Ladestationen für Elektroautos

Der frühere SAP-Vorstand Shai Agassi will nach einem Bericht der FTD ein bundesweites Netz von Ladestationen für Elektroautos aufbauen. Er verhandelt mit deutschen Konzernen über eine Beteiligung.

Nach Darstellung von Agassi wären Unternehmen wie Eon als Partner prädestiniert. Doch möchte er auch Finanzinstitute wie die Deutsche Bank ins Boot ziehen. »Und natürlich brauchen wir die deutschen Autohersteller.« Agassi betreibt sein Vorhaben im Rahmen seines im letzten Jahr gestarteten »Project Better Place«. In 15 Ländern, darunter Deutschland, will er eine Infrastruktur für Elektroautos schaffen, die tauglich für den Massenmarkt ist.

Konkret werden seine Pläne in Israel, wo er ein landesweites Netz von Ladestationen aufbauen wird. Renault und die japanische Tochter Nissan haben dafür Elektroautos entwickelt, die bereits dieses Jahr in kleinen Serien getestet werden sollen. Rund 500.000 Stationen in Haushalten und auf Parkplätzen werden eingerichtet, um das Aufladen der Batterien zu ermöglichen. Auch sind 150 Standorte vorgesehen, an denen leere Batterien gegen volle getauscht werden können, um Wartezeiten zu vermeiden.

Mit der Markteinführung hofft Agassi, seinem Konzept zum Durchbruch zu verhelfen. Wie er Medienvertretern erklärte, möchte er 2011 mit der Massenproduktion beginnen. Die weltweite Klimadebatte und der hohe Ölpreis steigern das Interesse an Elektroautos. Autohersteller befassen sich auf breiter Front mit diesem Marktsegment. Doch verhindern bislang Probleme wie lange Ladezeiten der Batterien und geringe Reichweiten das Massengeschäft. In die Entwicklung innovativer Li-Ionen-Akkus, die hier Abhilfe schaffen sollen, investieren auch deutsche Unternehmen intensiv.

Nach Vorstellung Agassis wird das Problem der Ladezeiten mit dem flächendeckenden Netz und den Batteriewechselstationen gelöst. Nach seinem Modell sind die Akkus im Besitz des Stromnetzbetreibers, der Tarife nach dem Vorbild der Telekommunikationsbranche anbieten könnte. Bezahlt wird etwa nach gefahrenen Kilometern oder mit einer Monatspauschale. Möglich wäre auch der Abschluss längerfristiger Verträge, die ein Gratisauto umfassen.

Einen starken Anreiz zur Durchsetzung von Elektroautos erhofft sich Agassi von Steuern, die an den CO2-Ausstoß gekoppelt sind und damit die Kosten von Elektroautos senken könnten. Entsprechende Abgabenpläne sind in vielen Ländern in der Einführungsphase.

Obwohl durch die Klimadiskussion ins Blickfeld der Öffentlichkeit gerückt, sind in Deutschland Fahrzeuge mit alternativen Antrieben bislang kaum vertreten. Dies ist der aktuellen Statistik zum Fahrzeugbestand am 1. Januar 2008 zu entnehmen, die das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) in Flensburg heute veröffentlichte. Danach werden nur 232.000 Pkws, das sind 0,6 Prozent, mit Flüssiggas, Erdgas, Elektro oder Hybrid angetrieben. Eine Reform der Kfz-Steuer steht noch aus.