Mehr Sicherheit durch Augmented Reality Virtuelle Fahrversuche

Durch das virtuelle Testen reduziert sich der Zeit- und Kostenaufwand erheblich.

Eine wachsende Zahl an Fahrerassistenzsystemen und immer anspruchsvollere Euro-NCAP-Vorgaben verstärken den Testaufwand enorm. Virtuelle Fahrversuche bieten hier Entlastung - vor allem das Vehicle-in-the-Loop-Verfahren.

Autonomes Fahren ist das große Ziel, das die Entwicklung etlicher Neuheiten im Automobilbereich vorantreibt. Laut Automobilherstellern und -zulieferern ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis autonomes Fahren möglich sein wird. Prognosen bei mehreren Automobilherstellern und -zulieferern sehen hochautomatisierte Fahrzeuge bereits in naher Zukunft auf den Straßen. So formuliert etwa Dr. Volkmar Denner, Vorsitzender der Bosch-Geschäftsführung, bereits sehr konkret: „Spätestens 2020 ist das hochautomatisierte Fahren serienreif“ [1]; auch auf der Roadmap von Continental ist als Ziel das Jahr 2020 zu lesen [2].

Aber schon heute nimmt die Anzahl der in Fahrzeugen verbauten Fahrerassistenzsysteme (FAS) stetig zu. Mehr FAS in einem Fahrzeug bedeuten, dass neben der Komplexität der einzelnen Systeme auch die Vernetzung zwischen den verschiedenen Systemen steigt. So greifen Notbremsassistenten oder ACC aktiv in den Bremsvorgang ein, Spurhalte- und Einparkassistenten übernehmen kurzzeitig die Querführung.

Zahlreiche Testvorgaben

Damit die Funktionsweise all dieser verschiedenen Systeme gewährleistet ist, ist ein erheblicher Testaufwand notwendig. Die Systeme müssen einzeln, aber auch im Gesamtfahrzeugkontext funktionieren. Zusätzlich zu den technischen Vorgaben kommen auch noch länderspezifische Gesetze sowie Kriterien von Testorganisationen, die während des Entwicklungsprozesses zu berücksichtigen sind, hinzu.

Ein zusätzlicher Aspekt, der den Testumfang in die Höhe treibt, sind beispielsweise die Vorgaben der Organisation Euro NCAP (European New Car Assessment Programme, [3]). Die Euro-NCAP-Vorgaben werden gerade in Sicherheitsfragen ständig angepasst und ergänzt. So ist ab 2016 die Höchstpunktzahl der Sterne nur noch erreichbar, wenn ein Fahrzeug über einen Notbremsassistenten verfügt, der verletzliche Verkehrsteilnehmer wie Fußgänger und Radfahrer – AEB Pedestrian bzw. AEB VRU (Vulnerable Road Users) – erkennt und rechtzeitig den Bremsvorgang einleitet. Dieses Szenario ist gleichzeitig ein gutes Beispiel für die enorme Komplexität der Testszenarien. Es wird nicht mehr wie bei herkömmlichen Systemen, z.B. ESP, nur das zu testende Fahrzeug benötigt. Darüber hinaus sind weitere Verkehrsteilnehmer, Hindernisse und verschiedenste Testfälle (beispielsweise etliche Varianten an Kreuzungssituationen, Einparkszenarien oder Notbremsanlässen) zu berücksichtigen. Im realen Fahrversuch ist dies aus Zeit- und Kostengründen nicht mehr durchführbar, weswegen sich der virtuelle Fahrversuch als geeignetes Mittel für den Fahrzeugentwicklungsprozess etabliert hat.