Konnektivität im Fahrzeug Ethernet kann viel, aber nicht alles

Legacy – ein nicht zu unterschätzender Faktor

Eigentlich müsste gerade jetzt ein guter Zeitpunkt sein, um Ethernet in die Breite zu bringen, denn »mit den neuen E/E-Architekturen ändert sich ja sowieso alles«, erklärt Dr. Ulrich Giese, Senior Director Automotive Solution Business Unit bei Renesas Electronics Europe. Aber genau das stimmt nicht, denn laut Adlkofer werden auch in den neuen E/E-Architekturen mit Domänen 30 Prozent der ECUs nicht angefasst, und zwar weder auf der Hard- noch auf der Software-Seite. Die Begründung liefert er gleich mit: »Nehmen wir das Beispiel einer Anhängerkupplung. Wer schreibt die Anhängerkupplung noch einmal aus, weil sie an Ethernet oder einen anderen modernen Bus angehängt werden soll? Der Mehrwert ist überhaupt nicht gegeben.« Und ob die 30 Prozent auf Dauer unverändert bleiben? Auch das hält Adlkofer für wahrscheinlich, einfach weil die Entwickler fehlen, alles neu zu machen, und das, obwohl Ethernet ja eigentlich bei allen Jungingenieuren bekannt ist. Aber die Frage ist: Gehen diese Jungingenieure in die Automobilbranche und wenn ja, wollen sie dann unbedingt eine Anhängerkupplung neu designen? Wohl eher nicht, denn »das Interesse liegt dann mehr im Bereich autonomes Fahren und KI«, so Rothhaupt weiter.

Die Verbindung zwischen Legacy-ECUs und Ethernet erfolgt über Gateways, »weshalb jeder OEM in seiner E/E-Architektur ein Gateway vorgesehen hat, denn es erleichtert genau diese Übergangsfunktion«, so Wiese. Wobei das Argument auch andersherum laufen kann, denn aus Stelzers Sicht ist das Gateway genau die Motivation für 10BaseT1. Denn es gehe im Endeffekt darum, eine Lösung zu finden, bei der kein Gateway mehr gebraucht wird. Stelzer: »10BaseT1 ist zwar teurer als CAN, aber soll dank der Durchgängigkeit und der Tatsache, dass die Gateways wegfallen, einfacher zu handhaben sein. Ob das so funktioniert, muss man sehen.«

»Man könnte erwarten, dass ein Neueinsteiger wie Tesla sich leichter tut und ein sehr einfaches Netzwerk direkt am Reißbrett entwerfen kann. Aber das stimmt so auch nicht, »denn auch Tesla muss die Steuergeräte zukaufen, damit dem Unternehmen die Kosten nicht davonlaufen«, erklärt Uwe Bröckelmann, Technischer Direktor EMEA von Analog Devices. Würde man ein Auto auf einem Blatt Papier völlig neu designen, wäre das vielleicht etwas anderes, »aber das ist aus Kostengründen nicht möglich«, so Bröckelmann weiter. Also werden Technologien, die vorhanden sind, wiederverwendet, und damit entsteht sofort das Legacy-Problem. Bröckelmann: »FlexRay ist wahrscheinlich Geschichte genauso wie optischer MOST, das werden wir sehen, aber nur, weil sie keiner mehr einsetzt.«