Autoindustrie: Der lange Marsch nach Indien und China

In ihrer neuen Automotive-Studie beobachten die Forscher der Boston Consulting Group, dass Automobilhersteller und Zulieferer auf das halsbrecherische Wachstum der asiatischen Märkte nicht entschlossen und effektiv genug reagieren.

Für die Untersuchung »Winning The Localization Game. How Multinational Automotive OEMs and Suppliers Are Realizing the Strategic Potential of China and India« befragte die Boston Consulting Group (BCG) 13 Automobilhersteller und 30 Zulieferer zu Forschung, Einkauf, Produktion und Vertrieb in China und Indien. Die Ergebnisse legen nahe, dass die Autoindustrie bei ihren Bemühungen, sich auf den dortigen Märkten gewinnbringend zu etablieren, einen Gang höher schalten muss. 

Nach Einschätzung der Autoren Nikolaus S. Lang, Bernd O. Loeser und Christoph Nettesheim haben sich die großen Autohersteller Europas, Japans und der USA in letzter Zeit zwar allesamt auf den Weg nach Fernost gemacht, doch ist es zweifelhaft, ob sie auch angekommen sind. Zu halbherzig und unzulänglich nutzen die Firmen die dortigen Kostenvorteile, Ressourcen und Absatzmöglichkeiten. So ist etwa das lokale Einkaufsvolumen gering, und produziert wird oft so teuer wie daheim.

»Westliche Automobilhersteller sind in China und Indien sehr aktiv. Doch die echte Vernetzung mit dem lokalen Umfeld ist ein langwieriger Prozess«, sagt Nikolaus Lang. »Auf der nächsten Stufe ihrer Internationalisierung müssen Hersteller und Zulieferer die lokal verfügbaren Fähigkeiten und Ressourcen stärker nutzen. Erfolgreiche Globalisierung heißt Lokalisierung.«  Erforderlich sei es daher, verstärkt lokale Ingenieure einzusetzen und die Zusammenarbeit mit asiatischen Zulieferern zu verbessern. Weiter plädieren die Autoren für mehr Handarbeit anstelle von Robotern in den Fabriken sowie für lokal angepasste Kleinwagen anstelle westlicher Standardmodelle.

Den BCG-Analysen zufolge ist die westliche Automobilindustrie im größeren und reiferen Markt China besser etabliert als in Indien, wobei Zulieferer einen Vorsprung haben und stärker als OEMs mit lokalen Unternehmen kooperieren.