Kommentar Bringt das E-Bike noch die Wende?

Jens Würtenberg, Elektronik
Jens Würtenberg, Elektronik

Als die Grünen 1998 forderten, den Preis für den Liter Benzin binnen zehn Jahren durch steuerliche Maßnahmen auf fünf Mark anzuheben, da waren sich die übrigen Parteien einig, dass die Ökopartei damit „ihr politisches Harakiri riskiert“ und warfen den Mitgliedern „ideologische Verblendung“ vor.

Nur wenige Jahre nach dem Zieltermin ist der Preis an der Zapfsäule von 1,53 DM auf 1,69 Euro gestiegen. Die Hauptursache dafür aber sind nicht nur die steigenden Steuern, sondern dass der Preis für das Barrel Rohöl in diesem Zeitraum um den Faktor 7 gestiegen ist.

Das könnte auch ein Hinweis darauf sein, dass der sogenannte Förderpeak, das ist das Maximum der globalen Fördermenge, nicht mehr weit entfernt ist. Schon heute steigen die Kosten für die Erschließung neuer Quellen und die Förderung des schwarzen Goldes. Und es kann als gesichert gelten, dass die Nachfrage nach Rohöl nicht sinken wird. Für die BRIC-Staaten etwa wird mit einem erheblichen Zuwachs des automobilen Verkehrs gerechnet. Die Ressourcen werden knapp.

Um die Abhängigkeit von Wirtschaft und Gesellschaft vom Erdöl zu reduzieren, initiierte die Bundesregierung im Jahr 2010 die „Elektromobilitätsoffensive“. Das Ziel von einer Million Elektroautos bis 2020 wurde mit der Gründung der „Nationalen Plattform Elektromobilität“ (NPE) verkündet.

Wie schwierig der Weg dahin werden könnte, zeigt, dass General Motors die Produktion des Elektroautos Volt wegen zu geringer Nachfrage unterbricht. Von den 45.000 Fahrzeugen, die GM in diesem Jahr in den USA absetzen wollte, wurden bis Ende Juli nur etwas mehr als 10.000 verkauft. Der nahezu baugleiche Opel Ampera ist  nicht betroffen, aber das Verkaufsziel für Deutschland liegt in diesem Jahr bei lediglich 2.500 Fahrzeugen.

Das Beispiel des Elektrofahrrads macht die Erfolgsfaktoren deutlich: Das Leistungsgewicht der Akkumulatoren reicht aus, die Geschwindigkeit deutlich zu steigern und den Aktionsradius zu erweitern. Es überrascht daher nicht, dass in Deutschland 2010 rund 200.000 dieser Fahrräder verkauft wurden, 2011 waren es 310.000, für 2012 rechnet der Zweirad-Industrie-Verband (ZVI) mit einem Absatz von 400.000 Stück. Mit wachsender Verbreitung der Elektrobikes wird sich die Infrastruktur entwickeln: Ladestationen werden eingerichtet, die Akkus durch die Massenproduktion günstiger und u.U. auch leistungsfähiger.

Historisch gesehen war das Fahrrad der Vorläufer für das Automobil. Im Bericht des Deutschen Museums zum Motorwagen von Carl Benz kann man es nachlesen: „Viele Teile seines ersten Motorwagens kannte man aus der Fahrradfertigung: die Räder, die Vollgummireifen, die Speichen, die Lager, die Vorderradgabel und sogar die Rahmenrohre.“ Vielleicht bereitet 125  Jahre später das Zweirad erneut den Weg für das Automobil, diesmal in seiner elektromobilen Form.