Interview mit Ralf Bungenstock, Phoenix Contact E-Mobility GmbH Die Zukunft hat bereits begonnen

China im Fokus

Stichwort China: Gibt es hier Ladesteckverbinder-Hersteller, die Sie als Konkurrenz sehen?
Bungenstock: Der chinesische Markt spielt für die Elektromobilität eine wichtige Rolle. Durch den Einsatz von Elektrofahrzeugen erhofft sich die Politik eine Verbesserung der Umweltsituation, insbesondere in den Großstädten. Entsprechende Förderprogramme beleben hier den Markt und es gibt eine Reihe von Komponenten-Lieferanten für Ladestecker, -kabel und Fahrzeug-Inlets. Die Qualität dieser Produkte ist sehr unterschiedlich und entspricht nicht immer den Anforderungen unserer Kunden. Die technische Auslegung der Artikel aus chinesischer Produktion ist in einigen Fällen sehr stark durch die Minimierung der Herstellkosten geprägt. In diesem Zusammenhang muss man wissen, dass die Automobilhersteller ihre Fahrzeuge natürlich mit allen Ladesteckern testen, die am Markt verfügbar sind. Im Detail steckt viel Physik und Mechanik dahinter, und nicht jede Kombination mit kostengünstigen Ladesteckern funktioniert. Das Steckgesicht mag gleich sein, und der Stecker lässt sich auch in das Inlet einführen. Aber das heißt noch lange nicht, dass die Leistungsübertragbarkeit gewährleistet ist und dass die Komponenten 10.000 Steckzyklen überstehen. Hier spielen Oberflächen, Kontaktsysteme und Kontaktkräfte eine große Rolle – und da hat die Automobilindustrie qualitativ schon sehr unterschiedliche Test­ergebnisse erhalten. Von daher sehen wir uns in der internationalen Wettbewerbssituation sehr gut aufgestellt.


Nun haben wir zwar mittlerweile sommerliche Bedingungen, aber die Handhabung von Ladesteckverbinder und Kabel ist – insbesondere bei kaltem Wetter – für den Anwender kein Vergnügen. Induktives Laden hingegen ist erheblich komfortabler…
Bungenstock: Induktives Laden hat mit Sicherheit seinen Charme. Im Moment ist diese Technik für den Einsatz in der Elektromobilität noch nicht ausgereift. Aber es ist davon auszugehen, dass es auch hier technische Lösungen geben wird, die praktikabel sind. Was ich vor Augen habe, sieht wie folgt aus: Man fährt  auf den Parkplatz, stellt sein Fahrzeug an einem definierten Punkt ab und muss kein Kabel mehr anschließen. Das finde ich schon aus dem Grunde positiv, weil auf diese Art und Weise das Thema Vandalismus ausgeschaltet wird: Die Wahrscheinlichkeit, dass jemand ein Kabel entwendet oder durchtrennt, fällt damit weg. Nachteilig ist sicherlich, dass induktives Laden im ersten Schritt teurer sein wird. Nichts ist einfacher und kostengünstiger, als sein Ladekabel mit ICCB zu Hause an die Steckdose anzuschließen. Hiermit vergleichbar ist das Laden mit einer 16-A-AC-Wallbox, die die Kommunikation zum Fahrzeug übernimmt und das Laden überwacht. Das ist unschlagbar günstig, da wird das induktive Laden so schnell nicht hinkommen. Im Nutzfahrzeug, zum Beispiel bei Bussen, könnte es allerdings interessant werden, wenn man kein Battery Swapping betreiben möchte.
Wir beobachten weiterhin genau, wie diese Technik voranschreitet. Induktives Laden könnte interessant werden, wenn es auch in höheren Leistungsklassen sicher funktioniert. Von der Handhabbarkeit her hätte es Vorteile, beispielsweise auf öffentlichen Parkplätzen mit Induktionsschleifen.
Ideal wären natürlich auch Induktionsschleifen in der Fahrbahn, was allerdings ebenfalls mit extrem hohen Kosten verbunden wäre. Im privaten Bereich wird man vermutlich fertige Module erwerben können, die in den Garagenboden eingelassen werden. Eine optimale Positionierung des Fahrzeuges könnte ggf. durch Hilfsmittel erleichtert werden. Fazit: Konduktives Laden ist technisch ausgereift und erst einmal bedeutend preiswerter – vermutlich werden beide Systeme aber irgendwann parallel existieren.