Interview mit Sven Bauer, BMZ GmbH Produktion von Li-Ionen-Akkus abhängig von Asien

Größter Verarbeiter von Li-Ionen-Zellen in Europa ist die BMZ Batterien-Montage-Zentrum GmbH im bayerischen Karlstein. Die Elektronik automotive sprach mit dem Gründer und geschäftsführenden Gesellschafter Sven Bauer über Abhängigkeiten und Zukunftsaussichten.

Die BMZ Batterien-Montage-Zen­trum GmbH ist der größte Produzent von Li-Ionen-Akkusätzen in Europa. Wie abhängig ist Ihr Unternehmen von asiatischen Zellenherstellern?

Sven Bauer: BMZ hat im letzten Jahr mit weltweit etwa 1800 Mitarbeitern rund 350 Millionen Euro Umsatz erzielt. Damit ist das nach wie vor inhabergeführte Unternehmen schon heute der mit Abstand größte Hersteller von Akkupacks in Europa. Aber selbst ein Einkaufsvolumen von zuletzt über 120 Mio. Zellen im Jahr ändert nichts daran, dass letztlich auch wir ganz massiv vom Wohlwollen der großen asiatischen Zellenhersteller abhängig sind. Aktuell wird der Markt für Li-Ionen-Zellen im Wesentlichen von Samsung, LG, Panasonic und Sony beherrscht, die sich rund 90 Prozent des Marktes teilen. Und sollte der Bedarf wie von einigen Analysten erwartet tatsächlich von derzeit rund 80 GWh auf rund 1 TWh im Jahr 2025 steigen, dürfte sich an dieser Dominanz – trotz einiger neuer Player – wenig ändern.

Angesichts der enormen ökonomischen bzw. ökologischen Bedeutung von Li-Ionen-Zellen und -Akkus für die deutsche bzw. europäische Industrie halte ich diese extrem hohe Abhängigkeit langfristig für sehr gefährlich. Nachdem viele Chemikalien und Maschinen für die Zellfertigung ohnehin aus Deutschland stammen, wäre es eigentlich nur konsequent, in Deutschland auch eine eigene Zellfertigung aufzubauen, um so langfristig zumindest einen Teil des inländischen Bedarfs selbst abdecken zu können. Doch bis dahin dürfte es durch die Versäumnisse der Politik in der Vergangenheit noch ein langer Weg sein. Das einzig Beruhigende an diesem Szenario ist, dass wir bei BMZ seit über 20 Jahren vor allem zu den japanischen Herstellern ein sehr vertrauensvolles Verhältnis pflegen, das weit über das klassische Kunden-Lieferanten-Verhältnis hinausgeht und uns deshalb eine hohe Versorgungssicherheit garantiert.

Sie lassen bei Sony selbstentwickelte Li-Ionen-Zellen fertigen?

Bauer: Dass BMZ in enger Kooperation mit unserem langjährigen Partner Sony auch eigene Zellen entwickelt, liegt vor allem an den stark unterschiedlichen Anforderungen unserer Kunden. Natürlich sind wir bestrebt, für alle nur denkbaren Anwendungsfelder, von kleinen Küchengeräten über Akku-Werkzeuge und Gartengeräte, Elektrofahrräder und Elektroautos wie den Streetscooter der Deutschen Post bis hin zu Baggern, Omnibussen oder Containertransportern für Hafenanlagen maßgeschneiderte individuelle Akkusätze anbieten zu können. Bei aktuell rund 250 verschiedenen Projekten gerät dies allerdings mitunter zum Herkulesakt. Einmal ist eine möglichst hohe Strombelastbarkeit gefragt, dann wieder spielen der Temperaturbereich, die Zahl der Ladezyklen, die Lebensdauer oder die Spitzenströme die entscheidende Rolle.

Unsere eigenen, in Deutschland entwickelten Zellen versetzen uns in die glückliche Lage, noch individueller als bisher auf die speziellen Bedürfnisse des europäischen Marktes eingehen zu können. So haben wir beispielsweise eine spezielle Zelle für Elektrofahrräder konzipiert, dank der wir künftig auf den Akkusatz fünf Jahre Garantie ohne Laufleistungseinschränkung gewähren können.

Bei unseren stationären Energiespeichersystemen ließ sich die Garantiezeit dank des Einsatzes von speziell dafür optimierten Zellen sogar auf 15 Jahre erhöhen.

Von unserer neuesten Zelle werden erste Muster im Spätherbst verfügbar sein. Sie bietet im Vergleich zu den weitverbreiteten Li-NMC-Zellen (Lithium-Nickel-Mangan-Cobaltoxid) im 18650-Format die doppelte Lebensdauer, hat eine um 60 Prozent höhere Kapazität, speichert 88 Prozent mehr Energie und kann eine um 68 Prozent höhere Leistung abgeben. Vor allem aber kann diese Zelle mit der fünffachen Ladestromstärke geladen werden. Viele unserer Kunden sind schon jetzt stark an dieser Zelle interessiert.