Elektromobilität / Ladetechnik Extra-Kilometer im Kofferraum: Reserve-Tank für Stromer

Bald Standard im Kofferraum von Elektroautos? Der tragbare Stromkanister von SparkCharge.

Die größte Angst von E-Autofahrern ist eine große Hürde für die Elektromobilität: Leerer Akku und keine Stromtankstelle in Sicht. Ein Start-Up hat ein tragbares Gleichstrom-Ladegerät für Elektroautos entwickelt, dass als elektrischer Reservekanister zusätzliche Kilometer für den Notfall liefert.

Die Anzahl der Ladestationen ist im dritten Quartal 2020 laut Statista auf einen neuen Rekordwert von 20.448 gestiegen. Damit gibt es bereits mehr Stromtankstellen als Kraftstofftankstellen, Stand April lag die Anzahl hier bei 14.440. Dennoch ist die »Reichweitenangst« eine oft angeführte Hürde der Elektromobilität. Denn die Ladeinfrastruktur ist weder einheitlich noch komfortabel zu bedienen. Es gibt eine große Vielzahl an Ladestrom-Anbietern mit diversen Zahlungssystemen, verschiedenen Ladestärken, technischen Voraussetzungen und Modalitäten. Erste Langstrecken-Erfahrungsberichte von Elektroautofahrern zeigen diese Schwierigkeiten offen.

Ein paar extra Kilometer im Gepäck wären unter diesen Voraussetzungen erstens wichtig, um im Notfall nicht mit leerem Akku abgeschleppt werden zu müssen, und würden zweitens den Fahrern ein gutes Gefühl geben. Das amerikanische Start-Up SparkCharge hat eine Art Strom-Reservekanister entwickelt, der bequem in den Kofferraum passt (Bild 1). Elektrofahrzeuge könnten so auf Knopfdruck und unabhängig von der Ladeinfrastruktur an jedem Ort aufgeladen werden. Bis zur nächsten Ladestation sollte es klappen: Der tragbare Akku-Pack bietet maximal 120 Kilometer zusätzliche Reichweite.

Das neuartige Gerät erinnert äußerlich wohl mit Absicht an einen Reservekanister. Es besteht aus einem Ladegerät, an welches nach dem Lego-System Batterieblöcke angeklickt werden können, maximal sind es fünf Akku-Packs pro Ladegerät. Das Ladegerät wiegt allein 9 kg. Jedes Akkumodul bringt zusätzlich 22 kg auf die Waage und liefert dabei brutto 3,5 kWh Leistung. Netto sind 3,2 kWh nutzbar, was einer Energiedichte von 145Wh/kg entspricht. Das reicht für etwa 22 bis 24 Kilometer zusätzliche Laufleistung, insgesamt also 120 Kilometer. Ein einzelner Batteriepack soll seinen Inhalt innerhalb von 15 Minuten an das Auto abgegeben können und damit eine schnelle Lösung für die letzten Meter ans reguläre Ladenetz sein. Die Akku-Packs können danach am normalen Hausstrom wieder geladen werden. Momentan können Teslas und Fahrzeuge mit dem CHAdeMO-Anschluss geladen werden, CCS-Kompatibilität soll bald folgen.

Zu Preisen und Verfügbarkeit hat SparkCharge noch keine Angaben gemacht. Das Unternehmen hat gerade 3,3 Millionen Dollar zusätzliches Kapital von Risikokapitalgebern eingesammelt und bereitet sich laut eigenen Angaben auf eine Skalierung der Produktion, eine steigende Nachfrage und ein schnelles Wachstum vor. Die mobilen Stromkanister sollen neben Endkunden auch an Pannendienste, Raststätten, Hotels, Versicherungen, Autohersteller und Lieferdienste verkauft werden.