Elmos Semiconductor Die Auto-Branche wird sich auf ihre Stärken konzentrieren

Dr. Anton Mindl, Vorstandsvorsitzender der Elmos Semiconductor AG.
Dr. Anton Mindl, Vorstandsvorsitzender der Elmos Semiconductor AG.

2012 wird ein schwieriges Jahr, in dem die Bäume nicht in den Himmel wachsen, 2012 wird auch noch nicht das Jahr der Elektromobilität. Hier sind zwar Fortschritte gemacht worden, aber gleichzeitig ist eine deutliche Ernüchterung eingetreten, nicht zuletzt auch im Reich der Mitte. 2012 wird vielmehr das Jahr, in dem Flexibilität und Innovation in der Entwicklung, beim Produkt und in der Produktion die entscheidenden Kriterien sein werden.

Themen wie die stromsparende Vernetzung, energieeffiziente LEDs, die Weiterentwicklung von Komfort- und Sicherheitsfunktionen (automatische Klimaregelung, automatisches Einparken, Bedienerschnittstellen per Gestenerkennung, Reifendruckkontrollsysteme, Fußgängerschutz, um nur ein paar zu nennen) und die Entwicklung auf dem asiatischen Markt werden das Jahr 2012 dominieren. Die Anforderungen an die Automobilhersteller und damit auch an Elmos als Halbleiter- und Sensoren-Anbieter haben sich zuletzt stark gewandelt: herkömmliche Antriebe werden optimiert und neue Technologien entwickelt. Hintergrund sind striktere gesetzliche CO2-Emissionsbegrenzungen und das wachsende Bewusstsein um die endliche Verfügbarkeit fossiler Ressourcen.

Zudem erwarten Kunden mehr Funktionalität und Komfort von einer Fahrzeuggeneration zur nächsten. Das wird mehr denn je durch Innovationen in der Fahrzeugelektronik realisiert werden. Ohne Gegenmaßnahmen würde die damit einhergehende erhöhte elektrische Leistungsaufnahme allerdings zu einem Anstieg des Kraftstoffverbrauchs und damit der CO2-Emission führen. Dies zu verhindern ist das Ziel aller Beteiligten in der Lieferkette. Es wird dabei nicht die eine Lösung geben, die das Problem auf einen Schlag beseitigt, sondern viele kleine Bausteine werden dazu beitragen.

Dabei rücken aber auch ganze Steuergeräte immer mehr ins Visier der Entwickler. Viele Steuergeräte müssen während der Fahrt nicht permanent aktiv sein, da Anwendungen wie z.B. die elektrische Sitzverstellung, der Fensterheber, das Schiebedach oder die Einparkhilfe jeweils nur für kurze Zeit benötigt werden. Eine signifikante Effizienzsteigerung ließe sich erreichen, wenn ausgewählte Steuergeräte nur dann gezielt aktiviert würden, wenn sie für die Anwendung benötigt werden, ansonsten aber in einem Zustand mit deutlich reduzierter Leistungsaufnahme blieben. Dies wird als so genannter Teilnetzbetrieb (Partial Network Modus) bezeichnet. Bei deutlich mehr als zehn Steuergeräten pro Fahrzeug, die für Teilnetzbetrieb ausgelegt werden können, stellt dieser deshalb eine grüne Innovation mit nennenswertem Potential dar. Der Serieneinsatz im Fahrzeug steht kurz bevor.

LEDs werden Komfort und Sicherheit verbessern

Ein weiterer evolutionärer Schritt in 2012 wird bei der Beleuchtung genommen: Verbrauchsintensive Leuchtmittel werden durch LEDs ersetzt. Zusätzlich werden Komfort und Sicherheit dadurch verbessert. Der Komfort wird durch den Einsatz einer intelligenten Innenraum-Lichtmischung und die Sicherheit durch die Einführung neuer Lichtkonzepte für das Front-Licht erhöht. Das Stichwort lautet AFS (Adaptive Frontlighting System), das je nach Fahr- und Straßensituation die Beleuchtung verändern kann. Auch für das Hecklicht sind ähnliche Konzepte in Vorbereitung.

Die damit einhergehenden neuen Spannungs- und Strom-Anforderungen an das Bordnetz und die Bauelemente fordern neue Elektronikkonzepte. Beispielsweise den Einsatz von hocheffizienten Multi-Phasen-Boostern. Werden diese mit einem Auto-Adressing-Konzept kombiniert, ist der Einsatz von LED-Gruppen an unterschiedlichen Stellen im Fahrzeug deutlich vereinfacht: durch einfaches Einstecken erkennt das System die Position der LEDs und das Steuergerät ordnet automatisch die richtige Funktion zu. Eine Vorprogrammierung oder logistische Unterscheidung der LEDs entfällt. Dies bedeutet: Plug&Play im Fahrzeug sowohl bei der Erst-Montage als auch im Service-Fall.

Neben diesen Bausteinen zur Energieeffizienz werden 2012 weitere Applikationen eine größere Veränderung erfahren. Bei der Bedienphilosophie (HMI) ist der nächste logische Schritt die Gestenerkennung. Touch-Bedienungen sind bei Navigationsgeräten schon lange Standard. Die berührungslose Gestenerkennung für viele Bedienelemente in der Mittelkonsole kommt 2012 direkt in die Mittelklasse. Der Fahrzeughersteller kann es in einem Atemzug mit iPhones und iPads als echte „i“-ntelligente Innovation vermarkten.

Aber auch bei etablierten Systemen, wie der Einparkhilfe, ist die Entwicklung noch längst nicht abgeschlossen und wird in 2012 mit unveränderter Kraft vorangetrieben. Mit neuen Halbleitern und Sensoren wird ein genaueres Navigieren des Fahrzeugs in die Parklücke möglich. Den Dauerton wird es dann erst bei 12 bis 15 cm Abstand zum Hindernis geben und nicht wie bislang schon bei 30 cm. Gleichzeitig werden die Erfassungsabstände nicht nur kürzer, sondern auch wesentlich länger. Im „Long Range“-Modus erfassen ähnliche Systeme Hindernisse im Abstand von sechs bis acht Metern, damit ist u.a. auch eine Totwinkel-Überwachung möglich. Zudem werden Reifendruckkontrollsysteme basierend auf MEMS-Technologie den Durchbruch quer durch alle Fahrzeugklassen schaffen. Zusätzlich sorgen der Gesetzgeber in den USA und der EU dafür, dass ein Reifendruckkontrollsystem bei Neuwagen Pflichtausstattung ist bzw. wird.