Kommentar – Autogipfel Elektromobilität Das »Henne-Ei-Problem«

Gerhard Stelzer ist Editor-at-Large der Elektronik und Elektronik automotive.
Gerhard Stelzer ist Editor-at-Large der Elektronik und Elektronik automotive.

Auf dem Autogipfel im Kanzleramt stand die Förderung der Elektromobilität im Mittelpunkt. Kaufprämien für Elektroautos und der massive Ausbau der Ladesäuleninfrastruktur sollen es nun richten. Doch bis zur Klimaneutralität ist der Weg noch weit.

Beim Autogipfel im Kanzleramt Anfang November feierten sich Politiker und Industrievertreter als große Förderer der Elektromobilität. Bei dem rund vierstündigen Spitzengespräch haben sich Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil, VDA-Präsident Bernhard Mattes, Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer und die Gastgeberin Bundeskanzlerin Angela Merkel auf die Ausweitung der Kaufprämien für Elektroautos und auf den massiven Ausbau der Ladesäuleninfrastruktur verständigt.
Elektromobilität gilt als ein wichtiger Faktor zur Erreichung der gesteckten Klimaziele. Allerdings bleibt die Durchdringung des Marktes mit Elektrofahrzeugen seit Jahren hinter den gesteckten Zielen zurück, Stichwort »1 Million Elektrofahrzeuge bis 2020 auf Deutschlands Straßen«. Davon ist Deutschland nach wie vor meilenweit entfernt. Der ADAC veröffentlichte zur IAA 2019 Zahlen des Kraftfahrtbundesamts. Demnach belief sich der Bestand an Elektroautos auf 197.602. Batterieelektrische Fahrzeuge machen mit 105.115 etwas mehr als die Hälfte aus und die Plug-in-Hybride kommen auf 92.487.
Für den doch überschaubaren Erfolg von Elektroautos gibt es verschiedene Gründe. Zwei davon sind 1. Das löchrige Netz von Ladepunkten und 2. die höheren Anschaffungskosten für Elektroautos. Beide Probleme werden nun mit Maßnahmen angegangen, die auf dem Autogipfel beschlossen wurden. Damit man nun das neu ausgegebene Ziel von einer Million Elektrofahrzeugen bis 2022 und sieben bis zehn Millionen bis 2030 erreichen kann, werden bis 2022 bundesweit 50.000 neue Ladesäulen angestrebt. Einen Teil davon möchte die Autoindustrie laut Mattes in Eigenverantwortung errichten. Das klingt ziemlich wachsweich. Wie will man da den Erfolg kontrollieren?
Niedersachsens Ministerpräsident Weil hatte wohl ambitioniertere Ziele erwartet. »Ich persönlich finde aber, dass man die Ziele durchaus noch etwas höher hätte schrauben sollen«, wird er von der Tagesschau zitiert. Insgesamt will der Bund nun den Ausbau der Ladeinfrastruktur in den kommenden Jahren mit 3,5 Milliarden Euro fördern. Auch hier darf man gespannt sein, ob dieses Geld auch tatsächlich verbaut wird. In den letzten Jahren gab es zahlreiche Bauprojekte der öffentlichen Hand, wo der Engpass in der Bauausführung lag und nicht in der Finanzierung.
Bleiben noch die höheren Preise für Elektroautos. Deshalb wollen Politik und Konzerne gemeinsam die bestehende Kaufprämie für Elektroautos erhöhen. Beide Seiten haben vereinbart, beispielsweise den Verkauf von batterieelektrischen Fahrzeugen mit einem Netto-Listenpreis von 40.000 Euro künftig mit 6000 statt bisher 4000 Euro jeweils hälftig zu unterstützen. Für Plug-in-Hybride gelten dann 4500 statt bisher 3000 Euro. Kostet ein E-Auto allerdings mehr als 65.000 Euro, gibt es keinerlei Förderung mehr.
Ohne Anschubförderung wird es nicht gehen. Denn das »Henne-Ei-Problem« bleibt. Wenn die Ladeinfrastruktur nicht unverzüglich ausgebaut wird, dann bleiben Elektroautos Ladenhüter. Ohne Elektroautos braucht man wiederum keine Ladesäulen. Der Ausbau der Infrastruktur muss in Vorleistung gehen.

Die Elektrifizierung des Straßenverkehrs bringt allerdings beim derzeitigen, deutschen Strommix nur geringfügige Klimavorteile. Erst wenn Elektroautos zu 100 Prozent mit erneuerbar erzeugtem Strom fahren, profitiert auch das Klima.