Die Requirements-Lasagne

In der Automobilentwicklung bestehen Anforderungen auf allen Ebenen, die Beziehungen und Abhängigkeiten zwischen den Anforderungen sind äußerst komplex. Dieser Artikel erläutert anhand eines konkreten Beispiels das Zusammenspiel der vielen Schichten auch über Firmengrenzen hinweg. Und er geht auf die Bedeutung dieses Sachverhalts für die Projektbeteiligten ein.

In der Automobilentwicklung bestehen Anforderungen auf allen Ebenen, die Beziehungen und Abhängigkeiten zwischen den Anforderungen sind äußerst komplex. Dieser Artikel erläutert anhand eines konkreten Beispiels das Zusammenspiel der vielen Schichten auch über Firmengrenzen hinweg. Und er geht auf die Bedeutung dieses Sachverhalts für die Projektbeteiligten ein.

Wie eine gute Lasagne aus mehreren Schichten besteht, die jeweils durch Nudelplatten getrennt sind, so ist auch das „Requirements-Engineering“ speziell innerhalb einer Lieferantenkette eine vielschichtige Angelegenheit. Dabei entsprechen die Firmengrenzen den Nudeln und die Anforderungen der Entwicklungsdisziplinen den Zutaten innerhalb einer Schicht.

Innerhalb einer Lieferantenkette, vom OEM bis zum Unterlieferanten, existieren Top-Level-Anforderungen des OEMs, Anforderungen des OEMs an seine Lieferanten und Anforderungen eines Lieferanten an den nächsten Lieferanten in der Kette. Zusätzlich gibt es sowohl beim OEM als auch bei den Lieferanten Ziele, Systemanforderungen usw. bis hin zu Anforderungen an einzelne Hardware- und Software- Module. Beim OEM und den Lieferanten sind die „Zutaten“ und ihre Reihenfolge immer dieselbe.

Requirements-Engineering stellt analog zur Lasagne eine vielschichtige Angelegenheit dar. Anforderungen gibt es auf verschiedenen Ebenen wie der Kunden-, System- sowie der Subsystemebene. Die Anforderungen stehen über die verschiedenen Ebenen hinweg miteinander in Beziehung. Dies trifft insbesondere auf eine Lieferantenkette zu, wie sie speziell in der Automobilindustrie üblich ist, vom OEM bis zum letzten Lieferanten in der Kette (Bild 1). Der OEM beschäftigt sich mit den Anforderungen der Autofahrer und übersetzt diese in Systemanforderungen. Die Systemanforderungen stellen die Top-Level-Anforderungen an das Automobil dar. Nach dem Zuordnen der Systemanforderungen auf die Subsysteme, die bei der Entwicklung einer geeigneten Fahrzeugarchitektur definiert wurden, stellt ein Teil dieser Systemanforderungen wiederum Anforderungen an einen Lieferanten des OEMs dar [1].

Die folgenden Aussagen sollen anhand eines Praxisbeispiels veranschaulicht werden. Bei dem zu entwickelnden Fahrzeug handelt es sich um ein Auto der Premium-Klasse, das höchsten Fahrsicherheitsstandards genügt. Mit diesem Fahrzeug möchte der OEM einen Marktanteil im gehobenen Preissegment erobern und seinen Markennamen auch mit Fahrzeugen der Premium- Klasse assoziieren. In unserem Beispiel wird sich aus dieser Vision ergeben, dass das Fahrzeug standardmäßig mit einem Navigationssystem ausgestattet werden soll, welches über ein Farb-Display, Sprachansagen, eine Kartenansicht und die Möglichkeit zur Sprachsteuerung verfügen soll [2].