Technischer Kongress des VDA »Wer die Daten hat, hat die Macht«

Den 17. Technischen Kongress des VDA besuchten rund 500 Teilnehmer.
Den 17. Technischen Kongress des VDA besuchten rund 500 Teilnehmer.

Ob Neues zum Google-Auto, deutlich sinkende Batteriekosten, die Macht der Daten oder der harte Wettstreit um die besten Testbedingungen für das Auto der Zukunft – auf dem VDA-Kongress am 19. und 20. März 2015 in Filderstadt drehte sich alles um die großen Techniktrends für die Automobilindustrie.

Wie sehr die digitale Revolution mittlerweile unseren Alltag durchdrungen hat, lässt sich mit zahllosen Statistiken belegen. Oder mit der einfachen Frage eines Kindes: „Wie seid ihr eigentlich früher ins Internet gekommen, als es noch keine Computer gab?“ Volkmar Denner, Vorsitzender der Geschäftsführung von Bosch, zitierte in seiner Keynote diese Bemerkung vom Sohn eines Mitarbeiters. Und fügte hinzu: „Die Kinder von morgen werden fragen: ‚Wie seit ihr eigentlich früher Auto gefahren – ohne Internet?‘“ Für Denner ist die die Fahrzeugvernetzung nicht nur ein Garant für mehr Sicherheit und einen geringeren Verbrauch durch vorausschauendes Fahren, sondern zugleich auch eine wesentliche Voraussetzung für das automatisierte Fahren sowie für eine effizient genutzte Elektromobilität.

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Impressionen vom Technischen Kongress des VDA

Impressionen vom Technischen Kongress des VDA

Nach dem Motto „Wir müssen uns auch mit den Disruptoren beschäftigen“ wies Denner darauf hin, dass wesentliche Komponenten des Google-Autos von Bosch kämen. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass VDA-Präsident Matthias Wissmann kurz zuvor in seiner Keynote von einer schrittweisen Einführung des automatisierten Fahrens gesprochen hatte: „Bis zur Stufe der Vollautomatisierung wird es noch mehr als nur ein paar Jahre dauern.“ Google will dagegen schon in naher Zukunft ein autonomes Fahrzeug auf den Markt bringen. Ein Widerspruch? Nicht für Denner, der mit dem Google-Projekt bestens vertraut ist: Ein Fahrzeug, das sich nur in einem bekannten Umfeld bewegen könne und zudem nicht schneller als 40 km/h fahre, sei kein wirklich vollautomatisiertes Fahrzeug im Sinne der VDA-Definition. Nun lässt sich über solche Definitionen trefflich streiten, doch immerhin geben Denners Aussagen schon einen guten Anhaltspunkt, was das Google-Auto tatsächlich leisten wird.

Beim Thema Elektromobilität hob Denner zunächst den Aspekt Fahrdynamik hervor: „Wir haben ein rein elektrisches Antriebskonzept entwickelt. Wenn Sie dort das ESP ausschalten, hinterlassen Sie beim Ampelstart schwarze Streifen auf dem Asphalt.“ Die Freude am Fahren wird beim Elektroauto allerdings zurzeit noch von den beiden Spaßbremsen hohe Batteriekosten und geringe Reichweite gedämpft. Laut Denner sollen die Batteriekosten aber bis 2025 auf ein Viertel gesenkt werden können, während sich die Reichweite auf über 300 km erhöhen soll. Bis 2020 ließe sich noch die aktuelle Lithium-Ionen-Technik optimieren, danach kämen andere Technologien wie etwa Lithium-Schwefel zum Einsatz.

Wissmann betonte in Bezug auf die Elektromobilität, dass Deutschland zwar zum Leitanbieter von elektrifizierten Fahrzeugen geworden sei, aber nicht auch zum Leitmarkt. Eine 50-Prozent-Abschreibung im ersten Jahr auf gewerbliche Elektrofahrzeuge könne da einen Schub bei den Firmenflotten auslösen – zu vergleichsweise überschaubaren Kosten. Er rechne mit staatlichen Mindereinnahmen von rund 30 Millionen Euro im ersten Jahr sowie von circa 200 Millionen Euro im zweiten und dritten Jahr.