Studie bestätigt Autofahrer sagen »Ja« zu digitalen Rückspiegeln

Testfahrt: Durch Umklappen wird ganz einfach zwischen dem »normalen« Rückspiegel und dem digitalen Display umgeschaltet.
Testfahrt: Durch Umklappen wird ganz einfach zwischen dem »normalen« Rückspiegel und dem digitalen Display umgeschaltet.

Einige Automobilhersteller ersetzen bereits herkömmliche Rückspiegel durch kamerabasierte Displays. Damit sollen die Sicht verbessert und die Sicherheit erhöht werden – doch was sagen die Endkunden dazu? Eine Studie von Gentex hat sich damit auseinandergesetzt.

Gentex, US-amerikanischer Hersteller von elektrooptischen Systemen, hat eine Fahrer-Akzeptanz-Studie zur Kundenzufriedenheit von digitalen Rückspiegeln veröffentlicht. Durchgeführt wurde die Studie vom Forschungslabor »Adrive living lab« der Hochschule Kempten und dem Unternehmen »Mdynamix«. Am 18.06.2019 wurden die Ergebnisse der Öffentlichkeit präsentiert. Dazu luden die Studienpartner ins Hochschulzentrum Vöhlinschloss nach Illertissen ein.

Hybridsystem vereint zwei Anwendungen

Für die Studie wurde der Full Display Mirror (FDM) von Gentex verwendet, den einige Automobilhersteller bereits in verschiedenen Modellen einbauen. Als Hybridsystem vereint er einen herkömmlichen abblendbaren Rückspiegel mit einem kamerabasierten System mit dem Spiegel als Display. Über einen Hebel kann der Fahrer ganz einfach zwischen beiden Funktionen wählen. Das Bild wird über Kameras auf dem Autodach und in den Außenspiegeln auf das Display übertragen.

Per Tastendruck werden verschiedene Modi ausgewählt, zum Beispiel die komplette Rückansicht oder eine dreigeteilte Ansicht mit Rückansicht und beiden Außenspiegeln. Eine Sicht ist besonders für Autobahnfahrten von Vorteil: Nähert sich ein Fahrzeug von hinten, wird eine Warnung auf dem Display angezeigt. Je nach Fahrverhältnissen, entscheidet der Fahrer selbst, welche Funktionen und Ansichten er wählt.

Ergebnis der Studie

Seda Aydoglu von Mdynamix präsentierte dem anwesenden Fachpublikum die Ergebnisse der Fahrer-Akzeptanzstudie. Insgesamt nahmen 70 Probanden teil und absolvierten dabei über 50 Stunden und knapp 3.500 km Fahrleistung in zwei Audi A6 mit dem FDM – das alles zu unterschiedlichen Tages- und Nachtzeiten und auf unterschiedlichen Straßen. Zusätzlich führte das Team 330 Online-Befragungen durch.

Als besonders positiv werteten die Probanden das erweiterte Sichtfeld. 95 Prozent der Teilnehmer nahmen das als Erleichterung wahr und gewöhnten sich sehr schnell an die Sicht nach hinten durch den FDM. Auch die Reduzierung des toten Winkels wurde als sehr positiv wahrgenommen. Des Weiteren funktionierte die Fokussierung gut: 75 Prozent gaben an, keine Probleme mit dem Fokus zu haben, 15 Prozent nur manchmal und 10 Prozent hatten Probleme dabei. Ein kleines Minus gaben die Probanden der Informationsflut, die oft als zu hoch empfunden wurde.

Insgesamt als positiv empfanden die Testteilnehmer das erweitert Sichtfeld, das Display, die einfache Bedienung und das erhöhte Sicherheitsgefühl. Als eher negativ empfunden wurden der Wettereinfluss, das Parken und die richtige Einschätzung von Proportionen.

Herausforderungen für Entwickler

Jedoch gibt es für die Entwickler noch einige Herausforderungen zu bewältigen. Zum Beispiel befürchtet fast die Hälfte der Teilnehmer, dass bei Regen oder tiefstehender Sonne die Sicht eingeschränkt ist. Außerdem gibt es noch Probleme mit den Displays. Sie geben ein zweidimensionales Bild wieder, was die Entfernung verzerrt. Auch ermüden die Augen beim Betrachten eines Displays wesentlich schneller als beim Blick in einen herkömmlichen Spiegel.

»Wir schätzen, dass zwischen 10 und 15 Prozent der Autofahrer digitale Spiegelsysteme ablehnen«, sagt Brad Bosma, Vice President für digitale Spiegelsysteme bei Gentex. Die Herausforderung für die Automobilindustrie ist, Kamera-Monitoring-Systeme im Fahrzeug zu verbauen und gleichzeitig die Endkunden dafür zu gewinnen

Die Studie zeigt also: Die derzeit angebotene Hybridlösung wird von den Kunden akzeptiert und als positiv eingeschätzt. Wenn die Entwickler die anstehenden Herausforderungen bewältigen, werden mehr und mehr Automobilhersteller dem Kundenwunsch nachkommen und FDMs in ihren Modellen verbauen.