Konnektivität und Autonomie im Automobil Schlüssel zur sicheren Mobilität

Vernetzung, Automatisierung bis autonomens Fahren - Security in den Assistenzsystemen.
Vernetzung, Automatisierung bis autonomes Fahren - Security in den Assistenzsystemen.

Der positive Einfluss von Fahrerassistenzsystemen auf die Sicherheit im Straßenverkehr ist seit dem Anti-Blockier-System (ABS) bekannt. Die weitere Vernetzung der Fahrzeuge wird zusätzliche Automatisierungen bis hin zum autonomen Fahren ermöglichen – für noch mehr Sicherheit der Mobilität.

Autonomes Fahren ist einer der großen Trends der Automobilbranche. Die ersten Serienfahrzeuge, die mit der Technik ausgestattet sind, sind bereits auf dem Markt oder befinden sich in der finalen Erprobung. Die Automatisierung wird im nächsten Jahrzehnt die Entwicklungsarbeit der Automobilindustrie prägen. Der Verband der deutschen Automobilindustrie e. V. (VDA) unterscheidet diesbezüglich fünf Stufen des autonomen Fahrens (Bild 1). Das wichtigste Ziel bezüglich des autonomen Fahrens besteht in den nächsten Jahren darin, die heutige Beschränkung auf Autobahnfahrten aufzubrechen und das autonome Fahren in allen Verkehrssituationen zuzulassen.

Vorteile des autonomen Fahrens

Autonomes Fahren wird mehr Sicherheit im Straßenverkehr schaffen, das belegen die Unfallstatistiken des Statistischen Bundesamtes (Bild 2). Der überwiegende Teil aller Verkehrsunfälle mit Personenschäden wird von Menschen verursacht (über 90 Prozent). Ein kleiner Teil lässt sich auf widrige Witterungsumstände zurückführen (circa acht Prozent) und nur ein sehr kleiner Anteil der Verkehrsunfälle passiert aufgrund technischer Mängel (etwa ein Prozent). Somit erscheint es offensichtlich, dass sich die Anzahl der Unfälle deutlich verringern wird, wenn die Fahraufgabe von der Technik übernommen wird. Das ist eines der stärksten Argumente für das autonome Fahren. Weitere Argumente, wie die Entlastung von der Fahrtätigkeit oder die Möglichkeit, die Fahrtzeit aktiv für die Arbeit oder andere Tätigkeiten zu nutzen, erscheinen dagegen eher nebensächlich

Aufgrund der Argumente scheint ein gesellschaftlicher Konsens zu bestehen, das autonome Fahren schnellstmöglich konsequent umzusetzen. Das wird allerdings eine große Veränderung am gesamten Konstrukt „Straßenverkehr“ erfordern.

Der Preis des autonomen Fahrens

Eine Basis des autonomen Fahrens wird die strikte Beachtung von Regeln und Vorschriften sein. Ein autonomes Auto wird niemals die vorgeschriebene Geschwindigkeit überschreiten, es wird nicht über eine durchgezogene Linie fahren oder auch sonst keine Verkehrsregeln brechen. Menschliche Verkehrsteilnehmer hingegen legen Regeln oft unterschiedlich aus und passen ihr Verhalten an aktuelle Situationen an – die einen mehr, die anderen weniger. Der heutige Verkehrsfluss hängt wesentlich von der Flexibilität der Menschen ab. Eine weitere elementare Grundlage des autonomen Fahrens ist es, Unfälle und insbesondere Personenschäden in jedem Fall zu vermeiden.

Die Kombination der beiden genannten Regeln in Verbindung mit Individuen, die in manchen Situationen nur auf ihren eigenen Vorteil bedacht sind, kann und wird zu Konflikten führen. So könnten Fußgänger rücksichtslos die Straße überqueren, wenn sie sehen, dass sich ein autonomes Fahrzeug nähert – in der Annahme, dass es bremsen wird. Kinder könnten sich einen Spaß daraus machen, autonome Fahrzeuge auszubremsen. Geparkte oder stehende autonome Fahrzeuge könnten durch das Ziehen einer durchgezogenen Linie „eingesperrt“ werden. Die Missachtung der Verkehrsregeln könnte bei rücksichtslosen Fahrradfahrern die Folge sein, da die Angst vor Unfällen relativiert wäre.

Konflikte mit anderen Fahrzeugen lassen sich relativ leicht vermeiden, da durch den flächendecken Einsatz von Onboard-Units, also „Flugschreiber“ für Straßenfahrzeuge, alle Verstöße gegen Verkehrsregeln abgestellt werden könnten. Jeder Regelverstoß würde eine Bestrafung zur Folge haben, die an eine zentrale Überwachungsstelle gemeldet wird.

Ein solches System widersprichtjedoch den zentralen Elementen einer freien Gesellschaft. Zudem ist eine Ausdehnung auf alle Verkehrsteilnehmer, also auch auf Fußgänger oder Radfahrer, schwer vorstellbar – auch wenn technisch durchaus realisierbar. Ein Mischbetrieb zwischen autonomen Fahrzeugen und herkömmlichen Verkehrsteilnehmern, insbesondere im urbanen Raum, stellt eine große Herausforderung dar. Die Fußgänger müssten entweder überwacht und sanktioniert, oder sogar baulich vom autonomen Verkehr getrennt werden, wie beispielsweise auf Autobahnen.

Einsatzmöglichkeiten des autonomen Fahrens

Autonomes Fahren auf Autobahnen wird bereits in naher Zukunft möglich sein, da die Verkehrsbedingungen und die Straßenverhältnisse dort wenig komplex sind. Die klare Trennung von anderen Verkehrsteilnehmern, das Fehlen von Kreuzungen und der Verkehr in einer Richtung begünstigen das autonome Fahren. Soll die Automatisierung allerdings auch in anderen Verkehrssituationen möglich sein, sind grundlegende Einschränkungen erforderlich. Um die aufgezeigten Nachteile eines auf autonome Kraftfahrzeuge ausgerichteten Straßenverkehrssystems zu vermeiden, sind Alternativen notwendig. Eine mögliche Alternative wäre beispielsweise die Nutzung von bereits existierenden aber baulich getrennten Verkehrswegen im urbanen Raum. Typischerweise existieren Stadtbahnen, Straßenbahnen oder Busspuren, die nur zeitweise genutzt werden und häufig baulich getrennt sind. Durch lediglich partielle bauliche Veränderungen, wie die Herstellung geeigneter Fahrbahnen, in Verbindung mit der Kommunikation und Synchronisation zwischen den Verkehrsteilnehmern, könnten autonome Autos die existierenden Verkehrswege mitnutzen.

Die vernetzte Kommunikation zwischen Autos, den anderen Verkehrsteilnehmern und der Infrastruktur ist der Schlüssel zum Erfolg.