Modularer Querbaukasten Volkswagen setzt auf flexible Fahrzeugarchitektur

Der Volkswagen Konzern wird in diesem Jahr für die Marken Volkswagen, Audi, ŠKODA und SEAT den Modularen Querbaukasten (MQB) einführen. Hinter dem Kürzel MQB verbirgt sich in Hinsicht auf Konstruktion und Produktion künftiger Automobile mit vorn quer eingebauten Motoren ein Wendepunkt.

Bestandteil des Modularen Querbaukastens ist eine flexible Fahrzeugarchitektur, bei der konzeptbestimmende Abmessungen, wie Radstände, Spurbreiten, Rädergröße und Sitzposition im Konzern abgestimmt und variabel sind. Andere Abmessungen, beispielsweise der Abstand der Pedalerie zur Radmitte, sind immer gleich und ermöglichen eine einheitliche Vorderwagensystematik. Der MQB erstreckt sich dabei über die Segmente A0 bis B. Bei Volkswagen sind das zum Beispiel die Modelle Polo, Beetle, Golf, Scirocco, Jetta, Tiguan, Touran, Sharan, Passat und Volkswagen CC. All diese Modelle lassen sich in Zukunft – trotz unterschiedlicher Radstände und Spurbreiten – theoretisch auf der gleichen Fertigungslinie bauen. Ebenso wird es möglich sein, Modelle verschiedener Marken, die auf der MQB-Architektur basieren, gemeinsam zu produzieren. Die ersten Fahrzeuge, die auf der Basis des MQB entstehen, werden der Nachfolger des Audi A3 und der nächste Golf sein.
Vorteil des MQB: die einheitliche Einbaulage aller Motoren. Eine zentrale Rolle übernehmen dabei der in die MQB-Strategie integrierte Modulare Ottomotorbaukasten (MOB) und der Modulare Dieselmotorbaukasten (MDB). Der MOB umfasst die Motorenreihe EA211 (40 kW / 60 PS bis 110 kW / 150 PS) – zum Spektrum gehören hier die Vierzylinder mit Zylinderabschaltung (ACT). Für den MDB stehen die Motoren der Reihe EA288 (66 kW / 90 PS bis 140 kW / 190 PS) zur Verfügung. Unter dem Strich wird der Konzern die Motor- und Getriebe-Varianten im MQB-System durch die modernen Aggregate-Familien um rund 90 Prozent reduzieren, ohne jeglichen Nachteil. Im Gegenteil: Der MQB macht es
möglich, neben den konventionellen Verbrennungsmotoren auch alle gängigen alternativen Antriebe in identischer Einbaulage ohne Einschränkungen darzustellen – von Erdgas- über Hybridversionen bis hin zum rein elektrischen Antrieb. Den hat VW im Bereich des MQB bereits für das Jahr 2013 im neuen Golf blue-e-motion angekündigt.
Mit dem MQB eröffnet sich für den Konzern die Möglichkeit, langfristig und weltweit mehr denn je Volumen- und Nischenmodelle von hoher Qualität zu wettbewerbsfähigen Kosten herstellen zu können – individuell zugeschnitten auf die Erfordernisse verschiedener Märkte, wie Europa, China und Amerika, aber auch auf Schwellenländer, wie Indien. Parallel wird der Automobilhersteller mit der Einführung der ersten MQB-Baureihen die Fahrzeuggewichte und damit den Verbrauch signifikant reduzieren. Er will damit einen wichtigen Beitrag zum Umweltschutz leisten. Außerdem werden insgesamt 20 Innovationen auf den Gebieten Sicherheit und Infotainment eingeführt, die bis dahin höheren Fahrzeugsegmenten vorbehalten waren. Hierzu gehört die Multikollisionsbremse; sie hilft durch eine automatisch eingeleitete Bremsung, nach dem ersten Aufprall die Intensität weiterer Unfälle zu mindern. Die Multikollisionsbremse wird in der nächsten Audi A3- und Golf-Generation serienmäßig an Bord sein.
Innerhalb des Konzerns ergänzt der unter Federführung der Marke Volkswagen entwickelte MQB den von Audi verantworteten Modularen Längsbaukasten (MLB), den Modularen Standardantriebsbaukasten (MSB) mit Porsche als Kompetenzzentrum und die New Small Family mit dem Volkswagen up!, SEAT Mii und ŠKODA Citigo.