Tuner im Fahrzeug auf DVB-T2 umstellen TV-Empfang in HD-Qualität

Umstellung auf digitalen Empfang im Auto
Bessere Bildqualität mit DVB-T2.

Die nächste Generation des digitalen Antennen-Fernsehens steht in den Startlöchern. Auch im Auto ist dann der Empfang von TV-Bildern in bester HD-Qualität möglich. Bei der Umstellung auf DVB-T2 ist allerdings einiges zu beachten.

Wenn am 10. Juni in Paris der Anpfiff zur Fußball-EM ertönt, können einige Zuschauer in Deutschland dies bereits mit der nächsten Generation des digitalen Antennenfernsehens, kurz: DVB-T2, verfolgen. Erwarten dürfen die Zuschauer eine verbesserte Bild- und Tonqualität gegenüber dem aktuellen Standard DVB-T. Ende Mai startet die Einführungsphase von DVB-T2 mit einem Pilot-Kanal. DVB-T2 bietet in Deutschland mit einer Datenübertragungsrate von 27 Mbit/s gegenüber 13 Mbit/s bei DVB-T eine deutlich effizientere Ausnutzung des Frequenzspektrums bei gleicher Bandbreite (Tabelle).

Gleichzeitig erfolgt mit der Einführung von DVB-T2 hierzulande die Umstellung auf den neuen Video-Codec HEVC (H.265) und die Ausstrahlung von HDTV im Format 1080p. Damit zeigt das terrestrische Antennenfernsehen in Deutschland dann eine höhere Bildqualität als die beiden Übertragungswege Kabel (DVB-C) und Satellit (DVB-S/S2), die HDTV schon seit Längerem ausstrahlen, und ermöglicht darüber hinaus auch den mobilen Empfang, z.B. im Fahrzeug. Im Fall der EM kommen jedoch nur ausgewiesene Metropolregionen wie etwa München, Berlin und Köln in den Genuss des DVB-T2-Pilot-Kanals. Dieser wird neben den öffentlich-rechtlichen auch private Programme umfassen, stellt aber nur die erste Phase der DVB-T2-Einführung dar: Im ersten Quartal 2017 ist in den Ballungszentren die Umstellung aller Programme von DVB-T auf DVB-T2 geplant. Bis 2019 sollen dann die komplette Umstellung und der weitgehende Flächenausbau erreicht sein. Details zur geplanten Einführung von DVB-T2 finden sich unter www.dvb-t2hd.de. Spätestens in drei Jahren zeigt also jeder ältere DVB-T-Empfänger nur noch ein schwarzes Bild. Für den Endverbraucher in den eigenen vier Wänden mag das mehr als genug Zeit für eine Umstellung sein – ganz anders sieht es in der Automobilindustrie aus. Hier sind die Produktlebenszyklen und Entwicklungszeiträume deutlich länger. Automobilhersteller müssen bei der Erstausstattung ihrer Neufahrzeuge rechtzeitig entscheiden, wie mit der bevorstehenden Umstellung von DVB-T auf DVB-T2 umgegangen werden soll. Daher startete Hirschmann Car Communication bereits 2012 mit der Entwicklung eines entsprechenden Empfängers. Dieser ist als Erstausrüstung vollständig in das Infotainment-System des Fahrzeuges integriert. Die Senderauswahl oder das Anzeigen von Programminformationen (EPG) ähneln dabei grundsätzlich der Bedienung von Set-Top-Boxen im heimischen Wohnzimmer. Um guten Empfang auch bei hohen Geschwindigkeiten zu ermöglichen, verfügen die Systeme über bis zu vier Antennen, mit deren Hilfe ein Diversity-Empfang realisiert wird.

Effizientere Technologien gefordert

Die Umstellung auf DVB-T2 ist aus mehreren Gründen notwendig. Einerseits werden über die Mobilfunknetze immer mehr Daten übertragen, sodass die bestehenden Netze aufgrund begrenzter Frequenzbereiche an ihre Grenzen stoßen und ausgebaut werden müssen. Im Rahmen der Digitalen Dividende I (Bild 1) wurde 2010 der Frequenzbereich von 790 MHz bis 862 MHz, der bis dato für die TV-Ausstrahlung verwendet wurde, dem Mobilfunk zugeschlagen. Dieser Bereich wird seither für die Übertragung von LTE-Signalen genutzt. Im Zuge der Digitalen Dividende II wurde auch das 700-MHz-Band von TV auf Mobilfunk umgewidmet. Damit steht der terrestrischen TV-Übertragung nur noch ein reduziertes Frequenzspektrum zur Verfügung. Um dennoch möglichst viele Daten (= TV-Programme) übertragen zu können, sind effizientere Technologien gefordert. Diese sind mit DVB-T2 in Verbindung mit HEVC gegeben.

Andererseits waren in Deutschland über DVB-T keine HD-Inhalte verfügbar, an die die Zuschauer jedoch mittlerweile gewöhnt sind. Entsprechend sind sie vom Fernsehempfang per Antenne enttäuscht, insbesondere bei einer Darstellung auf größeren Flachbildschirmen. Weiterhin erwartet man von DVB-T2 eine noch weiter reichende Abdeckung und damit mehr Konsumenten. Durch die Möglichkeit der Verschlüsselung erhoffen sich auch die privaten Betreiber ein attraktiveres Geschäftsmodell und sind eher geneigt, in die Umstellung zu investieren. Der DVB-T2-Empfang im Fahrzeug ist technisch anspruchsvoller als für den heimischen, stationären Receiver: Die ständige Bewegung des Fahrzeugs mit verschiedenen Geschwindigkeiten (Doppler-Effekt), die Überlagerung mehrerer TV-Signale infolge von Reflexion an Gebäuden (Mehrwegempfang) oder unterschiedliche Signalstärken stellen eine permanente Herausforderung für den robusten Empfang dar. Zudem müssen die eingesetzten Halbleiterbausteine den automobilen Umweltanforderungen standhalten. Und zu guter Letzt muss noch ein zugänglicher CI+-Kartenleser im Fahrzeug untergebracht werden, um verschlüsselte Inhalte wiedergeben zu können.