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Interview

Welche Bedeutung hat der neue Standard für M12-Steckverbinder?

04. August 2020, 09:08 Uhr   |  Corinna Puhlmann-Hespen


Fortsetzung des Artikels von Teil 1 .

Interview-Fortsetzung: Marktpotenzial und Applikationen

Welche Bedeutung hat heute eigentlich die Normung, die oftmals viel Zeit in Anspruch nimmt? Letztendlich entscheidet es doch der Kunde, welche Steckverbindersysteme sich am Markt etablieren.

Ein IEC-Standard bietet zunächst einmal eine solide und verlässliche Basis für eine Entscheidung. Denn durch die Normierungsarbeit sind die relevanten Informationen, Abmessungen, Anforderungen etc. abgestimmt und definiert. Damit kann Kompatibilität und weltweite Verfügbarkeit sichergestellt werden. Auch müssen während der Normierung etwaige Schutzrechte offengelegt werden, sodass auch von dieser Seite keine Unklarheiten bestehen. Das alles ist zunächst einmal gut für den Markt und die Anwender. Bei gründlicher Vorbereitung und Ausarbeitung der Unterlagen muss eine Normierung auch nicht zwangsläufig lange Zeit in Anspruch nehmen – das sehen wir an unserem Beispiel.

Aber wie Sie sagen, trifft die finale Entscheidung dann tatsächlich der Anwender. Hier spielen viele Faktoren eine Rolle: Wie ist die Haptik des Systems, wie gut lässt sich ein neuer Stecker integrieren, wie ist die Kostensituation, wie robust und mechanisch belastbar ist die neue Lösung? Gerade beim M12-Steckverbinder ist letzter Punkt von zentraler Bedeutung, denn ein wesentlicher Grund für die Erfolgsgeschichte des M12 ist dessen Zuverlässigkeit und Robustheit. Darauf haben wir bei unserem Design ein großes Augenmerk gelegt.

Wie sieht Ihr M12-Push-Pull-Porfolio aktuell aus? Sie können bereits liefern, richtig?

Ja, wir bieten den „M12 Inner Push-Pull“ in den gängigen Kodierungen für Signal-, Daten- und Leistungsübertragung an. Unser Fokus liegt dabei im ersten Schritt auf vorkonfektionierten Leitungen und den dazugehörigen Gerätesteckverbindern.

Wie groß ist aus Ihrer Sicht das Marktpotenzial für den M12-Push-Pull?

Durch die Push-Pull-Verriegelung wird der Markt für M12-Steckverbinder nicht zwangsläufig stärker wachsen. Vielmehr ergänzt der M12-Push-Pull hier ein wesentliches Feature, und zwar, dass nun kein Schrauben mehr notwendig – aber weiterhin möglich – ist; Stichwort: Rückwärtskompatibilität. Wie viele der heutigen Schraubanwendungen auf Push-Pull umgestellt werden, muss sich erst noch zeigen. Das branchenübergreifende Interesse ist jedoch enorm groß. Wir gehen daher davon aus, dass dieser Stecker-Typ mittelfristig einen wesentlichen Anteil ausmachen wird. Integratoren, die auf Push-Pull setzen, können ihren Kunden die freie Auswahl und somit eine zukunftssichere Verbindungslösung anbieten.

In welchen Applikationen wird sich der M12-Push-Pull am schnellsten durchsetzen?

Wahrscheinlich wird sich das Steckverbindersystem zuerst in der Prozessautomatisierung etablieren, weil hier die größte Vergleichbarkeit zum M12 mit Schraubverriegelung gegeben ist. Neben den hauptsächlichen Anwendungen in Sensorik, Aktorik und Datenübertragung kommt nun auch vermehrt das Thema Leistungsübertragung dazu, denn mit den speziellen Polbildern wie der L-Codierung bietet der M12 nun auch dafür Möglichkeiten. Weitere Branchen wie Bahn, Lebensmittelindustrie, Offshore etc. stellen über die M12-Norm hinausgehende, erhöhte Anforderungen an das Steckverbindersystem. Sie werden vermutlich etwas später umstellen.

Generell kann man sicherlich sagen, dass der Push-Pull für alle jene Branchen interessant ist, bei denen der M12 oft oder gar blind gesteckt wird oder wo eine kurze Installationszeit eine große Rolle spielt.

Die Fragen stellte Corinna Puhlmann-Hespen

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