Radarsystem für Heckanwendungen Bosch erhöht Sicherheit beim Spurwechsel und Ausparken

2014 will Automobilzulieferer Bosch ein neues Radarsystem für Heckanwendungen auf Basis des 77 Gigahertz-Frequenzbandes auf den Markt bringen. Der entsprechende Mid-Range-Radarsensor MRR rear kann Fahrzeuge im toten Winkel sowie sich von hinten nähernde Autos präzise orten.

Mit einer bis zu dreifach höheren Objekttrennung und bis zu fünfmal genaueren Geschwindigkeits- und Abstandsmessung misst der Sensor im Vergleich zu 24-Gigahertz-Lösungen deutlich genauer. „Mit bis zu 100 Metern Reichweite und bis zu 150 Grad Öffnungswinkel kann der Sensor Gefahrensituationen im rückwärtigen Bereich des Fahrzeugs frühzeitig erkennen“, betont Gerhard Steiger, Vorsitzender des Bosch-Geschäftsbereichs Chassis Systems Control.

Zwei Sensoren, die jeweils links und rechts verdeckt im hinteren Stoßfänger des Fahrzeugs angebracht sind, überwachen den Raum neben und hinter dem Fahrzeug. Befindet sich ein anderes Auto im toten Winkel oder nähert sich schnell von hinten, kann der Spurwechselassistent rechtzeitig den Fahrer warnen. Ebenfalls sicherer wird das Rückwärtsausparken:  selbst wenn dem Fahrer die Sicht durch Hindernisse versperrt ist, meldet der MRR rear entsprechenden Querverkehr.

Technische Voraussetzungen für den MRR rear schafft ein sogenannter bistatischer Dauerstrichradar mit Frequenzmodulation (FMCW) und vier Empfangskanälen. Seine im Vergleich zu einem herkömmlichen 24-Gigaherz-System höhere Arbeitsfrequenz, seine größere Modulationsbandbreite und die vier Empfangskanäle verbessern die Qualität der kontinuierlichen Ortung. Relative Geschwindigkeit und Entfernung eines anderen Fahrzeugs werden mittels des Dopplereffekts – also der Frequenzverschiebung zwischen gesendetem und reflektiertem Signal – und mit Hilfe der Laufzeitdifferenz gemessen. Die aktuelle Position des Fahrzeugs lässt sich aus dem Vergleich der an den vier unterschiedlich positionierten Empfangsantennen gemessenen reflektierten Signale ermitteln.

Für die integrierten Hochfrequenz-Schaltkreise komm Silizium-Germanium-Technologie ohne bewegliche Teile zum Einsatz. Aufgrund des kompakten Aufbaus mit platzsparenden Planarantennen lässt sich das System leicht in die Karosserie integrieren und zum Beispiel verdeckt hinter dem Stoßfänger einbauen.

Eine Reichweite von bis zu 160 m bei einem Öffnungswinkel bis zu 45 ° hat die parallel entwickelte Frontversion des MRR. Bereits mit einem einzelnen Sensor kann beispielsweise ein vorausschauendes Notbremssystem gemeinsam mit dem ESP Maßnahmen einleiten, um einen drohenden Unfall zu vermeiden oder seine Folgen abzumildern. Auch für den adaptiven Tempomaten ACC lassen sich die Daten nutzen. Die Funktion hält einen festgelegten Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug durch automatisches Abbremsen oder Beschleunigen ein und kann dem Fahrer den Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug anzeigen.