Der Krise trotzen

Trotz globaler Krisenstimmung und sinkender Ausstellerzahlen versuchte Amerikas Autoelektronik-Konferenz, ein Forum für automobile Innovationen zu bieten.

Trotz globaler Krisenstimmung und sinkender Ausstellerzahlen versuchte Amerikas Autoelektronik-Konferenz, ein Forum für automobile Innovationen zu bieten.

Die von etwa 200 im Jahr 2006 auf gut 150 gesunkene Ausstellerzahl und die vergleichsweise geringe Anzahl von ca. 4000 angemeldeten Besuchern waren symptomatisch für die Krisenstimmung in Amerikas Autobranche. Namhafte US-Zulieferer wie Delphi, Visteon oder TRW blieben der Ausstellung fern, während europäische Zulieferer wie Bosch, Conti oder Magneti Marelli Flagge zeigten. Chrysler konnte zwar mit einem eigenen Stand aufwarten, auf dem Projekte zum Thema Car-2-x-Kommunikation gezeigt wurden, als Standpersonal wurden jedoch teilweise deutsche Praktikanten von Mercedes-Benz rekrutiert. Ein ähnliches Bild zeigte sich während der OEM-Panel-Diskussion unter der Leitung von Paul Hansen (Herausgeber des „The Hansen Report on Automotive Electronics“). Dabei nahmen Jim Buczkowski, Director Global E/E-Systems Engineering Ford, Andreas Schell, VP E/E-Engineering Core Chrysler, Toyohei Nakajima, Senior Chief Engineer Honda R&D, Chris Thibodeau, Director Global Technology Engineering E/E-Products General Motors, sowie Dr. Günter Reichart, Hauptabteilungsleiter Zentrale Fahrzeugsysteme und -dienste bei BMW, zu verschiedenen Themen Stellung. Während Honda trotz der Krise weiter Innovationen treiben will und bei BMW, zumindest im Entwicklungsbereich, „Business as usual“ herrscht, sind die amerikanischen OEMs eher zurückhaltend. „Qualität hat derzeit bei uns höchste Priorität“, sagt Schell von Chrysler, ohne direkt auf zu erwartende Innovationen einzugehen. Auch Ford fokussiert sich derzeit eher darauf, bestehende Systeme allen Kunden zur Verfügung zu stellen, statt dem Premium-Segment zu überlassen. Deutlicher wurde dagegen Thibodeau von GM: „Wir werden die Entwicklungen neuer Innovationen nicht stoppen, aber zum Teil hinauszögern.“ Weitgehende Einigkeit herrschte bei den OEM-Vertretern hinsichtlich der Zahl der verbauten Steuergeräte. Derzeit enthalten Neufahrzeuge in den USA ca. 25 bis 35 ECUs, bei BMW liegt der Durchschnitt erwartungsgemäß mit 40 bis 50 ECUs etwas höher. Dank zunehmender Integration erwarten alle OEMs eine Reduzierung dieser Zahl. Bei BMW könnte man sich, so Reichart, sogar eine Reduzierung auf eine einstellige Zahl von Domänen-Controllern vorstellen.

Ein ähnliches Bild ergab sich beim Elektronikanteil, der entsprechend der zu bedienenden Segmente variiert. Honda (20 bis 50 Prozent) und BMW (35 bis 45 Prozent) liegen in etwa gleich auf. Andere OEMs wie z.B. Chrysler (15 bis 25 Prozent) liegen darunter. „Der Elektronik-Anteil wird aber weiter zunehmen“, glaubt Schell. Während BMW in fünf Jahren einen Wert von gut 50 Prozent anstrebt, erwartet Nakajima von Honda einen Wert von „fast 90 Prozent“ – für alle E/E-Systeme in ausgewählten Fahrzeugen.

Speziell für 24-V-Systeme in Nutzfahrzeugen wurde die PolySwitch-Familie von Tyco Electronics konzipiert, die elektronische Schaltungen vor Überströmen schützen kann. Die Bausteine der AHEF-Familie erlauben einen Halte-Strom von 0,5 bis 10 A und einen maximalen Fehlerstrom bis zu 100 A. Die maximale Eingangsspannung beträgt bei allen Varianten 32 V, der Temperaturbereich reicht bis 125 °C. „Die Bausteine können konventionelle Sicherungen ersetzen, bieten dabei aber mehrere Vorteile“, erläutert Guillemette Paour von Tyco Electronics. „Sie lassen sich, aufgrund ihrer Baugröße, direkt in die zu schützende Schaltung integrieren und können nach einem auftretenden Fehlerfall zurückgesetzt werden, da sie, anders als Sicherungen, nicht zerstört werden.“

Moderne Leiterplattentechnik zeigte Freudenberg Mektec in Form von flexiblen Leiterplatten. Kamen diese in der Vergangenheit vor allen Dingen in der Konsumelektronik zum Einsatz, so bietet mittlerweile auch die Automobiltechnik genügend Anwendungsgebiete. Flexible Leiterplatten finden sich in Getriebe-Steuergeräten, Türgriffen, LED-Tagfahrlicht-Systemen oder Gangwahlschaltern für Automatikgetriebe. Flexible Leiterplatten eignen sich bevorzugt für Anwendungen, die hohen thermischen oder mechanischen Belastungen ausgesetzt sind, und können dort konventionelle Leiterplatten oder Drahtverbindungen ersetzen.

Einen Audio-Verstärker für den Einsatz in Instrumentenkombis stellte National Semiconductor vor. Der LM-48100Q leistet 1,25 W und eignet sich speziell für akustische Warnungen, etwa bei Fahrerassistenzsystemen. Der Baustein zeichnet sich durch eine integrierte Fehlererkennung aus; er zeigt die Fehlerfälle open circuit, short circuit, short-to-power und short-toground. Die Fehlerart wird über eine I2C-Schnittstelle ausgegeben. Zudem stellte National das „Webench Design Tool“ vor, mit dem online Spannungsversorgungssysteme entwickelt, simuliert und auch hinsichtlich der Gesamtkosten abgeschätzt werden können.

Das für das nächste Jahr im Insignia angekündigte „Opel Eye“ war auf dem Stand von Hella zu sehen. Zwei Prozessoren filtern und bewerten dabei pro Sekunde 30 Bilder, die von einer Kamera hinter der Windschutzscheibe aufgenommen werden. Die damit implementierte Verkehrszeichenerkennung soll auch in Baustellen funktionieren und wird in Verbindung mit der Hella-Fahrspurverlassenswarnung angeboten.

Mit dem OV7710 stellte OmniVision einen CMOS-Sensor in VGA-Auflösung für bis zu 30 Bilder pro Sekunde vor. „Der OV7710 eignet sich gleichermaßen für Tag- und Nachtanwendungen“, sagt Inayat Khajasha, Senior Product Marketing Manager bei Omni-Vision. Zudem gab es einen Ausblick auf den OV10620, der im Frühjahr 2009 erscheinen soll und über eine deutlich vergrößerte Eingangsdynamik verfügen wird. Speziell unter schwierigen Lichtbedingungen, etwa nachts bei beleuchteten Straßen, soll ein besseres Bild ermöglicht werden. sj