Weiterentwicklung von Werkstoffen, Prüfnormen und -verfahren sorgt für Sicherheit Sichere Leitungen für die Industrie

Einsatz bei extremen Temperaturen realistisch simulieren

Ebenso werden Temperaturverläufe von –40 bis +60 °C in einem eigens hierfür umgebauten Seecontainer (Bild 2) untersucht. Anders als bei der sonst üblichen Kältewickelprüfung, bei der Testleitungen auf einen Dorn aufgewickelt und einmalig auf Prüftemperatur heruntergekühlt werden, stehen hier Leitungen und Ketten bei entsprechenden Testtemperaturen unter realistischen Bewegungsbedingungen auf dem Prüfstand. Diese müssen den Millionen von Hüben und eben der im echten Einsatz zu erwartenden Biegebeanspruchung standhalten. Eine Prüfung gilt dann als bestanden und somit die notwendige Kälteflexibilität als erwiesen, wenn keine Mantelbrüche festgestellt werden können. Nicht immer dreht es sich bei den Tests um Extremtemperaturen. Bei Kundenanfragen geht es zumeist um Leitungen, die noch bei –5 °C sicher funktionieren sollen. Der Spezialist für Energiekettensysteme bietet deshalb seit über vier Jahren eine ölbeständige PVC-Mischung an, die über eine hohe Abriebfestigkeit in einem großen Temperaturbereich verfügt. Dies ist ein Novum, denn übliche PVC-Mischungen für kettentaugliche Leitungen erfüllen diese Anforderungen bis heute nicht. Ein weiterer Vorteil: Bei eher gemäßigten Temperaturen ist es nicht zwangsläufig notwendig, auf teurere Mantelwerkstoffe wie PUR (Polyurethan) oder TPE (thermoplastische Elastomere) zurückzugreifen.

Bündel statt Lage

Die Erkenntnisse, die bei der laufenden Analyse aller Tests gewonnen werden, fließen bei Igus seit über 25 Jahren in die Entwicklung des eigenen, stetig wachsenden Sortiments von Leitungen ein. Dies führte neben neuartigen Materialien zur Einführung der Bündelverseilung, wie sie bei Stahlseilen üblich ist. In einem aufwändigen Verfahren werden bei der Bündelverseilung Adern in Einzelbündel mit drei, vier oder fünf Adern verseilt, die dann wiederum zu einer Gesamtverseilung der Bündel miteinander verseilt werden. Bei großen Verseilaufbauten geschieht dies um ein Zugentlastungselement. Das Ergebnis ist eine Leitung, die bewegungsrobust und kettentauglich ist, da – im Unterschied zu einer lagenverseilten Leitung – jede der Adern bei der Bewegung in der Energiekette gleichermaßen im Innen- und auch im Außenradius bewegt wird und dadurch einseitige Streckungen und Stauchungen vermieden werden.

Bei noch extremeren Bewegungen kommen Leitungen mit komplexem Leitungsaufbau zum Einsatz. Diese sogenannten Roboterleitungen werden vor allem bei Industrierobotern eingesetzt und müssen extreme Bewegungen, Biegungen und Torsionen mitmachen. Spezielle Dämpfungselemente geben den Adern hierbei die notwendige Bewegungsfreiheit im Leitungsinnern. Denn je mehr die Leitung „zugedreht“ wird – also an die Grenze der Belastung gerät –, desto schwieriger wird es, die Leitung zu tordieren. Besondere Schirme und Außenmaterialien sorgen zusätzlich für eine optimale Haltbarkeit der Leitungen.