Nach der Coronakrise Deutsche fahren lieber mit dem Auto als mit den Öffis

Fließender Verkehr sieht anders aus. Verkehrsabhängige Ampelsteuerung und intelligente Navigation können Abhilfe schaffen.
Fließender Verkehr sieht anders aus. Verkehrsabhängige Ampelsteuerung und intelligente Navigation können Abhilfe schaffen.

Schon nach den ersten Corona-Lockerungen ist erkennbar, dass das Auto im Vergleich zum ÖPNV verstärkt genutzt wird. Das Verkehrsmanagement muss darauf reagieren, meint Kapsch TrafficCom. Technische Lösungsansätze zum Gewährleisten eines reibungslosen Verkehrsflusses gibt es durchaus.

Gut 80 % der Autofahrer in Deutschland reagieren auf Staus und überlastete Straßen, indem sie Ausweichrouten suchen. Der Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel kommt als Alternative nur für knapp jeden Zweiten in Betracht. Das war das Ergebnis einer Umfrage unmittelbar vor Ausbruch der Corona-Pandemie im März. Nach dem »Neustart« wird der öffentliche Nahverkehr voraussichtlich noch weniger Zuspruch bekommen – die Staulage dürfte sich sogar verschärfen. Für die Studie »Kapsch TrafficCom Index« wurden bevölkerungsrepräsentativ 1000 Bundesbürger von einem Marktforschungsinstitut in Deutschland befragt.

»In Ballungszentren müssen wir damit rechnen, dass öffentliche Verkehrsmittel unter dem Eindruck der Corona-Pandemie noch seltener die erste Wahl der Menschen sein werden, um von A nach B zu kommen«, sagt Gerd Gröbminger, Vice President Sales bei Kapsch TrafficCom. »Nach ersten Lockerungen sehen wir schon heute, dass das Auto verstärkt genutzt wird. Das Verkehrsmanagement wird schnellstmöglich darauf reagieren müssen.«

Zahl der Autos stieg erheblich

Ganz unabhängig von der Pandemie, ist die Überlastung der Straßen eine langfristige Entwicklung: Ein wichtiger Treiber sind stark steigende Zulassungszahlen. So ist der Pkw-Bestand in den vergangenen zehn Jahren in Deutschland um 5,8 Mio. Autos auf zuletzt 47 Mio. Fahrzeuge bis Ende 2019 gestiegen.

»Es gibt bereits technische Antworten, um einen reibungslosen Verkehrsfluss in Zeiten mit sehr großem Verkehrsaufkommen herzustellen«, meint Gerd Gröbminger. »Das Verkehrsmanagement beruht dabei auf mehreren Säulen: Neben dem effizienteren Auflösen von Störungen geht es beispielsweise darum, die Fahrzeug-Infrastruktur in öffentliche Leitsysteme zu integrieren, um Ampeln besser adaptiv steuern zu können oder Routen kollaborativ auszuwählen.«
 

Weniger Stau durch intelligente Ampelsteuerung

Erster Schritt sollte eine verkehrsabhängige Steuerung von Ampeln sein. Wenn diese Technologie konsequent eingesetzt wird, zeigen die Praxiserfahrungen um bis zu 25 % geringere Stauzeiten. Die weite Verbreitung von SIM-Karten und GPS macht es darüber hinaus möglich, von den Fahrzeugen Echtzeit-Verkehrsdaten zu erhalten und zu nutzen. Damit steigt das Wissen über die tatsächliche Verkehrssituation auf den Straßen signifikant an. Die Auswirkungen seien vergleichbar mit der besseren Vorhersagequalität in der Meteorologie durch die Einführung von Satelliten, erklärt Gröbminger.

Navigation hört auf, egoistisch zu arbeiten

Der Austausch vernetzter Fahrzeugdaten macht den Weg für neue Navigationssysteme frei: Derzeit arbeiten alle gängigen Routingsysteme »egoistisch«: Wird Staugefahr erkannt, wird allen Fahrzeugen dieselbe Ausweichroute von der Navigationssoftware vorgeschlagen. Künftig sollten die Routen der Verkehrsteilnehmer von den öffentlichen Verkehrsleitstellen vorgeschlagen werden.

Der Grund: Das Wissen der öffentlichen Verwaltung über Baustellen, Events oder besondere Umweltbelastung wird in der neuen Streckenplanung berücksichtigt und über die angeschlossenen Navigationssysteme zum Vorteil der Gemeinschaft angewendet. So lässt sich der Bedarf vorausschauend steuern – Stichwort »Predictive Demand Management«.