Selektive Veredelung von Schüttgut spart Rohstoffe wie Gold und Silber ein "Wir werden nur durch Kapazitätsengpässe gebremst"

Falko A. Eidner,Geschäftsführer FMB Technik GmbH: "Mit der Edelmetall-Preisoffensive ermöglichen wir besonders günstige Einkaufskonditionen für Metalle wie Silber oder Gold."
Falko A. Eidner,Geschäftsführer FMB Technik GmbH: "Mit der Edelmetall-Preisoffensive ermöglichen wir besonders günstige Einkaufskonditionen für Metalle wie Silber oder Gold."

Die Firma FMB Technik GmbH veredelt seit über zehn Jahren Schüttgut selektiv, in dem sie das Kontaktmaterial, also zum Beispiel Gold oder Silber, selektiv abscheidet. So zum Beispiel die Kontaktflächen von Steckverbindern. Ab einer Schichtstärke von 0,8 µm stellt Firmeninhaber Falko A. Eidner Materialeinsparungen in Aussicht, die bis zu 60 Prozent der Kosten ausmachen können.

Herr Eidner, angesichts des hohen Goldpreises müsste doch Ihr Verfahren inzwischen massenweise Anwendung finden.

Falko A. Eidner: Die von uns entwickelten Verfahren zur selektiven oder partiellen Veredlung hochwertiger Einzelteile sind von uns nur unseren Kunden zugängig gemacht worden. Uns ist bekannt, dass die Elektronikbranche seit einigen Jahren »Selektivveredlung« bei Lohngalvaniken anfragt, aber es schlichtweg kein Angebot gab. Uns sind nur zwei Firmen bekannt, die neben FMB sehr eingeschränkt Selektivveredlung mittels Durchlaufgalvanik anbieten – eine Firma aus den USA und eine aus Deutschland. Deren Einsatzmöglichkeiten sind jedoch, gemessen an unseren Möglichkeiten, limitiert und wenig flexibel.

Sie sagen, die Entscheidung für selektive Veredelung sei eine Management-Aufgabe. Werden strategische Einkäufer nicht hellhörig bei den in Aussichten gestellten Einsparungen an Gold?

Wir haben festgestellt, dass in der Regel das Mittelmanagement, das keine Bilanzverantwortung trägt, mit unserem Angebot einer unverbindlichen Überprüfung der Einsparmöglichkeiten durch Selektivveredlung und der damit einhergehenden Kosteneinsparung nicht zurechtkommt und aus verschiedenen Gründen irritiert reagiert. Erst wenn von der Unternehmensspitze das Signal der strengen Kostenüberprüfung erfolgt, reagieren die zuständigen Stellen.

Seit der Wirtschafts- und Währungskrise ist der Preis für Edelmetalle und vor allem für Gold sprunghaft gestiegen. Gilt das im gleichen Maße für Ihren Auftragseingang im Bereich Selektive Veredelung?

Wir haben durch die Änderung unserer Informationspolitik – indem wir die Unternehmensleitungen direkt ansprechen – in den letzten zwei Jahren den Bereich der selektiven Veredlung überproportional steigern können und machen zurzeit bereits ca. 70 Prozent unseres Umsatzes in Selektivvergoldung. Wir werden nur durch Kapazitätsengpässe gebremst. Weil wir unsere Investitionen bisher aus eigener Tasche bezahlt haben, müssen wir uns nach der finanziellen Decke strecken.

Sie wollen demnächst eine Rohstoff-Offensive starten, mit der Sie Kunden Preisvorteile z.B. bei Silber verschaffen wollen. 

Mit der Edelmetall-Preisoffensive ermöglichen wir besonders günstige Einkaufskonditionen für Metalle wie Silber oder Gold. Silber ist in der Galvanik als Leitmaterial oftmals alternativlos. Aufgrund der seit Jahren angespannten Lage am internationalen Rohstoffmarkt ist auch bei Silber ein massiver Preisanstieg zu beobachten – im Vergleich zu 2007 ist die Feinunze aktuell im Einkauf rund sechsmal so teuer. Das ist eine Entwicklung, die sich natürlich direkt in die Produktionskosten der materialintensiven, galvanischen Oberflächenveredelung niederschlägt. Dank Großabnahmeverträgen mit unseren Lieferanten können wir hier nun effektiv gegensteuern. Seit Frühjahr wird zum Beispiel der Silberpreis für die Oberflächenbeschichtung nicht mehr, wie üblich, nach Agosi berechnet, sondern nach LBMA London-Fixing zuzüglich Handling-Kosten. Der Preisvorteil liegt, je nach Tagespreis, durchschnittlich bei über 10 Prozent. Dieser Preisvorteil wird voll an die FMB-Kunden weitergegeben.

