Kommentar Die Krise zeigt auch Chancen

Die Frage stellt sich jeden Tag: Ist diese Fahrt, dieser Flug wirklich nötig oder können Dinge auch anders gemacht werden?

Die Corona-Pandemie hält weiter an, doch die Ausgangsbeschränkungen werden langsam gelockert und die Produktion in der Automobilindustrie wieder hochgefahren. Bei den meisten Herstellern laufen die Bänder, teilweise noch mit geringerer Taktung und Fokus auf Antriebstechnik und Elektromobilität.

Mir persönlich ist während das Shutdowns bewusst geworden, wie grundlegend wichtig Mobilität zwar ist, aber dass dennoch viele Autofahrten verzichtbar sind. Der Mittlere Ring in München war über Wochen nachmittags staufrei, ein ungewohnt angenehmer Zustand dank Home Office. Gleichzeitig waren viel mehr Radler und Fußgänger unterwegs, was den Menschen und der Natur mit weniger Schadstoffausstoß guttut.

Ein weiterer positiver Nebeneffekt: Die meisten Menschen mussten sich zwangsläufig vor Ort versorgen. Lokal einkaufen ist gut für die heimische Wirtschaft und sichert die Verfügbarkeiten. Was bei Gemüse direkt vom Bauern oder dem Obsthändler an der Ecke funktioniert, lässt sich auch auf die Autoindustrie übertragen. »Build where you sell, buy where you build« sagt Automobilveteran Dr. Peter Mertens in unserem Interview in der ab Seite 10 der Elektronik automotive N°5 und prognostiziert eine Vereinfachung und Regionalisierung der automobilen Lieferketten.

Der Verkehr hat bereits wieder zugenommen, aber ich glaube fest daran, dass sich durch Corona in den Köpfen der Menschen etwas verändert hat. Der Wandel zu alternativen Antrieben und neuen Verkehrskonzepten wird schneller geschehen. Wie Brennstoffzellen dazu beitragen, können Sie im E-Paper der aktuellen Ausgabe ab Seite 40 nachlesen. Immerhin verbrennt Wasserstoff sehr sauber und punktet mit hohen Reichweiten. Mit mehr Elektroautos wird auch der Markt für Batterie-Module größer, auf Seite 8 sagen die Analysten von Yole Développement trotz Corona ein saftiges Wachstum um fast 40 Prozent bis 2025 voraus.

Nachhaltige Mobilität wird unseren Alltag in den nächsten Jahren grundlegend verändern, darauf freue ich mich. Was wir sofort umsetzen können, ist uns die Frage zu stellen »Ist diese Fahrt oder dieser Flug wirklich nötig?«. Eine umwelt- und menschenfreundliche Entwicklung hängt nicht nur an moderner Technik – wir können sie selbst beeinflussen.