Bekämpfung von Tachomanipulationen AvD fordert »CarPass« für Deutschland

Der Tachostand eines Fahrzeuges kann mit entsprechenden Geräten manipuliert werden.
Der Tachostand eines Fahrzeugs kann mit entsprechenden Geräten manipuliert werden.

Das EU Parlament hat die EU Kommission aufgefordert, Rechtsvorschriften zur Bekämpfung der Manipulation von Tachometern vorzulegen. Der Automobilclub von Deutschland e.V. (AvD) unterstützt seit vielen Jahren die »Initiative gegen Tachomanipulation« und fordert die Einführung des »CarPass«-Systems.

Die Abgeordneten des EU Parlamentes haben per Beschluss die EU Kommission aufgefordert, binnen Jahresfrist Rechtsvorschriften zur Bekämpfung der Manipulation von Tachometern beim Verkauf von Kraftfahrzeugen vorzulegen. Der Berichterstatter des EU Parlaments, der Abgeordnete Ismail Ertug, nennt 5 bis 12 Prozent manipulierter Kilometerstände der innerhalb der EU verkauften Gebrauchtwagen. Bei grenzüberschreitenden Verkäufen soll demnach der Anteil sogar auf 30 bis 50 Prozent steigen.

Der AvD unterstützt die Initiative zum Erlass solcher verbraucherschützenden Vorschriften. Als Mitglied der »Initiative gegen Tachomanipulation« engagiert sich der Automobilclub bereits seit vielen Jahren gegen solche Manipulationen und fordert die Etablierung eines »CarPass«-Systems auf elektronischer Basis für Deutschland.

Vorbild Belgien

In Belgien ist ein vergleichbares System mit Meldepflichten an die Behörden bereits etabliert. Durch eine grenzüberschreitende Zusammenarbeit von Belgien und den Niederlanden gelang es, das Vertrauen bei Transaktionen von Automobilen im Markt spürbar zu erhöhen. Laut EU Parlament konnte das Problem der Tachomanipulation in den beiden Ländern »dadurch dort beinahe ausgerottet« werden. Das gezielte Vorgehen gegen den Betrug bewirkt gemäß der EU Untersuchung auch deutlich höhere Verkaufspreise. Die EU Abgeordneten fordern, die Stände der Kilometerzähler obligatorisch bei jeder durchgeführten Inspektion, Instandhaltung, Wartung und Reparatur und von anderen Werkstattbesuchen zu erfassen – ab Erstzulassung des Fahrzeugs.

Unabhängiges Treuhandsystem

Auf Basis der Erkenntnisse wollen AvD und »Initiative gegen Tachomanipulation« das »CarPass«-System auch in Deutschland verbindlich einführen. Eine Plausibilisierung beziehungsweise Zertifizierung kann ausschließlich durch die Zusammenführung von Daten aus den genannten Quellen »treuhänderisch« erreicht werden. Etabliert wird das System als unabhängige Instanz, mit deren Hilfe die Grundlage für einen sicheren Umgang mit den Fahrzeugdaten unter der Kontrolle des Fahrzeugnutzers gelegt wird. Mittels einer Datenplattform mit Blockchain-Technik wird der Datenaustausch zwar einfach gestaltet, aber nach höchsten Sicherheitsstandards für jedes Fahrzeug vorgenommen. Die zugrundeliegenden Daten sollen ausschließlich auf sicherheitszertifizierten Servern verarbeitet und gesichert werden.

Autofahrer bleibt »Herr seiner Daten«

Der AvD tritt dafür ein, dass Halter und Nutzer von Kraftfahrzeugen »Herr ihrer Daten« bleiben müssen. Die Initiative gegen Tachomanipulation und der AvD unterstützen die Kampagne der Fédération Internationale de l'Automobile (FIA) »My Car My Data«. Sie soll für den Schutz von Fahrzeugdaten sensibilisieren, zu entsprechenden gesetzgeberischen Maßnahmen und für faire Bedingungen bei Dienstleistungen mit vernetzten Fahrzeugen aufrufen. Die zentrale Herausforderung besteht darin, dem Verbraucher beziehungsweise Fahrzeughalter sowie der Akteure im Automotive Aftermarket durch »CarPass« Vertrauen für die Nutzung solcher Dienste zu vermitteln und zu bilden. Der AvD setzt sich für einen unabhängigen und sicheren Zugang zu Fahrzeugdaten ein, damit Betrug unterbunden wird und seriöse Drittanbieter ihre Dienste etablieren können.