Alternative Antriebe Brennstoffzellen nehmen Fahrt auf

Die Brennstoffzellen-Technologie soll bis 2030 etwa ein Fünftler aller Fahrzeuge antreiben.
Die Brennstoffzellen-Technologie soll bis 2030 etwa ein Fünftel aller Fahrzeuge antreiben.

Mit Wasserstoff betriebene Fahrzeuge nehmen noch einen geringen Anteil bei alternativen Antrieben ein, doch es steckt viel Potenzial in der Brennstoffzelle. Neuigkeiten gab es diese Woche von Bosch, zwei Studien und deutschen Kommunen. International bringen Hyzon und Forsee H2-Nutzfahrzeuge voran.

Bosch nennt erste Kunden

2022 soll bei Bosch die Serienfertigung für Brennstoffzellenantriebe für LKW und PKW starten. Auf einer Presseveranstaltung in Feuerbach zeigte der Konzern einen ersten Prototyp seiner neuen Brennstoffzelle auf dem Systemprüfstand und verbreitete damit nach den enttäuschenden Geschäftszahlen diese Woche auch gute Nachrichten: Für die H2-Laster des amerikanischen Neulings Nikola wird Bosch das gesamte Brennstoffzellen-System liefern. Seit Frühjahr 2019 ist Bosch an Powercell aus Schweden beteiligt, die Kooperation liefert nun den Stack für Nikola.

Bosch-Chef Volkmar Denner rechnet damit, dass H2-Antriebbe im Nutzsegment bis 2030 ein Achtel des Marktes einnehmen werden und aufgrund einer wahrscheinlichen CO2-Steuer bis zu einem Fünftel im gesamten Fahrzeugmarkt. Auch im PKW-Bereich hat Bosch wohl bereits Kunden gewonnen, verrät aber bisher keine konkreten Namen.

Die sinkende Autoproduktion und Diesel-Nachfrage geht an Bosch nicht spurlos vorbei, wie Denner diese Woche bei der Vorstellung der Geschäftszahlen einräumen musste. (Details lesen Sie hier). Doch gerade deshalb will Bosch allein 2020 über 500 Millionen Euro in die Elektromobilität und den Brennstoffzellenantrieb stecken. Nur eben nicht in die Produktion eigener Batteriezellen. Mit der Brennstoffzellen-Technologie sieht Bosch eine Chance sich abzuheben und an seinen klassischen Verbrenner-Standorten, wie etwa in Stuttgart-Feuerbach, Arbeitsplätze zu sichern.

HY3-Projekt: Deutschland und Holland starten Studie zu Wasserstoff

Eine Machbarkeitsstudie soll zwischen der Nordsee und dem holländischen Grenzgebiet untersuchen, wie Wasserstoff grenzübergreifend hergestellt, transportiert und genutzt werden kann. Die Wissenschaftler und Experten, unter anderem vom Forschungszentrum Jülich IEK-3, werden mögliche Business Cases für die Herstellung von grünem Wasserstoff innerhalb der bestehenden niederländisch-deutschen Produktions- und Transportinfrastruktur für Wasserstoff analysieren. Sie wollen auch das generelle Interesse der Industrie untersuchen und die rechtlichen Rahmenbedingungen klären. Die Ergebnisse der Studie sollen Ende des Jahres veröffentlicht werden.

Minister Peter Altmaier sieht viel Potenzial für wasserstoffbasierte Energie: »Bereits heute decken wir unseren Stromverbrauch weitgehend durch erneuerbare Energien. Langfristig brauchen wir jedoch CO2-freie Energiequellen. Wasserstoff kann hier ein zentraler Baustein sein.«

Hyzon tritt mit Brennstoff-LKWs und Bussen auf den Markt

Als Ausgründung von Horizon Fuel Cell will sich das amerikanische Unternehmen Hyzon mit Brennstoffzellen-Technologie als Nutzfahrzeug-Hersteller etablieren. Im vergangenen Jahr lieferte Horizon etwa 400 Brennstoffzellen-Stacks mit einer Leistung von 50kW bis 150kW für mittlere bis schwere Nutzfahrzeuge aus.

Hyzon möchte den bisherigen Horizon-Erfolg als Lieferant für verschiedene OEMs nutzen und arbeitet sowohl an Transportern, Bussen und LKWs. Das erste LKW-Modell soll noch im Herbst diesen Jahres ausgeliefert werden. Hyzon will neben der eigenen Produktion auch in Wasserstoff-Infrastrukturen in den USA, Asien und Europa investieren, um das eigene angestrebte Wachstum zu stützen.

