Interview mit Ralf Bungenstock, Phoenix Contact E-Mobility GmbH Die Zukunft hat bereits begonnen

Schnellladung mit dem Combined Charging System

Das von Ihnen in Zusammenarbeit mit einigen Automobilherstellern entwickelte Combined Charging System (CCS) umfasst AC- und DC-Laden. Welche Punkte spielten bei der Entwicklung eine wichtige Rolle?
Bungenstock: Das CCS haben wir zusammen mit Volkswagen, BMW, Audi, Porsche und Daimler entwickelt. Auf der eCarTec in München letztes Jahr sind wir dafür gemeinsam mit unseren Kooperationspartnern mit dem Energy and Infrastructure Award ausgezeichnet worden. Neben der technischen Entwicklung haben wir aber auch die Standardisierung vorangetrieben. Der „International Standard“ hierfür wird wahrscheinlich Ende dieses Jahres verabschiedet werden. Für uns kam es aber auch darauf an, dass sich das System in Verbindung mit dem SAE-Standard Typ 1 in den USA durchsetzen wird, und das ist ebenfalls gelungen.
Bei der Entwicklung hat dabei der Sicherheitsaspekt eine essenzielle Rolle gespielt. Das Ladesystem ist ausgelegt für einen maximalen Ladestrom von 200 A bei einer Maximalspannung von 850 V. Das entsprichteiner Leistung von 170 kW.  
Darüber hinaus musste über eine gemeinsame Ladetopologie mit einer Kommunikation zwischen Ladesäule und Fahrzeug entschieden werden. Da musste definiert werden, auf welche Art und Weise man das machen möchte. Am Anfang war der CAN-Bus in der Diskussion, der aber von den westlichen Automobilherstellern nicht favorisiert wurde. Heute haben wir an dieser Stelle Power Line Communication (PLC) und im AC-Bereich die Pulsweitenmodulation.


Welche OEMs setzen denn auf das CCS?
Bungenstock: Die ersten Fahrzeuge kommen jetzt auf den Markt. Der Volkswagen e-up! wird beispielsweise das CCS-Inlet bekommen. Nahezu jeder Fahrzeughersteller arbeitet daran, das Combined-AC/DC-Ladesystem zu implementieren. Auch die asiatischen Hersteller werden ihre Fahrzeuge in Europa damit auf den Markt bringen.
Neben dem e-up! werden dieses Jahr etwa 15 weitere Elektrofahrzeuge von unterschiedlichen Herstellern auf dem europäischen Markt angeboten werden. Der Großteil dieser Fahrzeuge wird vermutlich mit dem CCS ausgerüstet sein.
Wer dabei auf das CCS setzt und wer nicht – das ist je nach strategischer Ausrichtung sehr unterschiedlich. Die Vorteile liegen aber klar auf der Hand. Der Fahrer beispielsweise hat nur noch ein Inlet, an dem nachgeladen wird. Dieser Aspekt ist auch ein Vorteil für die Hersteller, weil sich hierdurch Herstellkosten senken lassen. Auch der AC/DC-Converter im Fahrzeug kann so kleiner ausfallen, was das Gewicht merklich reduziert. Daher gibt es bereits in China erste Aktivitäten verschiedener Firmen, die das Combined Charging System zum Thema haben.