Entwicklung Produktionsfreigabe von AUTOSAR-Basis-Software

Software-Konfiguration ist maßgebend für die Qualität der Serienproduktion

Für die Freigabe für die Serienproduktion ist die Software-Konfiguration die entscheidende Eingangsgröße. Die Software-Konfiguration ist in diesem Zusammenhang die Definition der Eingangsparameter, die das Verhalten der Basis-Software bestimmen, also u.a. AUTOSAR-Version, Compiler-Version und Optionen und Controller-Architektur. Für diese Software-Konfiguration sind vom Lieferanten der Basis-Software alle notwendigen und möglichen Maßnahmen zur Absicherung zu ergreifen, um eine Qualität für Serienproduktion zu erreichen. Diese Absicherungsmaßnahmen sind Teil des Entwicklungs- und Abnahmeprozesses; Bild 1 und Bild 2 skizzieren das prinzipielle Vorgehen bei EB. Aus dem System-Design ergeben sich Aspekte, die vom Lieferanten der Basis-Software selbst nicht abgesichert werden können, wie das dynamische Verhalten des Systems, das nur zusammen mit der Applikation ermittelt werden kann. Erst durch die erfolgreiche Absicherung auch dieser Aspekte wird die Tauglichkeit eines Basis-Software-Standes für die Serienproduktion gewährleistet. Daher ist es für den Lieferanten wichtig, dass es zu einem Austausch über den Status der Absicherungen mit dem Anwender kommt.

Über den Lebenslauf des Projektes gesehen, werden also am Anfang noch viele offene Punkte bezüglich der Software-Konfiguration bestehen. Diese Funktionen können vom Lieferanten der Basis-Software dann implementiert und geliefert werden. Die offenen Punkte werden dabei sowohl vom Anwender als auch vom Lieferanten gepflegt und gegenseitig ausgetauscht. Ziel des Freigabeprozesses ist es, die offenen Punkte für ein Projekt auf null zu reduzieren. Während der technischen Freigabe wird dieser Status dokumentiert. Abweichungen vom freigegebenen Stand – zum Beispiel das Auftreten eines Fehlers - werden zwischen Anwender und Lieferant ausgetauscht und gegebenenfalls Maßnahmen zur Abstellung des offenen Punktes definiert.

Konkret werden in den einzelnen Phasen folgende Arbeitspakete und Arbeitsprodukte durchgeführt:

In der Spezifikationsphase wird die Software-Konfiguration definiert und eine erste Integrationsplanung mit dem Anwender aufgesetzt.

In der Entwicklungsphase wird zu jeder Lieferung in einem Qualitäts-Statement die technische Serientauglichkeit festgehalten. Abweichungen in der Software-Konfiguration vom Ziel der Produktionsqualität werden in einer „Offene Punkte“-Liste dokumentiert und Arbeitspakete zum Abstellen der offenen Punkte definiert. Bekannte Probleme werden vom Lieferanten an die Anwender gemeldet.

In der Freigabephase wird von beiden Seiten in einem Freigabeprotokoll dokumentiert, dass die Software-Konfiguration bereit für die Serie ist und keine offenen Punkte mehr bekannt sind.

In der Produktionsphase werden dem Anwender bekannte Probleme gemeldet und gegebenenfalls Software-Patches zur Verfügung gestellt.

Ein typischer Verlauf sieht zum Beispiel so aus, dass zu Beginn eines Projektes Anteile an dem Integrationspaket noch gar nicht mit der Qualität für die Serienproduktion geliefert werden können. Um dann die Planung des Projektes nicht zu gefährden, muss gemeinsam mit dem Anwender eine Integrationsplanung mit mindestens zwei Lieferungen geplant werden.

Der vorgeschlagene Prozess kann die Komplexität nicht verringern, aber das Vorgehen und die Arbeitsschritte transparent machen.

Bei der anzutreffenden mehrstufigen Wertschöpfungskette für die Basis-Software (OEM, Tier-1-Zulieferer, Software-Haus) besteht das Risiko, dass die notwendigen Absicherungsmaßnahmen bei dem jeweiligen Lieferanten im zeitlichen Gegensatz zu den Anforderungen der Gesamtintegration stehen. Um dieses Risiko zu minimieren, müssen jedem der Beteiligten die zeitlichen Abhängigkeiten in der Wertschöpfungskette für die Basis-Software bekannt sein. Damit können die Durchlaufzeiten für die Basis-Software-Erstellung in der Planung des nächsten Integrationsschrittes berücksichtigt werden.

Um eine ausreichende Unterstützung in Bezug auf die Basis-Software für den Anwender zu garantieren, sollten zwischen Anwender und Lieferant für die Lebenszeit des jeweiligen Projektes entsprechende Verträge zu Pflege und Wartung der Basis-Software abschlossen werden.

Ein wichtiger Schritt für die Zukunft ist, den vorgeschlagenen Prozess hinsichtlich Anforderungen aus der ISO 26262 zu überprüfen und ggf. zu überarbeiten. EB plant diese Überprüfung und ggf. Anpassung bis Ende 2010 durchzuführen.