Dekra Unfallforschung Was tun, wenn ein Elektroauto brennt?

Verzwickt: Da die die Batterie besonders gut geschützt ist, kommt die Feuerwehr im Brandfall nur schwer an sie ran.
Verzwickt: Da die die Elektro-Batterie besonders gut geschützt ist, kommt die Feuerwehr im Brandfall nur schwer an sie ran.

Je mehr Elektro- und Hybridfahrzeuge unterwegs sind, desto höher ist auch die Unfallwahrscheinlichkeit. Brennende Elektroautos sind eine Herausforderung für Feuerwehren, insbesondere deren Li-Ionen-Akkus. Die Dekra hat einen Leitfaden für mögliche Gefahren und sichere Löschverfahren veröffentlicht.

Grundsätzlich stellt die Dekra fest, dass die Brandbekämpfung für Elektroautos sich zunächst nicht vom Löschen normaler Autos unterscheidet. Dennoch haben Litium-Ionen-Akkus im Falle eines Brandes wichtige Besonderheiten, welche die Feuerwehr beachten sollte.

Lithium-Ionen-Akkus werden als Batterien im 12- bis 48-Volt-Bordnetz eingesetzt und sind in der Regel in einem stabilen, weitgehend wasserdichten Gehäuse eingebaut, welches meist geschützt im Unterboden integriert ist. Löschwasser erreicht den Akku nur sehr schwer. Auch eine externe Kühlung ist kaum wirksam, da die Zellen zum Außengehäuse thermisch isoliert sind. Das Löschen dauert so länger und verbraucht mehr Wasser – die ebenfalls Verwendung findenden Nickel-Metallhydrid-Akkus lassen sich deutlich leichter und mit weniger Aufwand löschen. Die Dekra rät den Feuerwehren in allen Fällen das Innere der Batterie löschen, Löschmittelzusätze sind nicht erforderlich, Wasser genügt. Ebenso wie bei anderen Bränden werden allerdings in großen Mengen Atemgifte und gesundheitsschädlicher Rauch und Ruß freigesetzt.

Wie brennt ein Lithium-Ionen-Akku?

Das Feuer breitet sich während eines Brandes von Zelle zu Zelle aus, verbunden mit wechselnden hellgrauen bis tiefschwarzen Rauchwolken. Dabei handelt es sich um Elektrolyt und Graphit. Das verdampfende, brennbare Elektrolyt führt zu Stichflammen. Durch Kurzschlüsse können auch glühende Metallteile und andere brennende Batterieteile ausgestoßen werden. Aufgrund der hohen Temperaturen werden im Verlauf des Brandes wahrscheinlich Löcher in das Batteriegehäuse gebrannt. Diese Löcher und Druckentlastungsöffnungen können der Feuerwehr dann helfen, besser Wasser in das Innere der Akkus zu bringen. Der Brandverlauf ist oft nicht zuverlässig vorhersehbar.

Wie erkennt die Feuerwehr Elektroautos?

Die Dekra bestätigt, dass ein E-Auto von Außen rein optisch nicht von einem normalen Verbrenner unterschieden werden kann. Die Abfrage des Fahrzeugkennzeichens über die zuständige Leitstelle gibt eine eindeutige Antwort zur Antriebsart und der passenden Rettung. Der Fahrer kann gefragt werden, außerdem sollte nach Aufschriften am Auto sowie orangen Kabelverbindungen, Ladeanschlüssen und nach fehlenden Abgasanlagen gesucht werden. Das E-Kennzeichen allein ist leider kein sicherer Hinweis, da auch Fahrzeuge ohne dieses über einen Hybrid- oder Elektroantrieb verfügen und mit einer oder mehreren Hochvoltbatterien ausgestattet sein können.

Bekämpfung von Fahrzeugbränden

Grundsätzlich gelten für Feuerwehr bei Elektroautos dieselben Löschgrundsätze wie für alle Fahrzeuge: Schutzausrüstung, gegen Wegrollen sichern, das Löschen aus großer Entfernung starten und mit umherfliegenden Teilen rechnen. Zusätzlich müssen bei Elektro- und Hybridautos aber die Sicherhheitsabstände für elektrische Anlagen eingehalten werden, 1 m bei Sprühstrahl und 5 m bei Vollstrahl. Sofern das Auto noch mit dem Ladekabel verbunden sein sollte, muss dieses – gegebenfalls auch gewaltsam – getrennt werden.

Brennende Auto-Akkus wie erkennen?

Die gute Nachricht: Lithium-Ionen-Akkus entzünden sich erst bei starker Beschädigung oder langanhaltender Überhitzung. Indikatoren für einen brennenden Auto-Akku sind:

  • Rauchentwicklung aus der Batterie
  • Geräuschentwicklung (Zischen, Pfeifen, Knattern)
  • Funkenflug und Stichflammenbildung
  • abnormer aromatischer Geruch
  • Temperaturerhöhung des Batteriegehäuses über einen längeren Zeitraum, Beobachtung mit einer Wärmebildkamera

Eine Schwierigkeit brennender Elektroautos ist, dass der Akku selbst nach dem Löschen des Autos weiterbrennt. Es braucht viel Wasser und gegebenfalls ein zweites Rohr zum Kühlen des Akkus. Möglich ist auch das kontrollierte Abbrennen oder eine Kombination von Löschen und Ausbrennen lassen. Im begründeten Ausnahmefall ist auch ein Versenken des Autos in einem Container denkbar, wodurch die Batterie gut gekühlt wird. Das Risiko einer Wiederentzündung wird durch ein Entladen der Batteriezellen im Wasserbad minimiert. Das Löschwasser muss fachgerecht entsorgt werden. Eventuell ist eine Information des Klärwerks sowie der zuständigen Stellen für den Umweltschutz erforderlich.

Feuerlöscher für E-Autos nicht sicher

Auf dem Markt sind handgeführte  Löschgeräte verfügbar, die Löschwasser ins Innere der Batterie einbringen können. Aufrgund des fehlenden Sicherheitsabstandes rät die Dekra aber unbegdingt von einer Nutzung ab. Auch die Fahrzeughersteller untersagen das Öffnen oder Beschädigen von Hochvoltbatterien. Stichflammen, Lichtbögen und gefährliche Körperdurchströmung gehören zu den Risiken.

Nach dem Brand sollte das Fahrzeug im Freien und isoliert von anderen Autos abgestellt werden, die Feuerwehr ist angehalte diese Hinweise auch an Abschleppdienste weiterzugeben. Für beschädigte Lithium-Ionen-Akkus gelten besondere Vorschriften, so dass diese sachgerecht ausgebaut, entladen und transportiert werden müssen.

Leitfaden zum Download erhältlich

Die Hinweise der Dekra wurden gemeinsam mit Experten von Feuerwehren, aus der Brandschutzforschung, von Fahrzeugherstellerverbänden, einem Hersteller von Rettungsgeräten, der Klinik für Anästhesiologie der Universitätsmedizin Göttingen, dem österreichischen Bundesfeuerwehrverband, einem österreichischen Institut für Elektrotechnik und Sicherheitswesen sowie der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) erarbeitet. Sie stehen kostenlos auf den Seiten der DGUV zum Download bereit.