Freescale Mega-Trends erfordern eine Veränderung der Industrie

Stephan Lehmann, Direktor Global Automotive Marketing bei Freescale Semiconductor.
Stephan Lehmann, Direktor Global Automotive Marketing bei Freescale Semiconductor.

Früher hieß es, die Automotive-Branche ändert sich nur sehr langsam, die Technologie hinkt anderen Applikationen um Jahre hinterher und das Geschäft ist deshalb langweilig. Die Jahre 2009 bis 2011 waren alles andere als langweilig.

Zuerst brachen die Umsätze schneller ein als jemals zuvor und die Industrie reagierte darauf mit Reduktion der Fertigungskapazitäten und anderen Kostenreduktionen bis hin zum Einstellen von Entwicklungsprojekten und Werksschließungen. Dann kam 2010 mit einer unerwartet schnellen Gegenbewegung und die gesamte Industrie war darauf konzentriert, die minimalen Fertigungsbedarfe abzudecken. Als alle hofften, dass in 2011 wieder Normalität einkehrt, erlebten wir stattdessen die Konsequenzen zuerst von Erdbeben und Tsunami in Japan und anschließend von der Flut in Thailand.

Das Auf und Ab des Automobilelektronikmarktes hat dabei verdeckt, dass sich diese Industrie auch strukturell in einem wesentlichen Wandel befindet. Bereits seit Jahren wissen wir, dass Innovationen im Automobil in immer stärkerem Maße von Elektronik und Software abhängen. Vier große Trends treiben die Industrie voran und lassen für das nächste Jahrzehnt im Automobilhalbleitermarkt Wachstumsraten erhoffen, die über den 7,2 Prozent pro Jahr liegen, die WSTS (World Semiconductor Trade Statistics) für den Zeitraum 2000 - 2010 ausgewiesen hatten.

Energieeffizienz und Abgasreduktion, Reduktion der 1,3 Mio. Verkehrstoten weltweit, die zunehmende Vernetzung der Automobilelektronik in sich, aber auch des Autos mit der Umwelt und zu guter Letzt die Verschiebung der Automobilnachfrage aus den entwickelten Ländern hin zu den Emerging Countries schaffen zusätzliche Bedarfe, erfordern aber eine deutliche Veränderung der Industrie.

Der Bereich Fahrzeugantrieb bindet bei OEMs und Tier-1-Zulieferern einen großen Anteil der Entwicklungsaufwendungen, da parallel ein ganzes Bündel von traditionellen und innovativen Antriebstechnologien bis hin zum Batterie- und Energie-Management vorangetrieben werden. Für die Lieferanten von MCUs bedeutet das, weiter steigende Rechenleistung und die Einführung von Multi-Core-Technologien am oberen Leistungsspektrum anzubieten, wie z.B. die Qorivva-Familie von Freescale, die Skalierbarkeit von Single- bis Multi-Core über alle Applikationsbereiche bietet. Produkt-architektur und intelligente Peripheriemodule erlauben eine wesentliche Systemleistungssteigerung und werden in ihrem Einfluss oft unterschätzt.

Moderne Mikrocontroller müssen nicht nur Spezialisten sein für Verbrennungsmotoren, sondern benötigen zusätzlich spezielle Maßnahmen für die effiziente Ansteuerung von elektrischen Motoren. Die ISO 26262 erhöht die Aufwendungen im Entwicklungsprozess und treibt mit Redundanz- und Diagnoseanforderungen Größe und Komplexität der Bauteile. Datenblätter von 8.000 Seiten und mehr illustrieren diesen Trend und lassen erahnen, welche Herausforderungen sich daraus für die Kunden in Hardware- als auch Software-Entwicklung ableiten. Gleichzeitig werden für die wachsenden Märkte in Asien, Südamerika und Osteuropa kostengünstige Lösungen für Automobile, Motorräder bis hin zu E-Bikes gesucht, um der dortigen Kaufkraft gerecht zu werden und trotz allem auch dort einen Beitrag zum Umweltschutz sicherzustellen.

Diese Spreizung der Anforderungen erfordert skalierbare Produktfamilien mit maximaler Wiederverwendung. Darüber hinaus erwarten Kunden immer öfter, dass Halbleiterhersteller ihre Systemkompetenz in Form von Referenz-Designs mit allen notwendigen Komponenten wie Mikrocontroller, Sensoren, analogen Bausteinen, Kommunikationsschnittstellen und Software einbringen, um so eine kürzere Kundenentwicklungszeit zu fördern. Die weltweite Lieferantenpräsenz an der zunehmenden Anzahl der Entwicklungsstandorte unserer Kunden stellt dabei weitere Herausforderungen an Personalentwicklung, Kommunikation und Effizienz der Lieferanten.