LeddarTech/Coast Autonomous Es darf keine blinden Flecken geben!

Der autonome Shuttle P1 von Coast Autonomous während einer Probefahrt am Times Square in New York
Der autonome Shuttle P1 von Coast Autonomous während einer Probefahrt am Times Square in New York

Coast Autonomous nutzt in seinen autonomen Shuttles drei verschiedene Lidar-Technologien. »Aber nur LeddarTech ist in der Lage, mit seinem Lidar-System auch das direkte Umfeld um das Fahrzeug zu erfassen«, erklärt Pierre Lefèvre, CTO von COAST Autonomous.

Die Idee, autonome Shuttles zu bauen, kam Lefèvre bereits 2004, als er in Paris unterwegs war und dank des alltäglichen Staus auch mit seinem Porsche nur auf eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 10 km/h kam. »Die Frage, die ich mir stellte, war: Wie können wir die Zahl der Autos in den Innenstädten zumindest zu einem gewissen Teil reduzieren, und den gewonnenen Platz wieder den Fußgängern zur Verfügung stellen zu können? Die effizienteste Antwort waren autonome Shuttles«, so Lefèvre.

Seit seiner Gründung hat COAST eine Vielzahl von autonomen Fahrzeugen entwickelt, einschließlich dem P-1 Shuttle, um die Städte an die Menschen zurückzugeben. Lefèvre: »Wir haben unsere selbstfahrende Technologie in verschiedenen Regionen und unter verschiedenen Bedingungen auf der ganzen Welt getestet.« Die Tests wurden an mehr als 60 Standorten durchgeführt, darunter in Manhattan/New York, Florida, ganz Europa, Singapur und Hongkong. Lefèvre: »Darüber hinaus haben wir Vereinbarungen getroffen, die den Einsatz unserer autonomen Shuttles auf Universitätsgeländen oder auf Industriegebieten ermöglichen, um dort Personen, Teile, Equipment und Fertigprodukte zu transportieren.«

Ein autonomes Shuttle mitten in New York? Aus Lefèvres Sicht genau der richtige Ort für die Coast-Shuttles, denn sie sind so konzipiert, dass sie nicht nur in abgeschlossenen Bereichen, sondern auch inmitten des normalen Verkehrs fahren können – Fußgänger und andere Fahrzeuge stellen für sie kein Problem dar. Lefèvre: »Das war auch unser Ziel: ein autonomes Shuttle zu entwickeln, das möglichst viele Autos im Verkehr ersetzen kann, damit die Fußgänger wieder Platz haben und sich bewegen können.«

Für diesen Anwendungsfall sind dementsprechend die autonomen Shuttles auch ausgelegt: Die maximale Geschwindigkeit gibt Lefèvre mit 25 Meilen pro Stunde an, also gut 40 km/h. Bei der Entwicklung der Shuttles wurde nicht nur die Automotive-relevante Safety-Norm ISO 26262 berücksichtigt, sondern zu allererst die Maschinenrichtlinie, »um auch die Zahl der Verkehrstoten, die bei über 1 Mio. Menschen pro Jahr liegt, zu reduzieren«, so Lefèvre weiter.

Ein autonomes Fahrzeug muss unter allen Umständen alleine bremsen können, also »ist nicht nur eine Redundanz der Sensoren notwendig, sondern auch der mechanischen Systeme. Wir setzen beispielsweise vier Bremssysteme in unseren Shuttles ein, um alle möglichen Risikofälle abzudecken. In einem autonomen Shuttle ist viel mehr Redundanz gefordert als in einem normalen Fahrzeug«, erklärt Lefèvre.

Die Redundanz auf der Sensorseite löst Coast durch den Einsatz von Lidar- und Kamerasystemen. Das Unternehmen nutzt verschiedene Lidar-Systeme für den jeweiligen Sichtbereich und ergänzt diese aus Redundanzgründen mit Kamerasystemen. Mit LeddarTech konnte Coast in einem wichtigen Bereich die Redundanz überhaupt erst ermöglichen. Lefèvre: »Die meisten Lidarsensoren sind nicht für den Nahbereich gemacht, sprich: für 1 bis 5 m. Ein autonomes Shuttle muss aber wissen, was in unmittelbarer Nähe passiert.« Dass andere Hersteller nicht an diesem Bereich, sondern mehr am Long-Distance-Bereich interessiert sind, erklärt Lefèvre damit, dass es in diesen Fällen nicht um autonome Fahrzeuge nach Level 5 geht, sondern um Entwicklungen von ADAS-Systemen für Fahrzeuge, in denen noch ein Fahrer sitzt. Für Coast wiederum ist der Long-Distance-Bereich nur mäßig relevant, »denn im Stadtverkehr sind 70 m mehr als genug«, so Lefèvre weiter.

Während der Zusammenarbeit mit LeddarTech habe der Lidar-Spezialist die Spezifikationen seines Cocoon-Systems so angepasst, dass es genau den Vorgaben von Coast entsprach. Dennoch handelt es sich nicht um ein kundenspezifisches Lidar-System, denn »das System wird auch von anderen Unternehmen genutzt«, so Lefèvre weiter.