Roland-Berger-Studie Bei Vernetzung hinken Automobilhersteller hinterher

Die OEMs müssen in puncto Fahrzeugvernetzung mehr tun – so die Empfehlung des Beratungsunternehmen Roland Berger.
Die OEMs müssen in puncto Fahrzeugvernetzung mehr tun – so die Empfehlung des Beratungsunternehmen Roland Berger.

Momentan hinken die Automobilhersteller bei der Vernetzung ihrer Fahrzeuge hinterher. Das unterstreicht die aktuelle Roland-Berger-Studie "Connected Car – App based dongle solutions as shortcut towards connectivity".

Obwohl Endanwender einen hohen Mehrwert in online-basierten Anwendungen sehen und durchaus bereit sind, einen Aufpreis zu zahlen, war 2015 gerade mal ein Drittel der Neuwagen mit entsprechenden integrierten Lösungen ausgestattet. Die Lücke, die Automobilhersteller mit ihren oft teuren integrierten Lösungen hinterlassen, nutzen immer mehr branchenfremde Anbieter wie IT- und Versicherungskonzerne, Zulieferer und Startups mit kostengünstigen Dongle als Nachrüstlösungen in den Markt. App-basierte Dongle-Lösungen, die Fahrzeugdaten für verschiedene Services an ein Smartphone senden, sind für viele Autofahrer mittlerweile schon ein ständiger Begleiter. 2016 gibt es in Deutschland erstmals mehr Smartphone-Nutzer (47 Millionen) als Autos auf der Straße (45 Millionen). Das Potenzial von App-basierten Dongle-Lösungen für die Fahrzeug-Fahrer-Kommunikation ist also sehr groß.

In ihrer neuen Studie "Connected Car – App based dongle solutions as shortcut towards connectivity" erläutert die Unternehmensberatung Roland Berger, was Automobilhersteller und Anbieter aus anderen Branchen tun müssen, um künftig mit vernetzter Mobilität profitabel wachsen zu können. "Wir erwarten, dass bis 2020 in ganz Europa mehr als 90 Millionen Autos über Nachrüstlösungen verfügen werden", erklärt Philipp Grosse Kleimann, Partner von Roland Berger. "Dagegen werden nur etwa 70 Millionen Fahrzeuge mit integrierten Systemen ab Werk ausgestattet sein.”

Grosse Kleimann holt weiter aus: "Viele Marktteilnehmer versuchen schon heute, sich über die Nachrüstlösungen an die Kundenschnittstelle zu setzen. So können Versicherungskunden gesteuert und Autofahrer auf einen Service-Bedarf ihres Fahrzeugs gezielt aufmerksam gemacht werden." Die Automobilhersteller müssen daher schnell reagieren und ihre Denkweise verändern, wenn sie nicht den Anschluss verlieren wollen. Denn: "Mittelfristig werden sich die Anbieter auf dem Markt durchsetzen, die mehr Kunden für ihre Konnektivitätslösung überzeugen konnten", so Grosse Kleimann. "Erreicht ein Anbieter die kritische Masse, wird sich ein Lock-in-Effekt einstellen und das System so zum Marktstandard werden. Doch noch ist völlig offen, aus welcher Branche diese Anbieter kommen werden."