2. Elektromobilitätsmesse EV Taiwan Elektromobilität in Taiwan im Aufwind

Elektromobilitätsmesse EV Taiwan
Elektromobilitätsmesse EV Taiwan

Direkt neben dem bis 2007 höchsten Wolkenkratzer der Welt, dem 101, fand vom 12. bis 15.4.2012 im Taipeh World Trade Center (TWTC) zum zweiten Mal in Folge die Elektromobilitätsmesse EV Taiwan statt. Diese deckte die komplette Supply Chain ab - angefangen bei den Komponenten, diversen Mess- und Testgeräten über Batterietechnologien und Ladestationen bis hin zum fertigen E-Bike, E-Scooter und Elektroauto.

Politisch mögen sich die Volksrepublik China und Taiwan nicht immer grün sein, aber das Thema Elektromobilität wird von beiden Seiten forciert. So fand Mitte April in Taipeh die zweite EV Taiwan statt. Nicht nur internationale Unternehmen, wie ABB oder TÜV Rheinland, sondern viele nationale Unternehmen, wie Fukuta, Luxgen, Aleees, Chroma, YT Stable Tech, Yulon Tobe Motor, Teco Electric & Machinery oder Her Chee Industrial - um nur einige zu nennen - stellten ihre Produkte auf der von TAITRA (Taiwan External Trade Development Council), TEEMA (Taiwan Electrical and Electronic Manufacturers‘ Association) und -TTVMA (Taiwan Transportation Vehicle Manufacturers Association) organisierten Messe rund um das Thema Elektromobilität (Bild 1) aus.

Gesponsert wurde das Event vom Bureau of Foreign Trade. 91 Aussteller konnte die EV Taiwan für sich verbuchen. E-Mobility made in Taiwan zog 1.095 internationale registrierte Käufer (zusammen mit Motorcycle Taiwan) aus aller Welt, insbesondere aber die Nachbarstaaten Japan (32 Prozent) und China (10 Prozent) an. Wie bereits auf der ersten EV Taiwan gab es wieder eine Testzone für Elektrofahrzeuge sowie einen Test-Innenbereich für E-Bikes und E-Scooter.

Elektromobilität spielt in Taiwan eine wichtige Rolle und wird von der Regierung stark gefördert, um entsprechende nationale Ziele zu erreichen. Bis 2013 sollen 10 Pilotprojekte erfolgreich laufen und 3.000 Elektroautos auf die Straße gebracht werden. Der nächste Schritt bis 2016 sieht vor, 60.000 Fahrzeuge zu produzieren und davon 15.000 Stück zu exportieren. So betonte der Executive President der TAITRA, Yuen-Chuan Chao, dass sich mit Elektrofahrzeugen in der Zukunft nicht nur die Umwelt und das Klima schonen, sondern auch viel Geld sparen lässt.

Taiwans Vision von einer grünen Erde

Welche Trends der Elektromobilität künftig in Taiwan eine Rolle spielen, zeigte die erste Session des parallel zur Messe am 12. April stattgefundenen Forums. Hier gab zunächst James Wang, Secretary-General Taiwan Automotive Research Consortium, eine kurze Einführung in die taiwanesische EV-Industrie. Anschließend stellte Robert Deutsch, Direktor des Continental-Geschäftsbereichs Hybrid- und Elektrofahrzeuge Asien, Chancen und Risiken der Elektromobilität vor. Seiner Einschätzung zufolge wird sich E-Mobility im Markt durchsetzen. Dr. Andrew Worley, Direktor Hybrid Engineering bei Remy International, referierte über Entwicklungen im Bereich EV-Energiesysteme.

Auch das Thema Sicherheit kam keineswegs zu kurz: Kenneth Lin, Geschäftsführer Automotive, Industrial und Automation-Systemlösungen bei UL für den Großraum China, stellte bereits zusammen mit SAE erarbeitete Standards vor und ging auf Sicherheitsherausforderungen im E-Fahrzeug, wie elektrische, mechanische oder thermische Gefahrenquellen, ein.

Die zweite Session (Bild 2) beschäftigte sich mit verschiedenen Pilotprojekten und Case Studies. Beispielsweise stellte Dr. Andreas Mehlhorn, Head of Mobility Consulting bei Siemens, Elek-tromobilität als Schlüsseltechnologie vor, mit der Städte in Zukunft funktionieren. Jens Christian Lodberg Høj, beschäftigt beim dänischen Beratungsunternehmen Insero E-Mobility, präsentierte anhand eines spezifischen Beispiels, welche Anforderungen Privatverbraucher an Elektromobilität haben können.

Welche Erfahrungen in Japan gesammelt wurden und wie Elektromobilität zur Steigerung der Lebensqualität betragen kann, erklärte Hiroshi Horie, als Senior Manager bei Nissan zuständig für den Bereich Auslands- und Regierungsprojekte. Nissans „Zero-Emission-Strategie“ führte zur Einführung des Nissans Leaf, der dieses Jahr in die Massen- produktion startete. Bis Mitte März wurden bereits mehr als 27.000 Stück verkauft. Die abschließende Session 3 u.a. mit Vorträgen von BYD und Infineon Technologies beschäftigte sich mit der derzeitigen Entwicklung von Elektroautos und den Marktmöglichkeiten in Asien.

Von der Vision zur Wirklichkeit

An der Umsetzung einer grünen Zukunft wird unter Hochdruck gearbeitet. Taiwans Regierung initiiert vermehrt Pilotprojekte in verschiedenen Testzonen, wie Taipeh, Taichung oder Taoyuan, wo die komplette Supply Chain zum Thema Elektromobilität aufgebaut sowie vervollständigt werden soll. So sollen bis 2013 nicht nur 3.000 Elektroautos auf Taiwans Straßen rollen, sondern auch 1.400 Lade- stationen mit verschiedenen Lade- und Anschlussmöglichkeiten errichtet werden.

Als Bezahlsystem wird die EasyCard in Erwägung gezogen, eine berührungslose, wiederaufladbare Chipkarte, die seit 2000 in Taiwan als Zahlmittel für die öffentlichen Verkehrsmittel genutzt wird. Allerdings ist der Strom an den Ladestationen bis Mitte nächsten Jahres als Anreiz noch kostenfrei. Des Weiteren soll es die Möglichkeit geben, via Smartphone nach einer Ladestation zu suchen und diese für eine bestimmte Zeit zu reservieren, um in Ruhe laden zu können. Auch eine EV-Service-Plattform via Cloud ist in Überlegung.