Modulare automobile Produktion Arculus erhält 16 Millionen Euro gegen starre Fließbandprozesse

Automatisierte Montageinseln sollen die modulare Basis für eine Produktion mit Losgröße 1 sein.
Automatisierte Montageinseln sollen die modulare Basis für eine Produktion mit Losgröße 1 sein.

Für die Entwicklung einer modularen Produktionsplattform erhält das Ingolstädter Unternehmen Arculus 16 Millionen Euro Anschubfinanzierung. 90 Milliarden Euro jährlich könnte die Automobilindustrie sparen, wenn starre Fließbänder in eine flexible und skalierbare Produktion gewandelt werden.

Arculus verfolgt das Ziel, die bisher eher eindimensionale Montagelinie in flexible modulare Produktionsverfahren umzuwandeln. Das Unternehmen arbeitet bereits mit Industrieunternehmen wie Audi in der Automobilbranche, mit Siemens in der Robotik und Viessmann in der Logistik. Angeführt wird die Finanzierungsrunde von Atomico, auch der Visionaries Club und der Bestandsinvestor La Famiglia beteiligen sich. Das Kapital soll in die Produktentwicklung, den Ausbau der Kundenbasis sowie die weltweite Expansion fließen. Siraj Khaliq vom Finanzierungspartner Atomico tritt im Zuge der Finanzierungsrunde dem Aufsichtsrat des Unternehmens bei.

Fabian Rusitschka, Mitgründer und CEO von Arculus, betont: »Hersteller können heute kaum vorhersagen, welche Produkte ihre Kunden in der Zukunft verlangen. Dennoch müssen sie in Produktionssysteme investieren, die über Jahre einen spezifischen Output liefern.«

Das Ingolstädter Unternehmen hat eine modulare Produktionsplattform entwickelt, welche mit in Echtzeit steuerbarer Software sowie autonomen, mobilen Robotern arbeitet. Eine Fabrik mit modularer Produktion besteht aus verschiedenen Stationen, an denen einzelne Aufgaben ausgeführt werden. Die Roboter bewegen die Produktionsgegenstände automatisch zwischen diesen Modulen – je nachdem, welche Stationen zu diesem Zeitpunkt frei sind. Die eindimensionale Montagelinie wird in skalierbare und flexible Montagemodule gewandelt. Hersteller können auf diese Weise gleichzeitig komplexe und individualisierte Produkte produzieren, je nach Bedarf können die Module einzeln modernsiert werden.

Die Produktivität der Mitarbeiter soll mit der Technologie von Arculus um 30 Prozent steigen, der Platzbedarf um 20 Prozent sinken. Bei vollständiger Implementierung wäre es nach Unternehmensaussagen möglich, jährlich bis zu 155 Millionen Euro pro Anlage zu sparen – hier dürfte Audi als Rechenbeispiel gedient haben. Allein in der Autoindustrie besteht durch die Anwendung der modularen Produktion laut Arculus ein Einsparpotenzial von 90 Milliarden US-Dollar.

Die Produktionsprozesse haben sich, seit Henry Ford zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Massenproduktion einführte, kaum verändert. Noch immer stehen Förderbänder und starre Abläufe, die vor Beginn der Produktion angelegt und entworfen wurden, im Vordergrund. Dementgegen steigt die Nachfrage nach individuellen Produkten und einer Produktion in Losgröße 1. Auch die Innovationszyklen beschleunigen sich, neue Produkte werden in kürzerer Zeit und oftmals kleineren Stückzahlen hergestellt. Die lineare Fertigung kann mit dieser Entwicklung nicht mehr Schritt halten und verursacht anteilsmäßig höhere Kosten.

Die modulare Produktion soll diesen Prozess optimieren, unabhängig vom Volumen oder dem Mix der zu produzierenden Güter. Rusitschka sagt, dass der Wandel in der Fertigung, weg von der linearen hin zur maßgeschneiderten Produktion, seit Jahren überfällig sei – und für Hersteller, mit Blick auf die kommenden Jahrzehnte und dem schwankenden Kaufverhalten der Verbraucher, überlebenswichtig.

Seit der Gründung 2016 hat Arculus mit Unternehmen aus verschiedenen Branchen zusammengearbeitet. Darunter mit Siemens in der Robotik, Viessmann, dem führenden Unternehmen für Heizung, Lüftung und Klimatechnik, in der Logistik und Audi in der Automobilbranche. Das bayerische Unternehmen verfügt in Ingolstadt über ein starkes Team von über 40 Software-Entwicklern, Architekten, Ingenieuren und Produktionsexperten.