Nach Angaben auf der Hyzon-Website sollen die künftigen Nutzfahrzeuge von Hyzon Motors mit Brennstoffzellen bis zu einer Leistung von 500 PS (370kW) ausgestattet werden und sowohl für Transporte auf der letzten Meile wie auch für Langstreckentransporte eine hohe Leistung und gute Anlagenbilanz liefern.

Wasserstoff-Bus H2 City Gold arbeitet mit Forsee Power

Das französische Unternehmen Forsee Power weitet seine Partnerschaft mit CaetanoBus aus. Neben Batterien für Elektrobusse liefert Forsee künftig auch Brennstoffzellen-Systeme an den portugiesischen Bus-Hersteller. Dessen neues Modell H2 City Gold wird mit Brennstoffzellentechnik von Toyota und Forsee ausgestattet, Forsee liefert dafür sein Batteriesystem Pulse 15. Die Batterien sind auf dem Busdach installiert und mit 5 Wasserstofftanks verbunden. So kann der neue Bus mit einer Kombination von Elektrobatterien und Brennstoffzellen bis zu 400 Kilometer emissionsfrei fahren.

Berliner Polizei und Oldenburger Taxi testen Wasserstoff-Autos

Toyota meldet, dass die Berliner Polizei zwei Mirai mit Brennstoffzellen-Technologie angeschafft hat. Die unter der Haube unveränderten Fahrzeuge sollen im regulären Streifendienst für Kontroll-, Transport- und Beförderungsfahrten genutzt werden. Bereits seit 2019 fährt in Hamburg ein FCEV-Mercedes Streife. In Berlin gibt es mit fünf H2-Tankstellen eine vergleichsweise gute Infrastruktur. Die beiden Toyota werden durch das „Berliner Programm für Nachhaltige Entwicklung“ (BENE) unter Ko-Finanzierung des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) unterstützt.

Eine Kooperation des Energieversorgers EWE, der Stadt Oldenburg, dem DLR und dem Taxiunternehmen 81111 bringt das erste Wasserstoff-Taxis in Oldenburg auf die Straße. Der Hyundai Nexo stammt aus der EWE-Firmenflotte und soll zwischen Februar und September vor allem Daten über den Betrieb eines Wasserstofffahrzeuges sammeln. Das H2-Fahrzeug wird in seiner Zweitnutzung an Sonn- und Feiertagen als Taxi in Oldenburg und als Flughafenzubringer  nach Bremen eingesetzt – denn dort befindet sich momentan noch die nächstgelegene Wasserstoff-Tankstelle.

Industrie-Studie sieht große Chancen für Wasserstoff

Der Hydrogen Council hat in seiner Studie „Path to hydrogen competitiveness“ gemeinsam mit der Unternehmensberatung McKinsey die Zukunft von Wasserstoff als alternative Antriebstechnik untersucht. Der Council ist ein Zusammenschluss von 60 führenden Energie-, Transport- und Industriekonzernen, wie etwa Airbus, Audi, BMW, Daimler, Bosch, Thyssenkrupp und weiteren zahlreiche Wasserstoffkonzernen.

Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass Wasserstoff bis 2030 deutlich konkurrenzfähiger werden könnte und vor allem für Nutzfahrzeuge eine ernsthafte Alternative zum Elektroantrieb und teilweise auch gegenüber konventionellen Antrieben bietet. Der Hauptgrund sind sinkende Preise. Über die gesamte Wertschöpfungskette von Produktion, Verteilung und Ausrüstung bis zur Komponentenherstellung rechnet das Council mit möglichen Kostenreduzierungen von bis zu 50 Prozent, was die Rahmenbedingungen für wasserstoffbasierte Antriebe komplett verändern könnte und eine gleichwertige Entwicklung von Elektromobilität und H2-Antrieben denkbar macht.

Eine Voraussetzung sieht die Studie allerdings: weltweit müssten dazu 70 Milliarden US-Dollar investiert werden, insbesondere in die Infrastruktur. In Deutschland gibt es zurzeit rund 80 Wasserstoff-Tankstellen. Und gerade der Ausbau dieses Netzes wäre insbesondere wichtig für Wasserstoff-LKWs. Schwere Nutzfahrzeuge, die größtenteils auf langen Strecken eingesetzt werden, profitieren besonders von der Wasserstoff-Technologie als alternativen Antrieb, da deren zu bewegendes Gewicht für momentane Elektroakkus zu hoch sein kann.