Niedrigpreis-Auto: Dynamik bei zweistelligen Zuwachsraten

Bis zum Jahr 2035 wird sich in Indien und China der Pkw-Bestand um das 13-fache erhöhen. Ein großer Teil davon dürfte auf das Niedrigpreis-Segment entfallen. Für den Zulieferer stellt sich nun die Frage, ob dafür völlige Neuentwicklungen notwendig sind, oder ob abgespeckte Komponenten und Systeme ausreichen.

Bis zum Jahr 2035 wird sich in Indien und China der Pkw-Bestand um das 13-fache erhöhen. Ein großer Teil davon dürfte auf das Niedrigpreis-Segment entfallen. Für den Zulieferer stellt sich nun die Frage, ob dafür völlige Neuentwicklungen notwendig sind, oder ob abgespeckte Komponenten und Systeme ausreichen.

Weil das Segment der sog. „Low Price Vehicles“ in Zukunft stark wachsen wird, will sich Bosch in diesem Markt stark engagieren. Der Nettopreis dieser Niedrigpreis-Fahrzeugklasse liegt unterhalb von 7000 Euro. Ihr Anteil am Weltautomobilmarkt wird nach Bosch-Einschätzung im Jahr 2010 rund 13 Prozent erreichen. Das bedeutet ein Volumen von rund zehn Millionen Fahrzeugen pro Jahr. Das durchschnittliche Wachstum dieses Segments ist mit 5 Prozent mehr als doppelt so groß wie der Zuwachs des gesamten übrigen Marktes, der bei 2,3 Prozent liegen dürfte (Bilder 1 und 2). Angefangen hat es mit dem 5000-Euro-Auto „Dacia Logan“ von Renault, von dem im Jahr 2009 bis zu einer Million Fahrzeuge produziert werden sollen. Der indische Hersteller Tata kündigte für 2008 ein „One-Lakh-Car“ an, ein Auto zum Preis von „One Lakh“, entsprechend rund 100 000 Rupien oder 2000 Euro. Volkswagen plant ein Niedrigpreis-Modell unterhalb des VW Fox, während Toyota zu Beginn dieses Jahres seine Pläne für ein Automobil im Preissegment unterhalb des „Dacia Logan“ präsentierte. Sicher wird der „Run“ auf die günstigen Automobile vor allem in China und Indien stattfinden. Dabei dürfte sich die Hälfte des Marktes auf diese beiden Länder konzentrieren – bei zweistelligen Zuwachsraten.

Eine weitere Käufergruppe sind jene in den entwickelten Ländern, die sich bislang aus Preisgründen keinen Neuwagen leisten konnten und deshalb einen Gebrauchtwagen kauften.

Ein weiteres Beispiel für die Entwicklung ganz neuer Komponenten ist die Zündspule „ZSK 2x2 value“. Ihr Bauraum konnte um 40 Prozent reduziert werden; trotzdem lassen sich aus ein und derselben Zündspule unterschiedliche Zündenergien erzeugen und damit sowohl Benzin- wie auch Ethanolund Erdgasmotoren betreiben. Jüngster Erfolg ist der Auftrag für die Lieferung von Generatoren, Bremsen sowie Otto- und Diesel-Motorsteuerungssystemen für den „One-Lakh-Car“ des indischen Automobilherstellers Tata. Die Ziele in dem Segment der Niedrigpreis-Autos hat Bosch hoch gesteckt. So will das Unternehmen allein im Bereich Gasoline Systems im Jahr 2010 einen Umsatz von rund 350 Mio. Euro erzielen. Damit würde der Marktanteil bei Benzin-Einspritzsystemen mehr als 30 Prozent betragen. Über alle Bereiche der Kraftfahrzeugtechnik hinweg liegt das Umsatzziel bei etwa 1 Mrd. Euro im Jahr 2010, was einem Marktanteil von rund 25 Prozent entsprechen würde.