Bei welchen Steckverbindern ist das Einsparpotenzial durch selektive Veredelung besonders groß?

Im Prinzip kann fast jeder Steckverbinder oder Kontakt selektiv veredelt werden. Das Einsparpotential ist bei Kontakten mit großen Gesamtoberflächen und verhältnismäßig kleinen Kontaktflächen und bei hohen Goldschichten an der Kontakt- bzw. Funktionsfläche besonders hoch.

Wo liegen die Grenzen der Rentabilität der selektiven Beschichtung von Schüttgut, und wonach bemisst sich diese?

Selbstverständlich ist die Höhe des Goldpreises letztendlich entscheidend. Aber durch die Flexibilität unserer Verfahren und die damit verbundenen geringen Mindestlosgrößen der Aufträge ist die Selektivveredelung von losen Teilen eigentlich ein Muss für die Konzipierung von Kontakten, weil die Funktion und Qualität der Kontakte erhalten bleibt, bei gleichzeitiger Kosteneinsparung gegenüber der Vollvergoldung.

Mittels ausgefeilter Bandgalvanik lassen sich Massengüter ebenfalls selektiv veredeln. Wie geht Ihre Konkurrenz mit Schüttgut vor? 

Die Bandgalvanik ist in den besten Händen und stellt für uns keine Konkurrenz dar. Der Massenmarkt, der in der Elektronikindustrie von Bandgalvaniken bedient wird, ist mit guten Lohngalvaniken besetzt, und letztendlich sind genügend Kapazitäten vorhanden. Uns ist bekannt, dass unsere Mitbewerber an selektiver Veredlung von Schüttgut arbeiten, jedoch haben wir bisher keine nennenswerte Alternative zu FMB gefunden.

Wie stellen Sie sicher, dass die Qualität der Kontakte nicht leidet, wenn Sie an der Auflage sparen?

Die Funktion eines Kontaktes steht an erster Stelle und damit auch die Qualität. Wir haben für unsere Selektivvergoldung in den letzten Jahren die Freigabe für unsere Selektivgalvanik von namhaften Kunden erhalten und von der Vollvergoldung auf Selektivvergoldung erfolgreich umgestellt. Heute werden neue Steckverbinder und Kontakte bereits mit Selektivvergoldung konstruiert und bei uns angefragt; d.h. die Marktakzeptanz ist endlich gegeben. Im Übrigen ist die Selektivvergoldung im Endlosbandsektor ja bereits Standard.

Wie prüfen Sie, ob Ihre Methode für Interessenten geeignet ist? Welche Kosten fallen für diese Testphase an?

Nachdem wir feststellen mussten, dass wir nur über die Geschäftsführung mit unserer Selektivveredlung von Schüttgut beachtet wurden, haben wir unserem Markt eine unverbindliche Vorstudie der infrage kommenden Produkte des Kunden angeboten, die eine grundsätzliche Aussage über das Einsparpotential macht. In der Regel sind das beim heutigen Goldpreis ca. 30 Prozent Einsparung bei der Veredlung mit Gold. Danach wird im Detail ein Angebot erarbeitet, die Qualitäten festgelegt und der Preis vereinbart. Das ist selbstverständlich kostenfrei.

Sie halten Ihr Verfahren streng geheim, weil sie es aus Sorge von Umgehungspatenten nicht schützen lassen wollen. Sehen Sie noch weiteres Optimierungspotenzial in Zukunft?

Das ist zurzeit für mich die größte Sorge. Wir sind mittlerweile in der Weiterentwicklung der Selektivveredlung von losen Teilen einen großen Schritt vorangekommen. Weil dieser Markt der selektiven Veredlung von Schüttgut relativ jung ist und fast nicht besetzt ist – unseres Erachtens ist FMB zurzeit noch der Einzige nennenswerte Anbieter –, ist hier ein großes Potential vorhanden, das wir durch Weiterentwicklung unseres Know-hows in großen Schritten ausschöpfen werden. Wir versuchen aufgrund unserer jetzt mehr als zwölfjährigen Erfahrung in der Weiterentwicklung der Selektivgalvanik für Schüttgut, immer etwas schneller zu sein und weiter über den Tellerrand zu schauen.

Das Interview führte Corinne Schindlbeck