Ford-Studie zu Reichweitensteigerung Wenn das Auto rot sieht

Unterschiedliche Farben bringen unser Gehirn dazu, zu glauben, es sei heißer oder kühler als es wirklich ist.
Unterschiedliche Farben bringen unser Gehirn dazu, zu glauben, es sei heißer oder kühler als es tatsächlich ist.

Experten behaupten, dass die Wahl der Farbe unsere Stimmung, unsere Reaktionen und sogar unsere Sympathie für Social Media beeinflussen kann. Jetzt untersucht Ford, wie die Anpassung der richtigen Farbe an verschiedene Fahrsituationen die Reichweite von Elektrofahrzeugen erhöhen könnte.

Der neue batterieelektrische Kleinbus »Transit Smart Energy Concept« nutzt die Umgebungsbeleuchtung, damit sich die Fahrgäste wärmer (mit roten Lichtern) oder kühler (mit blauen Lichtern) fühlen. So wird das Klimatisierungssystem entlastet, so dass die eingesparte Energie für weitere Kilometer genutzt werden kann.

Die gefühlte Temperatur ist entscheidend

Untersuchungen des National Renewable Energy Laboratory in den USA zeigen, dass der Einsatz des Klimasteuerungssystems in einem batteriebetriebenen Elektrofahrzeug die Reichweite um bis zu 50 Prozent reduzieren kann. Fahrzeuge mit größeren Kabinen, wie Kleinbusse, benötigen mehr Energie, um die Innentemperatur aufrechtzuerhalten.

»Der Umgang mit Farbe kann die Stimmung in vielerlei Hinsicht verändern. Hier geht es einfach darum, rote Umgebungsbeleuchtung im Auto zu verwenden, damit sich die Menschen wärmer fühlen und blaue Umgebungsbeleuchtung, damit sie sich kühler fühlen. Die Entlastung der Klimaanlage könnte einen wesentlichen Beitrag zur Erweiterung der Fahrzeugreichweite leisten«, sagt Lioba Müller, Lichttechnikerin, Fahrzeugarchitektur, Ford of Europe.

Ford testete sein neues 10-Sitzer-Konzept in der Weather Factory, dem Ford Environmental Test Centre in Köln, Deutschland. Um den Temperaturstatus aller Fahrgastsitze von einer Mittelkonsole aus überwachen zu können, wurden die Fahrgäste einem simulierten Wintertag von 0° C und einem Sommertag von 30° C ausgesetzt und gebeten, ihren Komfort nach dem Gefühl von zu heiß oder zu kalt zu bewerten. In beiden Fällen führte die Umgebungsbeleuchtung zu einer Reduzierung des Stromverbrauchs des Klimasystems: um 3,3 Prozent für die Kühlung und 2,5 Prozent für das Heizen.

Damit Wärme nicht verloren geht

Das Transit Smart Energy Concept verfügt über einige Möglichkeiten zur Optimierung des Energieverbrauchs und zur Reduzierung von Wärmeverlusten:

  • Sechs auf dem Dach montierte Solarmodule, die eine 12-Volt-Batterie zur Versorgung von Sitzheizung, Kabinenbeleuchtung und Bordnetz laden.
  • Ein Wärmerückgewinnungssystem, das die Abwärme der Antriebsstrangkomponenten, der Außenluft und der Kabinenluft nutzt, um die Reichweite um 20 Prozent zu erweitern.
  • Belüftete Doppelglasfenster, die kalte Kontaktflächen reduzieren und gegen Wärmeverluste isolieren.
  • Isolierter Heckboden und -dach, die den Wärmeverlust in der Kabine weiter reduzieren.
  • Eine elektrische Schiebetür, die sich auf halbem Weg öffnet, um Wärmeverluste zu reduzieren. Das Gebläse für Heizung, Lüftung und Klima wird bei geöffneter Tür automatisch abgeschaltet.
  • Eine Polycarbonat-Trennwand zwischen der Fahrgasttür und dem Sitzbereich, die den Wärmeverlust beim Ein- und Aussteigen weiter reduziert und die Fahrgäste vor äußeren Elementen schützt.
  • Das Fahrzeug verfügt außerdem über Heizpaneele und Sitzheizung, die es jedem Fahrgast ermöglichen, die Temperatur seines eigenen Bereichs zu regeln.

Zukünftige Versionen sind geplant, um es dem Fahrer zu ermöglichen, die Heizung und Kühlung einzelner Sitze zu steuern - und die Deaktivierung nicht belegter Sitze, die durch die automatische Fahrgasterkennung ermöglicht wird, inspiriert von den bestehenden Airbagauslösetechnologien. Ford geht davon aus, dass mit dem Transit Smart Energy Concept noch in diesem Jahr erste Fahrversuche beginnen werden.

Elektrifizierte Vans

Das Forschungsprojekt ist Teil des Engagements von Ford, für jedes Fahrzeug eine elektrifizierte Option anzubieten. Ford hat angekündigt, eine vollelektrische Version seines Transit-Vans für Europa zu entwickeln, die 2021 in Serie gehen soll, während das Unternehmen als erster Hersteller mit dem neuen Transit Custom Plug-In Hybrid die Plug-in-Hybridtechnologie für emissionsfreies Fahren im 1-Tonnen-Vanssegment anbieten will.

Transit bildet bereits die Basis für den Elektrobus »Deutsche Post StreetScooter WORK XL«, der in der europäischen Zentrale von Ford in Köln produziert wird. Ford testet auch Transit Custom Plug-In Hybrid Vans in London, Köln und Valencia, Spanien, um die realen Vorteile solcher Hybrid-Elektrofahrzeuge vor ihrer Markteinführung Ende 2019 besser zu analysieren.