Forschung: Sicherer Halt im medizinischen Notfall

Im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung initiierten Forschungsprojekts „Smart-Senior – Intelligente Dienstleistungen für Senioren“ entwickelt BMW einen Nothalteassistenten, der – wenn aus medizinischer Sicht erforderlich – autonom ein Haltemanöver einleitet.

„Unser primäres Ziel ist es, Unfälle infolge gesundheitlich bedingter Kontrollverluste zu vermeiden oder zumindest die Schwere solcher Unfälle zu mindern“, erklärt Ralf Decke, Projektleiter von SmartSenior bei BMW Forschung und Technik. Um dieses Ziel zu erreichen, haben die Ingenieure bei BMW ein Assistenzsystem entwickelt, das – wenn es eine gesundheitliche Notfallsituation erkennt – automatisch einen autonomen Fahrmodus aktiviert und ein abgesichertes Haltemanöver einleitet. Dieser Vorgang sieht wie folgt aus: Das Fahrzeug aktiviert die Warnblinkanlage und manövriert – abhängig von der momentanen Verkehrssituation – an den rechten Straßenrand und hält an.

Zeitgleich löst das Automobil einen Notruf aus und übermittelt dabei alle relevanten Daten, damit die notwendigen medizinischen und verkehrstechnischen Hilfsmaßnahmen schnellstmöglich eingeleitet werden können. Damit ein solches Assistenzsystem Realität werden kann, ist eine Vielzahl an Sensoren nötig, die fortlaufend den Vitalstatus des Fahrers überprüfen. Hier können die Ingenieure auf vorhandene Systeme von BMW Connected Drive zurückgreifen. Diese Informationen wiederum berechnet ein Algorithmus aus den Sensordaten der passiven Sicherheitssysteme wie Gurtstraffer oder Airbags. Dieses Notrufsystem nutzen die Entwickler als Ausgangsbasis für den Nothalteassistenten. Neben der Übertragung kümmert sich das SmartSenior-Projekt auch um die Erfassung der hierfür notwendigen Daten des Vitalstatus. Federführend für diese Entwicklung sind die Projektpartner Siemens und die Berliner Universitätsklinik Charité.

Als weitere technische Basissysteme greift BMW auf marktreife Assistenzsysteme wie Spurwechselwarnung oder die Stop& Go-Funktion zurück. Im nächsten Schritt wird ein Algorithmus entwickelt, der das gesamte Fahrzeugumfeld erfassen und sicher interpretieren kann. Hierbei liegt die „Kür“ in der Erkennung von Objekten, die das Fahrzeug umgeben, und der fehlerfreien Lokalisierung des Fahrzeugs innerhalb der eigenen Fahrspur – also in der Fusion der unterschiedlichen Daten, die die redundanten Sensoren sammeln. Folglich liegt eine der Kernaufgaben in der Entwicklung einer Art „elektronischen Koordinators“, der in einer medizinischen Notsituation die fahrstrategischen Entscheidungen des Fahrers übernimmt und diese an die entsprechenden Schnittstellen für die Längs- und Querregelung des Fahrzeugs weiterleitet.