Interview mit Ralf Bungenstock, Phoenix Contact E-Mobility GmbH Die Zukunft hat bereits begonnen

Die nächsten Schritte

Welcher nächste wichtige Schritt im Bereich Elektromobilität wird Ihrer Meinung nach erfolgen?
Bungenstock: Zunächst einmal müssen die Fahrzeuge in den Markt hineinkommen. Die meisten Besitzer dieser Fahrzeuge werden sicherlich erst einmal zu Hause laden. Parallel müssen sich Städte und Gemeinden engagieren und die Infrastrukturseite im öffentlichen Bereich ausbauen. Die ganzen Schaufensterprojekte, die vier Modellregionen in Deutschland – da sieht man ja schon, wie es gehen könnte. Die Projekte werden sich auch auf das Käuferverhalten auswirken, da viele Menschen so die Gelegenheit haben werden, mit einem Elektroauto zu fahren. Sich anzuschauen, wie das Ganze funktioniert, um dann vielleicht nachzurechnen, wie viel Benzin oder Diesel sie mit einem Elektrofahrzeug sparen. Da kann die Entwicklung plötzlich sehr schnell gehen. Auch auf Firmenparkplätzen muss einiges passieren. Wie es mit Ladeplätzen bei den Supermärkten aussehen wird, ist schwer abzuschätzen, aber das „McDonalds-Prinzip“ könnte sich bewähren.


Sie erwähnten gerade die Schaufensterprojekte der Elektromobilität: Kürzlich war zu lesen, dass Sie sich zusammen mit Efacec, BMW und RWE am Schaufensterprojekt Sachsen Bayern beteiligt haben, bei dem Schnellladesäulen an der A9 errichtet werden. Welche weiteren Projekte stehen auf der Agenda?
Bungenstock: Wir sind im Prinzip bei allen Schaufensterprojekten direkt oder indirekt beteiligt, schon alleine dadurch, dass ganz unterschiedliche Komponenten aus unserem Hause mit einfließen. Darüber hinaus sind wir auch in vielen Leuchtturmprojekten beteiligt, beispielsweise „econnect“ in Duisburg. Für uns kommt es aber auch auf die internationale Ausrichtung an. Im europäischen Ausland gibt es schon länger verschiedene Projekte: Beispielsweise haben in den Niederlanden die meisten Händler schon eine Ladesäule vor ihren Autohäusern stehen. Oder nehmen wir Norwegen oder Estland, wo DC-Ladestationen mittlerweile in größeren Stückzahlen installiert worden sind. Überall dort, wo solche Aktivitäten entstehen, erhalten wir oftmals entsprechende Anfragen, wie in dem bereits erwähnten A9-Projekt. Dabei handelt es sich übrigens um eine Efacec-Schnellladestation mit unserem CCS-DC-Ladestecker. In diesem Leistungssegment gibt es derzeit keinen vergleichbaren Connector auf dem Markt.


Warum nicht?
Bungenstock: Wie bereits erwähnt, haben wir dieses System zusammen mit den Automobilherstellern entwickelt und standardisiert. Daher waren wir als erster Hersteller mit den entsprechenden Produkten des Combined Charging System auf dem Markt und haben daher auch die Erfahrungswerte aus der Entwicklung. Allerdings arbeitet auch der Wettbewerb an entsprechenden Produkten– sowohl von der Infrastruktur- als auch von der Fahrzeug­seite.

Welche konkreten Pläne verfolgt die Phoenix Contact E-Mobility GmbH?
Bungenstock: Wir werden zunächst einmal unser Produktprogramm weiter ausbauen – auf der Infrastrukturseite sowie für den Automotive-Bereich. Es gibt noch ein paar kleine Lücken, die wir jetzt schließen werden. Darüber hinaus sind wir sehr kundengetrieben: Hier betreuen wir zahlreich internationale Projekte, die zu neuen Lösungen und Produkten führen werden. Weitere Themenschwerpunkte sehe wir im Bereich integrierte Steuerungslösungen für die Elektromobilität. Der Fokus liegt dabei auf der Vehicle-to-Grid-Kommunikation, der Anbindung an Abrechnungssysteme sowie der Smart-Grid-Integra­tion.