Automotive Ethernet Congress 2015 Großer Andrang bei der Premiere

Volles Haus: Der Vortragsraum beim Automotive Ethernet Congress am 4. und 5. Februar in München war bis auf den letzten Platz gefüllt.
Volles Haus: Der Vortragsraum beim Automotive Ethernet Congress am 4. und 5. Februar in München war bis auf den letzten Platz gefüllt.

»Über 40 Jahre alt – und immer noch jung.« So würdigte Alexander Maier, BMW, in seiner Keynote die besondere Qualität von Ethernet. Inzwischen erobert diese erfolgreiche Netzwerktechnik auch das Auto. Entsprechend groß war der Andrang bei der ersten Automotive Ethernet Conference in München.

Enorme Flexibilität und ein schier unerschöpfliches Entwicklungspotenzial haben Ethernet zu einer der wichtigsten Übertragungstechniken weltweit gemacht. Um Ethernet auch im Auto nutzen zu können, müssen dort allerdings besondere Rahmenbedingungen beachtet werden: Strenge EMV-Vorgaben, ein raues Umfeld mit großen Temperaturschwankungen und nicht zuletzt die engen Kostenrahmen erfordern spezielle Lösungen und stellen die Entwickler im Automotive-Bereich vor einige Herausforderungen.

Der Automotive Ethernet Congress am 4. und 5. Februar in München bot daher sowohl konkrete Hilfestellungen als auch einen Überblick über die aktuellen technischen Entwicklungen. Die von der Elektronik automotive mit Unterstützung von BMW und der OPEN Alliance in diesem Jahr zum ersten Mal durchgeführte Veranstaltung stieß auf Anhieb auf sehr großes Interesse: Über 600 Teilnehmer, Referenten und Aussteller aus Europa, Asien und Amerika trafen sich in München zum Erfahrungsaustausch. Das breit gefächerte Programm mit über 30 Vorträgen und Workshops beleuchtete neben Test- und Validierungsmethoden auch die Themen Tools, Sicherheit, Kabel & PHY, AVB & Infotainment sowie AUTOSAR & Software. In der begleitenden Ausstellung konnten sich die Teilnehmer zudem über neue Produkte und Lösungen informieren.

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Impressionen vom Automotive Ethernet Congress 2015

Impressionen vom Automotive Ethernet Congress 2015

Die aktuelle Situation beim Einsatz von Ethernet im Auto brachte Moderatorin Kirsten Matheus, BMW, so auf den Punkt: „Das ‚was‘ und ‚warum‘ haben viele Unternehmen inzwischen geklärt – jetzt geht es vor allem um das ‚wie‘.“ Dementsprechend standen am ersten Veranstaltungstag praxisnahe und lösungsorientierte Beiträge zur Entwicklung und zum Test von Ethernet-Projekten im Vordergrund. Eine grundsätzliche Einführung zu den Herausforderungen beim Design und bei der Qualifizierung von Automotiv-Ethernet-Lösungen gab Thomas Kirchmeier, BMW. Darüber hinaus wurde auch das Thema Datensicherheit ausführlich beleuchtet. Marko Wolf, Escrypt, nutzte seinen Vortrag für einen Appell an die gesamte Branche: „Wir brauchen dringend ein globales Automotive Security Consortium, das allgemein verbindliche Sicherheitsstandards festlegt“

Die großen Automotive-Ethernet-Trends

Der zweite Konferenztag begann mit der Keynote von Alexander Maier, der einen Bogen von den Anfängen vor über zehn Jahren bis zum Ausblick auf die kommenden Automotiv-Ethernet-Trends spannte. BMW selbst etwa wird mit dem neuen 7er das erste Serienfahrzeug auf den Markt bringen, bei dem Ethernet als Systembus zu einem wesentlichen Bestandteil des Fahrzeugnetzwerks wird. Grundsätzlich erwartet Maier für die Zukunft, dass sich eine IP-basierte Backbone-Architektur im Fahrzeug durchsetzen wird. Auf diese Weise lassen sich Big-Data-Anwendungen ebenso realisieren wie eine umfassende Anbindung an die Cloud: „Das Auto wird zu einem Knoten im weltweiten Netz der Dinge“

Die OPEN-Alliance-Vorsitzende Natalie Wienckowski, GM, gab in ihrer Keynote einen Überblick über die neusten Entwicklungen bei den Technical Committees (TC), in denen es etwa um Gigabit-Ethernet oder Vorgaben für ECU-Tests geht. Wienckowski wies auch auf einen interessanten Unterschied in der Arbeitsweise von IEEE und OPEN Alliance hin. Während das Normierungsgremium persönliche Treffen der Arbeitsgruppen vorschreibt, setzt der Industrieverband in erster Linie auf Telefonkonferenzen, was für die Teilnehmer einen wesentlich geringeren Aufwand bedeuten. Auch wenn es keine offizielle Zusammenarbeit zwischen den Organisationen gibt, engagieren sich laut Wienckowski viele Fachleute jeweils in beiden Organisationen. So werde in den zahlreichen Telefonkonferenzen der OPEN Alliance inhaltlich das vorbereitet, worum es dann später auch in den IEEE-Treffen gehe.

Dass es bei Automotive Ethernet noch einiges zu besprechen gibt, zeigte auch die rege Beteiligung des Publikums am Roundtable zum Thema AVB und Infotainment. Nach der Vorstellung von bereits realisierten Anwendungen im Infotainment-Bereich beantwortete die von Wilfried Steiner, TTTech, moderierte Gesprächsrunde zahlreiche Fragen beispielsweise zur Zertifizierung von AVB-Lösungen oder zur Bedeutung von Plugfests. Überhaupt wurde die Möglichkeit, am Ende der Vorträge Fragen zu stellen, von den Teilnehmern intensiv genutzt – auch das ein Beleg dafür, wie groß das Interesse an Automotive Ethernet geworden ist.