet. Es kommt als Prototyp in einem I-Pace an einem mit Kunststoff umspritzten Frontendträger zum Einsatz. Dabei wird untersucht, ob das Recycling-Material die gleichen strengen Sicherheitsanforderungen erfüllt wie die derzeit in der Produktion verbauten Komponenten.

Der Autobauer hofft auf einen erfolgreichen Abschluss der Tests und auf weitere Fortschritte beim chemischen Recycling bis hin zur Marktreife. Das würde bedeuten, dass das Unternehmen ein neues Premiummaterial aus Recycling-Kunststoff, der aus Hausmüll gewonnen wird, in seinen Modellen verwenden könnte – ohne einen Abstrich an Qualität oder Sicherheit zu machen.